Caracas Venezuela stoppt Ölverkauf an Exxon Mobil


Die venezolanische Ölgesellschaft PDVSA hat den Rohöl-Verkauf an den US-Konzern Exxon Mobil eingestellt und die Geschäftsbeziehungen zu dem Konzern ausgesetzt. PDVSA reagiert damit auf das Einfrieren von Vermögenswerten in Milliardenhöhe. Von unserem Korrespondenten in Caracas.

Der venezolanische Staatskonzern PDVSA hat seine Öllieferungen an Exxon Mobil gestoppt. Aufgrund der vom US-Unternehmen unternommenen juristischen Schritte würden die Geschäftsbeziehungen ausgesetzt, teilte Petróleos de Venezuela (PDVSA) mit. Exxon Mobil und PDVSA streiten sich derzeit vor einem internationalen Schiedsgericht, weil die venezolanische Regierung von Präsident Hugo Chávez im Zuge ihrer Nationalisierungspolitik im vergangenen Jahr auch Gemeinschaftsprojekte mit ausländischen Ölfirmen verstaatlicht hatte.

Exxon Mobil hatte unlängst vor Tribunalen in Großbritannien und den Niederlanden durchgesetzt, dass Vermögenswerte von PDVSA in Europa in Höhe von bis zu zwölf Milliarden Dollar eingefroren wurden. Auch ein US-Gericht setzte Aktiva des venezolanischen Unternehmens in den USA fest. PDVSA bezeichnete das Verhalten von Exxon Mobil in einer Erklärung als "Beleidigung". Das Staatsunternehmen teilte mit, dass es die Verträge mit Exxon Mobil hinsichtlich gemeinsamer "im Ausland bestehender Gemeinschaftsinvestitionen" einhalten werde. Damit bezog sich PDVSA offenbar auf die mit Exxon Mobil betriebene Ölraffinerie in Chalmette im US-Bundesstaat Louisiana. Die Geschäftspartner sind mit jeweils 50 Prozent an der Raffinerie beteiligt.

In Chalmette werden täglich etwa 79.000 Barrel Rohöl aus dem Ölfeld Cerro Negro im Orinoko-Becken verarbeitet, wie die in Caracas erscheinende Tageszeitung "El Universal" berichtete. Außerdem lieferte PDVSA bisher dem Bericht zufolge jeden Tag etwa 60.000 Barrel an andere Raffinerien von Exxon Mobil. Der von PDVSA verhängte Lieferstopp bezieht sich offenbar auf diese Menge.

Chávez droht den USA mit Ölembargo

Der Streit zwischen beiden Konzernen reicht bis Anfang 2007 zurück. Die venezolanische Regierung zwang im vergangenen Jahr die an der Erschließung von Ölfeldern im Orinoko-Becken beteiligten ausländischen Investoren, darunter auch Exxon Mobil, die Mehrheit ihres Geschäfts der PDVSA zu übertragen. Das US-Unternehmen zog sich daraufhin aus dem Projekt zurück und fordert nun eine Entschädigung.

Venezuelas Vize-Ölminister Bernard Mommer warf Exxon Mobil vor, die Ölförderländer wie Venezuela einschüchtern und in ihren souveränen Entscheidungen beeinflussen zu wollen. Der US-Multi wisse, dass er das anhängige Schiedsverfahren verlieren werde und wolle nun "Panik und Unruhe" verbreiten, sagte Mommer dem venezolanischen Staatsfernsehen.

Präsident Chávez hatte die Chefs des größten US-Energiekonzerns in seiner Fernseh- und Radiosendung "Aló, Presidente" als "imperialistische Banditen" beschimpft. Den USA drohte er mit einem Ölembargo. Sollte Venezuela mit Streit mit Exxon Mobil Schaden zugefügt werden, werde er "dem Imperium der Vereinigten Staaten nicht einen einzigen Tropfen Erdöl" mehr liefern, kündigte der Linksnationalist an. Venezuela ist einer der wichtigsten Öllieferanten der USA.

PDVSA verkauft Ölterminal auf Bahamas

Unabhängig vom aktuellen Streit mit Exxon Mobil hat PDVSA den Verkauf eines Ölterminals auf den Bahamas abgeschlossen. Der US-Fonds "First Reserve Corporation" erwarb die Bahamas Oil Refining Company International Limited nach Angaben von PDVSA für knapp 900 Millionen Dollar.

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