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Trumps Richterkandidat: Missbrauchsvorwurf gegen Kavanaugh: Monica Lewinsky meldet sich zu Wort

Mit einigem Horror dürfte Christine Blasey Ford der Senatsanhörung entgegensehen, in der ihre Missbrauchsvorwürfe gegen Supreme-Court-Kandidat Brett Kavanaugh öffentlich ausgebreitet werden. Monica Lewinsky stärkte ihr demonstrativ den Rücken.

Sie wäre fast zum Grund eines Impeachments geworden: Monica Lewinsky. Die Affäre der damaligen Praktikantin im Weißen Haus mit Bill Clinton hätte den früheren US-Präsidenten seinerzeit beinahe das Amt gekostet. Das war 1998. Einer, der sich damals dafür aussprach, mit aller Strenge gegen Clinton vorzugehen, war Brett Kavanaugh, Donald Trumps Wunsch-Besetzung für den wichtigen Richterposten am Supreme Court, dem höchsten US-Gericht. Kavanaugh sieht sich nun Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt, zu denen er sich am kommenden Montag in einer Senatsanhörung äußern soll. Ebenso wie jene Frau, die den Top-Juristen schwer belastet, die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford. Deren Mut, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, würdigte wiederum Lewinsky in einem Tweet.

Die heute 45-Jährige lobte Blasey Ford dafür, dass sie in die Offensive gegangen sei, nachdem ihr Fall ohne ihre Zustimmung öffentlich geworden sei. "Es tut mir so leid", schrieb Lewinsky. "Es tut mir leid, was sie als Teenager ertragen musste. Und ich danke ihr dafür, dass sie so tapfer vortritt."  

Brett Kavanaugh: Vorwürfe zur Unzeit

Lewinsky weiß, wovon sie redet. Als sie als 22-Jährige zur Geliebten von Bill Clinton wurde, musste sie selber erfahren, was es bedeutet, wegen einer sehr persönlichen Sache plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen - noch dazu, da sich ihr Fall zu einer Staatsaffäre ausweitete. Auch Christine Blasey Ford wurde nun in die Öffentlichkeit gezwungen, nachdem die Vorwürfe öffentlich geworden waren, dass Brett Kavanaugh sie im Alter von 15 Jahren schwer bedrängt habe. Ein gemeinsamer Freund soll damals verhindert haben, dass es zum Äußersten kam. Nachdem diese Informationen durchgesickert waren und sie ihre Enttarnung befürchten musste, entschloss sich Ford, aus der Deckung zu kommen. Sie begründete dies mit ihrer "staatsbürgerlichen Verantwortung". Die Ereignisse aus den frühen 1980er-Jahren werden in der anberaumten Anhörung nun in öffentlicher Sitzung breitgetreten werden. Es wird ein Medienspektakel, das die Wissenschaftlerin nach eigener Schilderung ursprünglich vermeiden wollte. 

Besonderes Gewicht erhalten die Vorwürfe gegen Kavanaugh, weil die schon sicher scheinende Nominierung des konservativen Richters für den Supreme Court dadurch in Gefahr geraten ist. Seine erforderliche Bestätigung durch den Senat erscheint nun plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Fords Vorwürfe sind auch ein Rückschlag für Präsident Donald Trump, der mit seiner Ernennung des erzkonservativen Richters den mächtigen Supreme Court deutlich nach rechts rücken will.

Kavanaugh: Einst Memo zur Lewinsky-Affäre

Dass sich ausgerechnet Lewinsky zu dem Fall äußert, erhält eine besondere Note durch die Veröffentlichung eines Memos Kavanaughs von 1998 an den für die Untersuchung gegen Clinton zuständigen Richter Ken Starr. Damals arbeitete Kavanaugh im Stab des Richters und gab sich im Fall hartnäckig. Er sei vollkommen dagegen, Clinton gegenüber bei der Befragung zu den Details seiner Beziehung zu Lewinsky nachgiebig zu sein. Er, Kavanaugh, habe sich wirklich sehr bemüht, dem Präsidenten gegenüner fair zu sein und alle Erklärungen für sein Verhalten zu berücksichtigen. Doch letzten Endes sei er überzeugt, dass es keine Rechtfertigung für Clintons Verhalten gebe (das komplette Memo lesen Sie bei CNN).

Am kommenden Montag wird Brett Kavanaugh im Zusammenhang mit einer staatstragenden Angelegenheit nun selbst sein Verhalten rechtfertigen müssen.