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Clinton in Nordkorea: Botschafter ohne offizielle Botschaft

Fakt ist: Ex-US-Präsident Bill Clinton hat in Pjöngjang Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il getroffen. Fraglich bleibt, ob Clinton geschickt wurde. Während nordkoreanische Medien behaupten, Clinton habe eine offizielle Botschaft überbracht, spricht das Weiße Haus von einer "ausschließlich privaten" Reise.

Die USA haben überraschend Bill Clinton nach Nordkorea geschickt, um die Freilassung von zwei inhaftierten Journalistinnen zu erwirken. Als erster hochrangiger US-Politiker seit neun Jahren traf der Expräsident am Dienstag mit Staatschef Kim Jong Il zusammen. Clinton habe "höflich" eine mündliche Botschaft von US-Präsident Barack Obama übermittelt, hieß es in einer Meldung der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Kim habe sich dafür bedankt. Bei dem Gespräch habe es einen "weitreichenden Meinungsaustausch" gegeben. Das Weiße Haus dementierte umgehend, dass Clinton eine Botschaft Obamas überbracht habe. "Diese Berichte treffen nicht zu", sagte ein Sprecher am Dienstag.

Die südkoreanische Agentur Yonhap meldete weiter, während eines Abendessens im Gästehaus der nordkoreanischen Führung hätten beide einen "breiten Fächer von Themen" angesprochen. Stunden zuvor war Clinton in Pjöngjang eingetroffen - wie es hieß, um die Freilassung zweier inhaftierter amerikanischer Journalistinnen zu erreichen. Der Ehemann von US-Außenministerin Hillary Clinton wurde bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von hohen nordkoreanischen Regierungsvertretern begrüßt. Auch das nordkoreanische Staatsfernsehen berichtete über die Ankunft. Der frühere Präsident ist in Nordkorea in guter Erinnerung, da das Verhältnis zu den USA in seiner Regierungszeit vergleichsweise entspannt war.

Die Regierung in Washington sprach von einer "ausschließlich privaten" Reise zur Freilassung der seit fünf Monaten festgehaltenen Frauen. Es wurden keinerlei Einzelheiten - beispielsweise zur Dauer des Besuchs - mitgeteilt. "Wir wollen den Erfolg der Mission des früheren Präsidenten Clinton nicht gefährden", teilte das Weiße Haus mit.

US-Medien berichteten, die Regierung versuche die Bemühungen um die Freilassung der Reporterinnen und den Streit um das nordkoreanische Atomprogramm strikt zu trennen. Dagegen ist nach südkoreanischen Informationen mit dem Besuch auch die Hoffnung verknüpft, neue Bewegung in den festgefahrenen Konflikt zu bringen und die Sechs-Parteien-Gespräche wieder zu beleben.

Clinton wurde auf dem Flughafen unter anderem von Vize-Außenminister Kim Kye-Gwan begrüßt, dem nordkoreanischen Verhandlungsführer bei den Atomgesprächen, berichtete das Staatsfernsehen des kommunistischen Landes. "Unsere Kinder empfingen Herrn Clinton mit Blumen", hieß es im nordkoreanischen TV. Ein Sprecher der regierenden Arbeiterpartei sprach von einem "humanitären Ereignis" zur Freilassung der beiden Amerikanerinnen.

Bereits im April hatte Nordkorea seinen unwiderruflichen Rückzug von den seit 2003 laufenden Gesprächen über den Abbau seines Atomwaffenprogramms erklärt. Das kommunistische Land reagierte damit auf die Verurteilung des Starts einer nordkoreanischen Langstreckenrakete durch den Weltsicherheitsrat. An den Gesprächen waren außer Nordkorea und den USA auch China, Südkorea, Japan und Russland beteiligt.

Kleines Kind und komische Dame

Die beiden amerikanischen Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee waren Mitte März nahe der chinesisch-nordkoreanischen Grenze ergriffen worden, während sie über nordkoreanische Flüchtlinge berichteten. Sie wurden wegen "schweren Verbrechens gegen die koreanische Nation und illegalen Grenzübertritts" zu jeweils zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Die beiden Frauen arbeiten für die Mediengruppe Current TV in San Francisco. Kreise in Südkorea gehen davon aus, dass Nordkorea und die USA seit Wochen intensiv über den Fall verhandeln.

Ähnlich wie Clinton hatte 1994 bereits Ex-Präsident Jimmy Carter nach Ende seiner Amtszeit Nordkorea besucht. Er hatte den damaligen Machthaber und Staatsgründer Kim Il Sung - Vater des heutigen Diktators Kim Jong Il - getroffen. Das Treffen hatte Nordkorea damals an den Verhandlungstisch zurückgeführt.

Nordkorea, dessen Bevölkerung unter bitterer Armut leidet, ist seit Jahren international isoliert. Den jüngsten Atomtest im Mai hatten im Weltsicherheitsrat auch China und Russland, die zuvor die Verbindung nach Pjöngjang gehalten hatten, scharf verurteilt. Clintons Frau, US-Außenministerin Hillary Clinton, verglich das Regime in Pjöngjang unlängst mit einem kleinen Kind, das auf sich aufmerksam machen wolle. Daraufhin erklärte das nordkoreanische Außenministerium, die Ministerin sei eine "komische Dame", die die elementare Etikette der internationalen Gemeinschaft nicht kenne. Manchmal wirke sie wie ein kleines Schuldmädchen.

AP/DPA / AP / DPA