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US-Wahl 2024 Die Razzia in Mar-a-Lago wird Donald Trump zur Kandidatur treiben

Donald Trump vor dem Schriftzug seines Nachnamens
"Wenn er vorher nicht kandidieren wollte, dann tut er es jetzt": Ex-US-Präsident Donald Trump vor wenigen Wochen bei einem Auftritt vor konservativen Studenten in Tampa, Florida
© Joe Raedle / Getty Images
Tritt Donald Trump bei der nächsten Präsidentschaftswahl erneut an? Bislang beschränkte sich der 76-Jährige in dieser Frage auf Andeutungen. Nach der Durchsuchung seines Anwesens durch das FBI gibt es nur noch eine Antwort.

Donald Trump kokettiert seit Monaten mit einer erneuten Präsidentschaftskandidatur. Erst am vergangenen Wochenende riss der 76-Jährige auf einer Konferenz von Rechtskonservativen und Verschwörungstheoretikern in Dallas im US-Bundesstaat Texas sein Publikum zu Jubelstürmen hin, als er sagte: "Wir werden Amerika wieder stolz machen. Wir werden Amerika wieder sicher machen. Und wir werden Amerika wieder groß machen. Ich habe zweimal kandidiert, ich habe zweimal gewonnen. Jetzt müssen wir es vielleicht wieder tun. Wir müssen es vielleicht wieder tun."

Trump hält derzeit eine Menge Reden und diese Aussagen macht er bei fast jedem Auftritt — und bekommt viel Applaus dafür. Konkreter wird er aber bislang nicht. Die Razzia des FBI auf seinem Wohnsitz in Florida dürfte das bald ändern.

"Es kotzt ihn an, dass sie ihm das antun können"

Die US-Bundespolizei hatte am Montag Trumps Anwesen Mar-a-Lago durchsucht. Medienberichten zufolge hing die Aktion mit Dokumenten zusammen — darunter auch potenziell geheimes Material — die Trump nach dem Ende seiner Präsidentschaft im Januar 2021 aus Washington nach Palm Beach mitgenommen hatte, obwohl sie eigentlich dem Nationalarchiv hätten übergeben werden müssen. Laut US-Gesetz ist es eine Straftat, wenn jemand, der im Besitz von Regierungsdokumenten oder -unterlagen ist, diese "vorsätzlich und unrechtmäßig verbirgt, entfernt, verstümmelt, unkenntlich macht, verfälscht oder zerstört".

"Wenn er vorher nicht kandidieren wollte, dann tut er es jetzt", zitiert der US-Sender NBC News eine Trump nahestehende Person, die nicht für eine Stellungnahme autorisiert gewesen sei. "Es kotzt ihn an, dass sie ihm das antun können. Ein Weg, damit das aufhört, ist, die Regierung wieder zu kontrollieren."

Eine Kandidatur würde Trump weitere Munition für seinen Vorwurf liefern, die Ermittlungen gegen ihn seien rein politisch motiviert. Er könnte behaupten, Justiz und Polizei wollten ihm schaden, damit Joe Biden oder wer auch immer für die Demokraten ins nächste Rennen um die Präsidentschaft zieht, bessere Siegchancen hat.

Die Durchsuchung von Montag könnte Trumps Zeitplan in Hinblick auf eine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner verändern, mutmaßt auch die "Washington Post". "Schließlich hat seine Beschwerde, dass er als potenzieller Gegner Bidens für 2024 ins Visier genommen wurde, weniger Gewicht, als wenn er tatsächlich ein potenzieller Gegner Bidens ist."

Trump hatte sich unmittelbar nach der Razzia als Opfer politischer Verfolgung bezeichnet: "Das ist Fehlverhalten der Strafverfolgungsbehörden, der Einsatz des Justizsystems als Waffe und ein Angriff der linksradikalen Demokraten, die verzweifelt nicht wollen, dass ich 2024 für das Präsidentenamt kandidiere", kritiserte er auf dem von ihm mitgegründeten Netzwerk "Truth Social" den Polizeieinsatz.

"Sie haben schreckliche Angst, dass er jeden Tag ankündigt, dass er 2024 für das Präsidentenamt kandidieren wird", sagte Trumps Schwiegertochter Lara Trump dem Sender Fox News. "Und dies ist ein sehr bequemer Weg, um Donald Trump noch ein bisschen mehr Dreck anzuhängen, als ob sie nicht schon genug getan hätten." Es gehe darum, die Justiz als Waffe gegen jemanden einzusetzen, den man politisch nicht mag.

Präsidentschaft würde Donald Trump vor Strafverfolgung schützen

Sollte Trump es tatsächlich zurück ins Weiße Haus schaffen, hätte er zudem wieder die Macht, die Beamten des FBI und des Justizministeriums, die großen Einfluss darauf haben, gegen wen sie ermitteln und wen sie anklagen, einzustellen und zu feuern. Darüber hinaus würde ihn eine weitere Amtszeit mit großer Wahrscheinlichkeit vor Strafverfolgung schützen, da das Justizministerium seit Langem die Praxis verfolgt, einen amtierenden Präsidenten niemals eines Verbrechens anzuklagen.

Trump sei sich dieser Sachverhalte durchaus bewusst, sagte die NBC-Quelle dem Sender zufolge. Dafür spricht auch, was der "Rolling Stone" im Juli berichtete. Demnach soll der Republikaner bereits mit Vertrauten über die Vorteile einer Kandidatur und einer anschließenden Präsidentschaft in Hinblick auf die Strafverfolgung beraten haben.

Er habe davon gesprochen, "dass es für politisch motivierte Staatsanwälte schwer ist, 'an dich heranzukommen', wenn du der Präsident der Vereinigten Staaten bist", schrieb das Magazin unter Berufung auf eine an der Diskussion beteiligte Person. "Er sagt, dass eine neue republikanische Regierung, wenn er wieder Präsident wird, die Ermittlungen des Justizministeriums stoppen wird, die er als das Bestreben der Biden-Regierung ansieht, ihn strafrechtlich zu belangen — oder sogar ihn und seine Leute ins Gefängnis zu bringen".

Quellen: NBC News I, NBC News II, Fox News, "Washington Post", "Rolling Stone", "New York Times"


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