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Terminkalender des US-Präsidenten: Was macht Donald Trump eigentlich so den ganzen Tag, während die Welt in Aufruhr ist? Nicht viel.

"Ich arbeite wahrscheinlich mehr Stunden als fast jeder andere frühere Präsident", behauptet Donald Trump von sich selbst. Doch sein Terminkalender vermittelt trotz angespannter Weltlage ein völlig anderes Bild.

US-Präsident Donald Trump im Oval Office

Die Hände gefaltet: US-Präsident Donald Trump im Oval Office

AFP

Handelskrieg mit China, Atomstreit mit dem Iran, Hurrikan "Dorian", Klimawandel, Aufruhr in Hongkong, Brexit-Drama, Venezuela-Krise, Syrien-Krieg - und der eigene Präsidentschaftswahlkampf: In den USA und der Welt passieren gerade eine ganze Menge wichtiger Dinge, die ihren mächtigsten Mann, Donald Trump, beschäftigen könnten.

Doch schaut man sich den Terminkalender diese Mannes an, findet man darin statt Kabinettssitzungen, Treffen mit Experten oder seinem Beraterstab oder Gesprächen mit anderen Politikern vor allem: gähnende Leere.

Donald Trump hat kaum Termine

Abgesehen von seinem täglichen Briefing durch die Geheimdienste hatte der US-Präsident bisher in dieser Woche kaum offizielle Termine.

Den Montag, der in den USA ein Feiertag war, verbrachte Trump zu einem großen Teil in seinem eigenen Golfclub in Potomac Falls im US-Bundesstaat Virginia. Am Dienstag war sein einziger Termin ein Treffen mit Verteidigungsminister Mark Esper um 15.30 Uhr.

Der Mittwoch war im Vergleich damit geradezu "vollgepackt" mit Arbeit: Um 11.30 Uhr wurde der Präsident in Sachen Hurrikan "Dorian" auf Stand gebracht, um 12.45 Uhr hatte er ein privates Mittagessen mit Außenminister Mike Pompeo und um 14.15 Uhr nahm er an der Bekanntgabe von Finanzmitteln für den Kampf gegen die Opioid-Krise in den USA teil.

Für den Donnerstag hat Trump um 11.45 Uhr ein Gespräch mit dem Chef des Autobauers General Motors auf dem Zettel. Und um 16.30 Uhr will er der US-Basketballlegende der Los Angeles Lakers, Jerry West, die Freiheitsmedaille verleihen.

Donald Trump

In der vergangenen Woche, nach seiner Rückkehr vom G-7-Gipfel in Frankreich am Montagabend, musste sich der US-Präsident offenbar von der vielen Arbeit in Biarritz erholen. Außer gemeinsame Mittagessen mit seinem Vize Mike Pence am Dienstag und seinem Innenminister am Mittwoch ging der 73-Jährige nur am Donnerstag um 16 Uhr seinem Job nach. Im Rosengarten des Weißen Hauses nahm er an einer Zeremonie zur Einrichtung eines neuen Militärkommandos für den Weltraum teil.

Trump sagt Polen-Reise ab und geht golfen

Wenig später sagte Trump dann wegen des auf die Ostküste der USA vorrückenden "Dorian" seine lange geplante Reise nach Polen ab und erklärte, er wolle durch sein Verbleiben im Land sicherstellen, dass alle Ressourcen seiner Regierung "auf den ankommenden Sturm ausgerichtet" seien. Statt im Weißen Haus das Kommando zu führen, flog der Republikaner allerdings am Freitagabend nach Camp David, dem Landsitz der amerikanischen Präsidenten im Bundesstaat Maryland. Von dort aus schickte er mehr als 100 Tweets in die Welt hinaus und ließ sich am Samstag für einen stundenlangen Besuch seines Golfclubs nach Potomac Falls fliegen.

"Er arbeitet weniger. Er scheint sich jetzt weniger um seinen Job zu kümmern, als damals, als ich für ihn arbeitete", sagte Barbara Res, eine langjährige Führungskraft der Trump-Organisation, der "Los Angeles Times". "Vielleicht liegt es daran, dass er mehr Selbstvertrauen oder ein größeres Gefühl für Macht hat, wenn er im Oval Office sitzt. Er denkt, er kann jetzt alles sagen und tun, oder gar nichts tun."

Doch nicht alle Aktivitäten des Präsidenten tauchen in seinem Terminkalender auf. Teile seines Tagesablaufs, die nicht dort veröffentlicht werden, lassen sich dafür oft an seiner Twitterei ablesen. So postete Trump zum Beispiel in der vergangenen Woche ein Satellitenbild eines mutmaßlichen Raktenunfalls im Iran, ein klares Zeichen, dass er über das Thema informiert worden war, wie die "Los Angeles Times" feststellt. Mitarbeiter des Präsidenten veröffentlichten auch Fotos von einem "Dorian"-Briefing im Oval Office. Und sehr häufig twittert Trump als Reaktion auf TV-Berichte von Nachrichtensendern und zeigt der Öffentlichkeit damit ziemlich genau, was er sich wann im Fernsehen anschaut.

"Katastrophaler Unfall": Trump fotografiert Geheimdienstbriefing ab und stellt es auf Twitter

Es sehe so aus, als würde der Präsident sich gar nicht anstrengen, erklärte Res gegen über der Zeitung. "Aber er denkt, dass er sich bemüht. Für ihn ist das ganze Fernsehen und Twittern Arbeit". Daher glaube Trump, dass er rund um die Uhr 365 Tage im Jahr im Dienst sei. "Ich arbeite wahrscheinlich mehr Stunden als fast jeder andere frühere Präsident", twitterte Trump denn auch im Februar.