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Verkaufsstart in Deutschland: Kioskbesitzer rechnen mit Run auf "Charlie Hebdo"

Am Samstag startet der Verkauf des neuen "Charlie Hebdo"-Hefts in Deutschland: Deutsche Kioskbesitzer rechnen mit einem Kundenansturm, einige Händler fürchten jedoch Angriffe radikaler Muslime.

In Frankreich sucht man nach der neusten Ausgabe von "Charlie Hebdo" zumeist vergeblich - die Kioske sind ausverkauft

In Frankreich sucht man nach der neusten Ausgabe von "Charlie Hebdo" zumeist vergeblich - die Kioske sind ausverkauft

Charlie Hebdo" ist wieder da - und das in einer Mammutauflage, die so hoch ist wie nie: Statt in rund 60.000 Exemplaren wie vor dem Attentat erscheint das Magazin diesmal mit 5 Millionen Exemplaren, die in 25 Ländern verkauft werden sollen.

Zum Verkaufsstart des Hefts hat es in Frankreich und Großbritannien bereits einen riesigen Ansturm gegeben. An vielen Verkaufsstellen waren die Hefte nach wenigen Minuten vergriffen. In London standen in der Nacht zum Freitag bereits ab Mitternacht Kunden am Kiosk an, wie britische Medien berichteten. Auch in den Niederlanden war das Heft am Freitag in kürzester Zeit ausverkauft.

Händler in Frankfurt eingeschüchtert

Am Samstag beginnt der Verkauf der "Charlie Hebdo"-Hefte in Deutschland. Auch hier wird mit einer hohen Nachfrage gerechnet. Während sich der Großteil der Zeitschriftenhändler über den zu erwartenden hohen Umsatz freuen dürfte, haben einige Kioskbesitzer ernste Bedenken: Sie sorgen sich um ihre Sicherheit und fürchten offenbar Angriffe. Laut "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" haben hessische Händler darum gebeten, nicht mit den Satireheften beliefert zu werden. Die Begründung: Die Verkäufer hätten "Angst vor den Konsequenzen".

Ein konkreter Fall von Einschüchterung wurde in Frankfurt bekannt: Im Stadtteil Sachsenhausen habe ein unbekannter Mann einem Kioskbesitzer gesagt, er wolle nicht, dass Satiremagazine in dem Laden verkauft würden. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Der Mann habe dabei auf die aktuellen Ausgaben der "Titanic" und des "Eulenspiegel" gezeigt. Weitere Bedrohungen von Einzelhändlern habe es laut Polizei in Frankfurt jedoch nicht gegeben. Zudem sei ein leitender Redakteur der "Frankfurter Neuen Presse" in der Bahn angegriffen worden, als er das Satireheft in der Hand gehalten habe, schreibt die "Faz".

150 Exemplare für Berlin

In Berlin erleben die Kioskbesitzer nach stern-Recherchen hingegen keine Einschüchterungsversuche. Dort haben die Händler eine ganze andere Sorge: Nur bis zu 150 Hefte werden den Berliner Kiosken insgesamt ausgeliefert - zu wenige, um der vermutlich auch dort großen Nachfrage gerecht zu werden.

Doris Heil, vom Kiosk Heil-Quelle in Neukölln sagt gutgelaunt: "Hier ist so ein buntgemischtes Publikum, bei mir liegt die Jüdische Allgemeine neben arabischen Zeitungen. Neukölln ist so international. Wegen 'Charlie Hebdo' rennen sie mir die Bude ein. Berlin ist ja eher atheistisch. Den meisten ist das echt wurscht." Sie hofft, dass sie überhaupt Exemplare bekommt.

Die Befürchtung ist nicht unberechtigt. Der Grossist West-Berlin kann nur 75 Hefte verteilen, alle Kioske hätten aber hohe Anfragen. Am Ostbahnhof bei "Press&Books" weiß schon jetzt: "Wir bekommen kein einziges Exemplar."

Erlös wird Familienangehörigen gespendet

In der jüngsten Ausgabe des Satiremagazins macht sich die Redaktion von "Charlie Hebdo" über die islamistischen Terroristen lustig, die am vergangenen Mittwoch bei einem Angriff auf das Satiremagazin in Paris zwölf Menschen erschossen hatten. In den Zeichnungen werden die Attentäter als geistig minderbemittelt dargestellt.

Auf der Titelseite des Hefts ist ein weinender Prophet Mohammed zu sehen. Er hält ein Blatt mit der Aufschrift "Ich bin Charlie" in der Hand. Über der Karikatur steht: "Alles ist vergeben." Die neue "Charlie Hebdo"-Ausgabe umfasst acht Seiten und erscheint mehrsprachig – unter anderem wurde der Inhalt ins Englische, Spanische und Arabische übersetzt. Eine deutsche Fassung ist nicht geplant. Das Heft ist auch in einer digitalen Ausgabe erhältlich, allerdings nur in Französisch. Die Einnahmen aus dem Heftverkauf kommen den Familien der Anschlagsopfer zugute.

las/DPA/AFP / DPA