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Krise in der Ukraine: Greenpeace warnt vor einer Atomkatastrophe

Kaum geschützte Kraftwerke: Die Kämpfe in der Ukraine könnten laut Atomexperten ein Reaktorunglück auslösen. Auch ein Angriff auf das Stromnetz hätte verheerende Folgen.

In der Nordukraine ist 1986 ein Reaktor des Atomkraftwerks Tschernobyl explodiert. Es gilt als einer der schwersten Unfälle in einem Atomkraftwerk.

In der Nordukraine ist 1986 ein Reaktor des Atomkraftwerks Tschernobyl explodiert. Es gilt als einer der schwersten Unfälle in einem Atomkraftwerk.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht in den Kämpfen in der Ostukraine eine wachsende Gefahr für ein Atomkraftwerk in der Region. Derzeit sind in der Ukraine 15 Reaktoren an vier Standorten in Betrieb. Nur rund 200 Kilometer von der Kampfzone entfernt stehen die sechs Reaktorblöcke der Nuklearanlage Saporischschja. Sie gilt als größte Atomanlage Europas. Die aus Sowjetzeiten stammenden Reaktoren seien nur unzureichend gegen Beschuss geschützt. "Es gibt in der Region viele panzerbrechende Waffen, die diese Hülle durchschlagen können", sagte Tobias Münchmeyer, Atomexperte von Greenpeace, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

"Situation wie in Fukushima"

Auch ein Angriff auf die Stromversorgung oder das Stromnetz könne durch den Ausfall der Kühlung verheerende Folgen haben, wie das Beispiel Fukushima gezeigt habe. Michael Sailer, Atomexperte vom Ökoinstitut in Darmstadt, betonte, dass nicht nur ein direkter Beschuss des Reaktors ein großes Sicherheitsrisiko darstellt. Auch die Zerstörung von Hochspannungsleitungen oder sensibler Anlagen im Umfeld der Atomanlage könnten fatale Folgen haben. Der Ausfall der Stromversorgung über mehrere Stunden könne zu einer Kernschmelze führen. "Dann haben wir eine Situation wie in Fukushima", sagte Sailer zur "WAZ". Da niemand wisse, ob sich die Kämpfe ausweiten, müssten die Reaktoren möglichst rasch heruntergefahren werden, fordert er.

Die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben sehr genau und stehe in engem Austausch mit den Behörden in der Ukraine. Es gebe aber zurzeit "keine Informationen, die Anlass zu konkreten Beunruhigungen geben", teilte die GRS nach Angaben der Zeitung mit.

stb/DPA / DPA