Deutsche Reaktionen "Heimtückisch, barbarisch, menschenverachtend"


Kanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer haben die Anschläge in London scharf verur teilt. Die Bunderegierung sichert "unerschütterliche Solidarität" zu.

Die Bundesregierung hat die Terroranschläge in London scharf verurteilt und Großbritannien Deutschlands Solidarität versichert. "Diese heimtückischen Taten, die Leben und Gesundheit vieler Unschuldiger kosteten, wird von mir wie von allen Teilnehmern des G8-Gipfels auf das schärfste verurteilt", erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstag.

"Mein tiefes Mitgefühl gilt den Betroffenen, deren Angehörigen, Premierminister Tony Blair und dem gesamten britischen Volk", hieß es in der Erklärung Schröders. "Wir sind uns einig, dass die internationale Staatengemeinschaft alles tun muss, den Terrorismus mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gemeinsam zu bekämpfen."

Fischer sichert Solidarität zu

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte, die Terroranschläge seien Menschen verachtend. Deutschland sei entsetzt über die abscheuliche Tat und empfinde tiefes Mitgefühl. "Terrorismus darf und wird sich nicht durchsetzen." London habe Deutschlands "unerschütterliche Solidarität".

G8-Treffen soll fortgesetzt werden

Schröder erklärte, "ganz offensichtlich zielte die koordinierte und ebenso feige wie heimtückisch durchgeführte Aktion auch auf den zur gleichen Zeit in Gleneagles stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel der G8". Es zeuge von der besonderen Menschenverachtung der Attentäter, wenn durch diese feigen Anschläge unschuldige Menschen getroffen würden und gleichzeitig der Versuch unternommen werde, ein Gipfeltreffen zu unterminieren, dessen ureigenste Ziele die Überwindung von Hunger und Armut in Afrika seien. Schröder begrüßte Blairs Entscheidung, das Gipfeltreffen fortzusetzen.

Eichel ruft zu Besonnenheit auf

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sagte, die Staatengemeinschaft werde gemeinsam "mit aller Härte" gegen den Terrorismus vorgehen. Die Finanzmärkte würden beobachtet, und die Finanzminister stünden mit den Zentralbanken in Kontakt. "Wir müssen in einer solchen Situation besonnen reagieren."

Köhler kondoliert der Queen

Bundespräsident Horst Köhler hat der britischen Königin Elizabeth II. sein Beileid ausgesprochen. Mit Entsetzen habe er von den barbarischen Anschlägen erfahren, schrieb Köhler in einem Telegramm an das britische Staatsoberhaupt. "Wieder haben Terroristen in ihrer ganzen Bösartigkeit zugeschlagen." Köhler sprach von "scheußlichen Akten", die von "menschenverachtenden Überzeugungen" geleitet seien. Der Terrorismus werde gemeinsam und entschlossen bekämpft. "Für die Opfer spreche ich Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, mein herzliches Beileid aus", so Köhler, der das Telegramm mit "stillem Gruß" schloss.

Beckstein sieht verschärfte Sicherheitslage

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) sieht nach den Terroranschlägen in London auch in Deutschland eine allgemein verschärfte Sicherheitslage. Eine Abfrage bei allen Sicherheitsbehörden habe aber keinen Hinweis auf konkrete Gefahren ergeben, sagte Beckstein. Die menschenverachtenden Anschläge zeigten, welche Gefahren von Islamisten ausgingen. Er sprach den Londoner Terroropfern sein Mitgefühl aus.

Lehmann: Mitgefühl für alle Opfer

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat seine Trauer und Bestürzung über die Anschläge in London ausgedrückt. In einem Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von England und Wales, Kardinal Cormac Murphy-O’Connor, übermittelte Lehmann außerdem das tiefe Mitgefühl der deutschen Bischöfe und aller Gläubigen mit den Menschen, "die unschuldig zum Opfer dieser unfassbaren und unmenschlichen Gewalt wurden".

Zentralrat der Muslime sieht keine Rechtfertigung im Koran

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat hat die Anschläge in London als "barbarisch" verurteilt. "Wer immer die Hintermänner dieser blutigen Tat sind, im Islam können sie keine Rechtfertigung für ihre Tat finden", erklärte der Vorsitzende Nadeem Elyas am Donnerstag. Er rief die Bevölkerung in Deutschland und Europa auf, "nicht in Pauschalurteile gegenüber dem Islam und den Muslimen zu verfallen."

Regierungen in Hamburg und Kiel entsetzt

Bestürzt und entsetzt haben die Regierungschefs in Hamburg und Schleswig-Holstein auf die Terroranschläge in London reagiert. "Heute ist ein schrecklicher Tag, nicht nur für Großbritannien, sondern für Europa und die ganze Welt", sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagte: "Erst gestern haben wir uns mit unseren Nachbarn gefreut, dass sie die Olympischen Spiele 2012 ausrichten dürfen .Und nur wenige Stunden später dann diese abscheulichen Taten, die auf das Herz der britischen Hauptstadt und ihrer Menschen zielen."

Stoiber: Auch Europa nicht vor Terror sicher

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hat die Terroranschläge in London als eine barbarische und meschenverachtende Tat scharf verurteilt. Dieser Anschlag zeige erneut, dass auch Europa vor Terroranschlägen nicht sicher sei, sagte der CSU-Chef. "Unser Mitgefühl gilt dem ganzen britischen Volk."

Rüttgers kündigt verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat verschärfte Sicherheitsmaßnahmen nach den Anschlägen von London angekündigt. "Wir werden uns darauf einstellen, dass auch bei uns so etwas geschehen kann", sagte er am Donnerstag in Düsseldorf. "Unsere Sicherheitskräfte werden das Notwendige veranlassen."

DPA DPA

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