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Posten im Kabinett: Die undurchsichtigen Machtkämpfe im Team Trump

Donald Trump arbeitet weiter an seinem Team für das Weiße Haus. Offenbar tobt ein Machtkampf um Posten. Der Einblick in Trumps Gedankenwelt fällt jedoch schwer, vor allem weil er mit einer üblichen Gepflogenheit von neuen Präsidenten Probleme hat.

Donald Trump umgeben von Anhängern - unter anderem von Rudy Giuliani (links neben Trump)

Donald Trump umgeben von Anhängern - unter anderem von Rudy Giuliani (links neben Trump)

Eine Woche nach seinem überraschenden Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen arbeitet der designierte Präsident Donald Trump mit Hochdruck an der Zusammenstellung seines Kabinetts. Zwei wichtige Entscheidungen sind bereits gefallen: Zum Chefstrategen im Weißen Haus ernannte der 70-Jährige seinen ultrarechten Wahlkampfmanager Stephen Bannon; Republikaner-Parteichef Reince Priebus soll Stabschef werden. Jenseits dieser Posten soll es nun mehreren Medienberichten zufolge zu undurchsichtigen Machtkämpfen kommen.

CNN zitierte eine Quelle aus dem Umfeld des Übergangsteams, wonach hart um die zu vergebenden Kabinettsposten gerungen werde. Es sei wie bei einem "Messerkampf". Etwa der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, der frühere UN-Botschafter der USA, John Bolton, sowie der ehemalige General Michael Flynn und der Senator Jeff Sessions aus Alabama seien allesamt aussichtsreiche Anwärter auf einen Platz am Kabinettstisch.

Ben Carson: Präsident ja, Kabinett nein

Spekulationen entzündeten sich am Dienstag an dem Rückzug von Mike Rogers, der im Übergangsteam für nationale Sicherheit zuständig war. Zuvor hatte Trump bereits mit der Degradierung des Gouverneurs des Bundesstaats New Jersey, Chris Christie, vom Posten des Leiters seines Übergangsteam zu einem von mehreren Stellvertretern für Unruhe gesorgt. Christie wurde durch den designierten Vizepräsidenten Mike Pence ersetzt. Zeitung "New York Times" berichtete zudem, dass Trump eine weiteren wichtigen Berater für Außen- und Sicherheitspolitik, Matthew Freedman, aus dem Team entfernt habe. 

Der frühere Kinderneurochirurg Ben Carson, lange der einzige schwarze Anwärter auf einen Kabinettsposten unter Donald Trump, hat derweil nun abgewinkt. Er ließ mitteilen, für einen solchen Posten habe ihn sein Leben nicht vorbereitet. US-Präsident hätte er sich aber offensichtlich schon vorstellen können. Der Republikaner fuhr dafür monatelang eine Kampagne, bevor er das Handtuch warf.

Giuliani: Außen- oder Justizminister?

Der heiße Anwärter für den Posten des Außenministers, Giuliani, war ursprünglich als künftiger Justizminister gehandelt worden. Er selbst hatte zunächst auch im Fernsehen erklärt, dass er sich dieses Amt zutraue. Am Montag dann sagte er aber überraschend bei einer Veranstaltung in Washington, dass er nicht das Justizressort leiten wolle. Der Sender CNN berichtete, Trump prüfe allerdings noch, ob Giulianis Geschäftsbeziehungen - darunter seine Lobbyistentätigkeit für einen venezolanischen Ölkonzern - einer Berufung ins Amt des Außenministers entgegen stehen könnten.

Auch Ted Cruz, Senator von Texas und lange Intimfeind Donald Trumps, ist auf einmal wieder im Spiel. Der unterlegene Bewerber um die Kandidatur hat dem künftigen US-Präsidenten seine persönliche Aufwartung gemacht. Cruz erschien am Dienstagabend überraschend im Trump-Tower in New York. Reportern sagte er, er wolle mithelfen, den Wählern in Amerika die konservative Politik zu liefern, die sie sich erhofft hätten. Cruz, ein harter Rechtskonservativer und Jurist, wurde nun auch als Kandidat für die vakante Stelle am Supreme Court ins Spiel gebracht, dem Obersten US-Gericht.

Weiter unklar bleibt, welche Rollen die Kinder und der Schwiegersohn von Donald Trump bei der Vergabe der Posten spielen werden. Trump selbst hält sich weiter bedeckt. Ein "sehr organisierter Prozess" finde derzeit statt bezüglich des Kabinetts und anderer Positionen. "Aber nur ich weiß, wer es am Ende werden wird", twitterte Trump.   

Republikaner bestätigen Paul Ryan

Ungeachtet seiner Vorbehalte gegen den künftigen US-Präsidenten Trump haben sich die Republikaner unterdessen erneut für Paul Ryan als Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus ausgesprochen. Bei einer Abstimmung hinter geschlossenen Türen wurde der 46-Jährige von den Abgeordneten seiner Partei einstimmig bestätigt, wie die Republikaner-Fraktion in Washington mitteilte. Die formale Wahl findet nach dem 3. Januar statt. Der 46-Jährige war im Wahlkampf auf Distanz zu Trump gegangen.

Berichterstattung über Donald Trump bleibt schwierig

Die Machtkämpfe rund um das Team Trump sind auch deshalb so undurchsichtig, weil die Möglichkeiten der Berichterstattung über den kommenden Präsidenten der USA schwierig bleiben. Es ist üblich, dass für den Gewählten ein Pool von Journalisten eingerichtet wird, der ihm auf Schritt und Tritt folgt. Begründet wird das damit, dass das amerikanische Volk einen Anspruch habe zu wissen, was sein nächstes Staatsoberhaupt tut und wie es ihm geht. Trumps Team hat mit diesen Gepflogenheiten Probleme. Die Installation eines Pools war schwierig. Am Dienstagabend verschwand Trump plötzlich, später wurde bestätigt, er sei mit seiner Familie in einem Steakhaus. Man möge die Privatsphäre respektieren.

fin mit Agenturen / DPA / AFP