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Bürgerkrieg: Friedensvertrag für Süd-Sudan unterzeichnet

Nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg im Südsudan haben Regierung und Rebellen einen Friedensvertrag unterzeichnet. Für die schlimmste Krisenregion gilt er aber nicht.

Regierung und Rebellen haben einen Friedensvertrag unterzeichnet, der den mehr als 20 Jahre erbittert geführten Bürgerkrieg im Südsudan beenden soll. Für die Krisenregion Darfur gilt das Abkommen indes nicht.

Im Beisein von zwölf afrikanischen Staatsoberhäuptern und US-Außenminister Colin Powell unterzeichneten Vize-Präsident Ali Osman Mohammed Taha und der Vertreter der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee, John Garang, in der kenianischen Hauptstadt Nairobi den Vertrag. Die Unterschriften sollen den Schlusspunkt unter den verheerenden Bürgerkrieg setzen, in dem zwei Millionen Menschen ums Leben kamen - viele von ihnen durch Hunger und Krankheit. Vier Millionen weitere Bürgerkriegsopfer wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Zudem hoffen mehr als eine halbe Million ins Ausland geflohene Sudanesen auf eine Rückkehr. Gemäß dem Abkommen soll eine Übergangsregierung gebildet und die Macht dezentralisiert werden. Die Einnahmen der Öl-Quellen sollen geteilt werden. In frühestens sechs Jahren kann der Süden des Landes über eine Abspaltung abstimmen.

"Wir sind so glücklich"

"Ich fühle mich großartig. Hätte ich Flügel, würde ich fliegen", sagte Grace Datiro. 14 Jahre hat die 35-Jährige im kenianischen Exil verbracht, nun plant sie ihre Rückkehr in den Sudan. Auch der 25-jährige Musiker Malek Malual konnte die Heimkehr kaum erwarten. "Wir sind so glücklich heute. Wir wollen kein weiteres Blutvergießen im Süd-Sudan. Ich will nach Hause. Ich hab zwölf Jahre nachzuholen."

Die Kämpfe zwischen den Rebellen und Regierungstruppen waren 1983 aufgeflammt, als die Regierung in Khartum versuchte, die Scharia, das islamische Rechtssystem, im Süden des Landes durchzusetzen. Dort leben viele Christen und Anhänger verschiedener Naturreligionen. Powell rief die Konfliktparteien auf, für ein Ende der Krise zusammenzuarbeiten. Dann könnten sich auch eine "positive Beziehung" des Landes zu den USA ergeben. Die USA haben ein besonderes Interesse an dem ölreichen Land, da hier in den 90er Jahren moslemische Extremisten Unterschlupf fanden.

"Heute ist ein sehr wichtiger Tag für uns", sagte ein Vertreter der sudanesischen Regierung, der der Zeremonie in Nairobi beiwohnte. "Wir im Norden haben auch gelitten. Wenn dieser eine Krieg beendet worden ist, dann wird auch der in Darfur enden", sagte Auadi al-Chatiib. In der Krisenregion Darfur im Westen des Landes sind durch die nun fast zwei Jahre andauernde Kämpfe zwischen Milizen und Rebellen mehr als 1,5 Millionen Menschen vertrieben worden. Die Rebellen werfen der Regierung in Khartum vor, hinter den arabische Reitermilizen zu stehen, die Tausende Dörfer zerstört und geplündert haben sollen. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet die Milizen als "Gesetzlose". Zehntausende Menschen sind in Darfur durch Kämpfe, Unterernährung und Krankheiten ums Leben gekommen.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, lobte das Abkommen am Sonntag. "Der Vertrag wird hoffentlich auch einen positiven Einfluss auf die Situation in Darfur haben. Es gibt Lektionen, die wir auch in Darfur anwenden könnten".

Katie Nguyen und Wangui Kanina/Reuters / Reuters