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Bürgerkrieg in Libyen Gaddafis Truppen verminen offenbar Leichen


Neue Vorwürfe gegen die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi: Nach Aussage der Rebellen würden die Soldaten inzwischen die Körper von Getöteten mit Minen versehen. In der Ortschaft Brega sollen einige Tausend Soldaten für eine neue Offensive zusammengezogen worden sein.

Die Truppen des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi bereiten sich nach Einschätzung der Rebellen auf eine neue Offensive im Osten vor. Die Internetzeitung "Brnieq" meldete am Mittwoch, in der Ortschaft Brega seien inzwischen 2000 bis 3000 Soldaten stationiert worden. Diese hätten Raketen und andere schwere Waffen in Tunneln versteckt, um sie vor möglichen Luftangriffen durch die Nato zu schützen. An der Front, die schon seit Wochen zwischen Brega und Adschdabija liegt, hätten sie Minen an Leichen angebracht.

Auch in der seit zwei Monaten von Gaddafis Truppen belagerten Stadt Misrata gehen die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter. Der zur Versorgung der Küstenstadt dringend benötigte Hafen wurde mit Raketen und Granaten unter Beschuss genommen. Nach Angaben der Aufständischen wurden die Regierungstruppen kurz darauf von Nato-Flugzeugen attackiert. In den Außenbezirken Misratas lieferten sich Rebellen und Gaddafi-Getreue vereinzelt Gefechte.

Am Dienstag waren nach Angriffen der Gaddafi-Truppen Hunderte Familien aus der westlichen Region Dschabal Nafusa in Richtung Tunesien geflohen. Libyen bat Russland, die Einberufung einer Sitzung des Weltsicherheitsrates zu den Nato-Angriffen zu beantragen.

Stämmen wenden sich von Gaddafi ab

Unterdessen haben sich die libyschen Stammesvertreter offenbar von Gaddafi abgewandt. Anführer oder Repräsentanten von 61 Stämmen sprachen sich in einer am Mittwoch in Paris veröffentlichten Erklärung für ein geeintes, freies und demokratisches Libyen ohne Gaddafi aus. "Das Libyen von morgen wird, wenn der Diktator weg ist, ein geeintes Libyen sein", heißt es in dem Text, den der französische Schriftsteller Bernard-Henri Lévy veröffentlichte. Lévy versicherte, dass auch der mächtige Warfalla-Stamm und ein Vertreter des Gaddafi-Stammes die Erklärung unterzeichnet hätten. Im Prinzip stünden alle Stämme hinter dem Text. Da es aber innerhalb einiger Clans Streitigkeiten gebe, sei die Unterstützung nicht immer hundertprozentig.

De Maiziere rechnet nicht mit Bundeswehreinsatz

Die Wahrscheinlichkeit eines humanitären Bundeswehreinsatzes in Libyen ist nach Einschätzung von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere gesunken. Derzeit erwarte er keine UN-Anfrage für einen EU-Einsatz, da sowohl die Truppen von Staatschef Muammar Gaddafi als auch die Rebellen Hilfslieferungen passieren ließen, sagte de Maiziere vor einem Treffen mit UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon in New York. Dennoch liefen in der EU Planungen für den Fall, dass ein Militäreinsatz zur Absicherung humanitärer Hilfe nötig werden sollte.

Energisch forderte de Maiziere ein Ende der Debatte über die umstrittene Enthaltung Deutschlands bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über den Militäreinsatz in Libyen. "Irgendwann einmal sollte die Diskussion zu Ende sein", mahnte der Minister in New York. Er selbst wolle zu der Debatte bei seinem zweitägigen Besuch in New York und Washington keinen Beitrag leisten.

Nato will Bombardement offenbar ausweiten

Nach einem Bericht der "New York Times" will die Nato ihre Luftangriffe auf Ziele in Libyen intensivieren. Wie die Zeitung unter Berufung auf Mitarbeiter der Regierung von US-Präsident Barack Obama und Nato-Beamte schreibt, sollen bei dieser intensiveren Bombardierung vor allem Paläste, Hauptquartiere und Kommandozentralen ins Visier genommen werden. Es gelte, die Möglichkeiten der Regierung zu vermindern, Zivilisten Schaden zuzufügen. Auch sollten Kommandozentralen und die Logistikkette für Militäroperationen zerstört werden.

Beamte des Weißen Hauses sagten demnach, Obama sei über die energischere Bombardierung informiert worden. Dazu habe bereits der Angriff auf den Komplex in der Hauptstadt Tripolis gehört, in dem Gaddafi residiert. Dieser Luftschlag habe aber nicht zum Ziel gehabt, Gaddafi zu töten, erklärten US-Beamte.

kng/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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