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Bombenpanne von 1961: USA entkamen knapp Atomkatastrophe

Bei einer Panne verlor ein US-Bomber 1961 zwei Atombomben über Heimatboden. Ein Geheimbericht enthüllt jetzt: Die Detonation wurde nur von einem einzigen Schalter verhindert.

Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges mit der Sowjetunion sind die USA offenbar nur knapp einer selbstverschuldeten Atomkatastrophe entgangen. Die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtete am Samstag unter Berufung auf ein geheimes US-Dokument, dass im Jahr 1961 nach einer Flugzeugpanne über dem Bundesstaat North Carolina zwei Wasserstoffbomben aus einem B-52 Bomber der US Air Force gefallen seien. Eine der Bomben von je vier Megatonnen habe kurz vor der Detonation gestanden. Nur das Versagen eines Kontrollschalters habe damals eine Katastrophe verhindert.

Laut dem acht Jahre später verfassten Geheimbericht, der dem "Guardian" vorliegt, war der Langstreckenbomber am 23. Januar 1961 bei einem Routineflug mit zwei Atombomben an Bord über der Stadt Goldsboro in der Luft auseinandergebrochen. Die Bomben lösten sich und gingen auf die Erde nieder - ohne zu explodieren. In der später vorgenommenen Untersuchung kommt der für die US-Regierung arbeitende Ingenieur Parker F. Jones allerdings zu dem Schluss, dass bei einer der beiden Bomben drei der vier Sicherheitsmechanismen versagt hatten, die eine ungewollte Explosion verhindern sollten. Nur ein einfacher Sicherheitsschalter verhinderte die Detonation.

Die Beinahe-Katastrophe ereignete sich nur drei Tage, nachdem der damals frisch ins Amt eingeführte US-Präsident John F. Kennedy die Regierungsgeschäfte in Washington übernommen hatte. Kennedy trat seine Präsidentschaft am 20. Januar 1961 an.

260 mal mehr Sprengkraft als in Hiroshima

"Die Bombe MK39 Mod 2 verfügte nicht über die geeigneten Sicherheitsmechanismen für einen luftgestützten Einsatz", folgerte Jones in seinem vertraulichen Bericht, den er mit trockenem Humor mit "Wiedersehen in Goldsboro oder: Wie ich lernte, der H-Bombe zu misstrauen" überschrieb - in Anlehnung an Stanley Kubriks Kultfilm "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben".

Die US-Regierung hatte den Zwischenfall bereits in der Vergangenheit eingeräumt. Wie ernst die Lage tatsächlich war, offenbart jedoch erst der jetzt im "Guardian" veröffentlichte Bericht. Nach Angaben des Blattes hätte die Sprengkraft der Bombe die der 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfenen Atombombe um ein 260-faches überschritten. Die möglichen Auswirkungen des Zwischenfalls über Goldsboro hätten Millionen von Menschen das Leben kosten können und wären bis nach New York zu spüren gewesen.

Der Bericht wurde von dem US-Enthüllungsjournalisten Eric Schlosser bei Recherchen zu einem Buch über den atomaren Rüstungswettlauf gefunden. Um Zugang zu dem Dokument zu bekommen, berief er sich auf das Gesetz zur Informationsfreiheit. Er warf der US-Regierung vor, der Öffentlichkeit die Gefahren durch unzulängliche Sicherheitsvorkehrungen verschwiegen zu haben, um ihre Atompolitik nicht zu gefährden. "Uns wurde gesagt, es sei unmöglich, dass diese Waffen versehentlich detonieren - und doch haben wir hier eine, bei der es beinahe passiert wäre", sagte er dem "Guardian".

sas/anb/DPA/AFP / DPA