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Russland-Connection: George Papadopoulos ist der Mann, der Donald Trump zum Schreien brachte

Jetzt ist George Papadopoulos nur noch irgendein Charge - obwohl ihn Donald Trump mal als "exzellenten Typen" bezeichnet hat. Die Festnahme des Ex-Beraters wirft unangenehme Fragen auf - nicht nur, was die "Russland-Connection" betrifft.

Donald Trumps Ex-Berater George Papadopoulos

So posiert Donald Trumps Ex-Berater George Papadopoulos in London für das Job-Netzwerk Linkedin

Als der Name George Papadopoulos fiel, kippte die bis dahin halbwegs entspannte Stimmung im Weißen Haus. Vor Wut schäumend habe der US-Präsident den Fernseher angeschrien, schreibt die "Washington Post", und die Mitarbeiter habe ein Gefühl der Panik beschlichen. Deutlich abgekühlt twitterte Trump später: "Nur wenige Leute kannten den jungen, untergeordneten Freiwilligen namens George, der bereits bewiesen hat, dass er ein Lügner ist." Dass Trump nicht viel mit dem "jungen George" zu tun gehabt haben will, ist aus seiner Sicht verständlich - denn Papadopoulos ist die bislang einzig bekannte Verbindung zwischen Trumps Wahlkampf-Team und russischen Regierungskreisen.

Beruhigend: die Anklage gegen Paul Manafort

Dabei hatte dieser Montag beinahe mit guten Nachrichten für den Präsidenten und sein Umfeld begonnen. Seit Tagen wusste das Weiße Haus, dass die ersten Festnahmen im Rahmen der Ermittlungen wegen der "Russland-Connection" anstanden. Getroffen hatte es, wie die meisten erwartet hatten, Paul Manafort, Trumps Kurzzeit-Wahlkampfchef. Doch die meisten Anschuldigungen stammten aus einer Zeit als dieser noch kein Kandidaten-Intimus war, auch von irgendwelchen Russland-Verbindungen war keine Rede. Das heißt zwar nicht, dass nicht noch welche folgen könnten, aber fürs Erste schien die akuteste Gefahr gebannt. Doch dann ließ das FBI wissen, dass sich Papadopoulos schuldig bekannt hat, die Russland-Ermittlungen behindert zu haben. Und plötzlich war es da, das fehlende Bindeglied.

Donald Trump


Nun stehen Fragen im Raum wie:

  • Wer ist dieser George Papadopoulos?
  • Wie involviert war er im Wahlkampf?
  • Was hat er seinen Vorgesetzten von seinen Aktivitäten berichtet?
  • Und warum hat er das FBI angelogen?

Sicher ist, kurz gesagt: Papadopoulos waren von einem in London ansässigen Professor mit "guten Verbindungen" zur Regierung in Moskau Tausende Mails versprochen worden, die Clinton schaden sollten. Papadopoulos, zu dem Zeitpunkt 29 Jahre alt, soll mehrfach versucht haben, Treffen mit dem namentlich nicht bekannten Hochschullehrer und Vertretern des Trump-Teams zu arrangieren. Vergeblich offenbar. Belegt aber ist, dass er darüber mit einigen Wahlkampf-Mitarbeitern gesprochen hat. Nur mit wem, ist noch unklar. Sein Vorgesetzter, Sam Clovis, Chef von Trumps außenpolitischem Beraterstab, soll Bescheid gewusst haben, er wurde bereits vom FBI dazu befragt. Angeblich soll er seinen Untergebenen ermutigt haben, nach Russland zu reisen, um sich dort mit offiziellen Vertretern zu treffen.

Unklar ist, warum jemand wie Papadopoulos überhaupt ins außenpolitische Team von Donald Trump gerückt ist. Laut der "Washington Post" habe er seinen ohnehin eher dünnen Lebenslauf überverkauft und teilweise sogar gefälscht. So habe er behauptet, er sei Stipendiat am Hudson Institut gewesen. Nach Erkenntnissen der Zeitung aber habe er dort nur ein unbezahltes Praktikum absolviert. Zudem gab er an, US-Vertreter bei der International Model United Nations in Genf gewesen zu sein. Bei der Veranstaltung simulieren Schüler und Studenten die Arbeit der Vereinten Nationen. Doch dort sei Papadopoulos unbekannt, so die "Washington Post". Auch habe er nie eine wichtige Rede bei der American-Greek-Organization gehalten, wie er selber sagt. Kurzum: Für den Berater eines US-Präsidentschaftskandidaten war er reichlich unqualifiziert.

Und dann stieß er zum Trump-Team

Dass der 29-Jährige dennoch schnell Karriere gemacht hat, lag anscheinend an Ben Carson, jetziger Wohnungsbauminister und früherer Präsidentschaftskandidat. Bei ihm hatte Papadopoulos als Berater angeheuert. Carsons Wahlkampfmanager Barry Bennett war auf der Suche nach einem Mann für die Außenpolitik und stieß dabei auf Papadopoulos. "Ich brauchte nichts Herausragendes, sondern nur einen Typen, der ok ist", sagte er der "Washington Post". Sechs Wochen lang arbeitete Papadopoulos für das Team, zwei Monate nach Ende des Engagements fand er sich im Team Trump wieder. Wie genau er dort gelandet ist, will niemand mehr so genau wissen.

George Papadopoulos am Tisch mit Trump

George Papadopoulos (3. v. r.) bei einem Sicherheitsbriefing mit dem damaligen Präsidentschaftskandidat Donald Trump


Und es ist auch nicht so, dass Papadopoulos für den jetzigen Präsidenten ein völlig unbeschriebenes Blatt gewesen wäre. Bei der Vorstellung seines Beraterteams Ende März 2016 lobte er den jungen Mitarbeiter mit den Worten: Ein Energie- und Ölberater. Ausgezeichneter Typ", so Trump damals. Wenige Tage später verbreitete der damalige Kandidat ein Foto, das ihn und Papadopoulos an einem gemeinsamen Tisch zeigt. Gefragt nach seiner Rolle, wiederholte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders auffällig oft das Wort "Volunteer", also Freiwilliger. Offenbar versuchte sie damit zu unterstreichen, dass er als unbezahlte Kraft nur ein niedriger Charge gewesen sei. So einfach aber ist es natürlich nicht, denn selbst Paul Manafort, der Wahlkampfchef, hat auf Bezahlung verzichtet, wie aus Kurznachrichten seiner Tochter hervorgeht, die die "Huffington Post" veröffentlicht hat.


Robert Mueller, der Sonderermittler für die "Russland Connection", ist mit der Anklage von George Papadopoulos ein besonderer Coup gelungen. Seine Aussage reicht viel näher an den Kern von Muellers Untersuchungen heran als die Anklage gegen Manafort. Wenngleich auch er sicher interessante Details verraten dürfte. Doch die nun bekannt gewordene direkte Verbindung zwischen dem Trump-Team und Moskauer Regierungskreisen wird den Eindruck verstärken, dass in diesem Wahlkampf irgendetwas vor sich gegangen sein muss. Vermutlich aber muss sich die US-Öffentlichkeit noch etwas gedulden, bis weitere Einzelheiten bekannt werden. Die Watergate-Ermittlungen gegen den damaligen Präsidenten Richard Nixon haben zwei Jahre gedauert, der Sonderermittler, der gegen den früheren Präsidenten Bill Clinton ermittelt hat, brauchte vier Jahre.