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Weißes Haus: Wie James Mattis als Verteidigungsminister Trumps Anordnungen unterlief

Der frühere US-Verteidigungsminister James Mattis hat laut einem Medienbericht in seiner Amtszeit mehrfach Anordnungen von Präsident Donald Trump missachtet - und damit im Weißen Haus mächtig Frust ausgelöst.

James Mattis mit US-Präsident Donald Trump

"Viele schlimme Dinge verhindert": Der damalige US-Verteidigungsminister James Mattis und US-Präsident Donald Trump im Oktober 2017

AFP

Im Bericht zur Russland-Affäre von Sonderermittler Robert Mueller wird deutlich, dass Mitarbeiter von US-Präsident Donald Trump mehrfach dessen Anordnungen ignoriert haben, weil sie deren Befolgung für falsch oder sogar strafbar hielten. Zu diesen Mitarbeitern zählte offenbar auch James Mattis während seiner Zeit als Verteidigungsminister.

Mattis habe bei zahlreichen Gelegenheiten versucht, Initiativen des Weißen Hauses zu blockieren, berichtet das US-Magazin "The New Yorker" unter Berufung auf ehemalige und aktuelle Regierungsmitarbeiter. So habe Trump im Jahr 2017, nach einer Reihe von nordkoreanischen Raketentests, dem Pentagon befohlen, mit dem Abzug der Ehepartner und Kinder von Militärangehörigen aus Südkorea zu beginnen, wo das US-Militär eine Basis hat. Die Anordnung habe Mattis einfach ignoriert.

James Mattis blockiert Planung von Militärschlag

Im Herbst 2017 habe Trumps damaliger nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster eine private Sitzung auf dem Präsidentenlandsitz Camp David bei Washington geplant, um militärische Optionen für die Möglichkeit eines Konflikts mit Nordkorea zu entwickeln. McMaster habe Mattis gebeten, Offiziere und Planer zu schicken. Mattis habe dies jedoch nicht getan. "Er hat verhindert, dass die Sache passiert", zitiert der "New Yorker" einen früheren hohen Regierungsbeamten. Später habe Mattis General John Nicholson, den Kommandanten der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan, davon abgehalten, sich mit Trump zu treffen.

Regierungsbeamte mutmaßten, dass Mattis einen Krieg vermeiden oder einfach nur den Informationsfluss kontrollieren wollte, so dass der Präsident keine unklugen Entscheidungen treffen konnte, berichtet das Magazin. "Es gibt viele Leute in der Administration, die die Optionen des Präsidenten einschränken wollen, weil sie nicht wollen, dass der Präsident irgendetwas erledigt bekommt", sagte demnach ein ehemaliger leitender Regierungsbeamter.

Donald Trump durfte reden, ohne zu handeln

Mattis lehnte es laut "New Yorker" ab, den Bericht des Magazins zu kommentieren. Ein hoher Ex-Mitarbeiter aus dem nationalen Sicherheitsstab habe aber erklärt, dass sich eine Strategie entwickelt habe: "Der Präsident denkt laut nach", zitiert das Magazin die Quelle. "Behandelst du das wie eine Anweisung? Oder behandelst du es als Teil eines längeren Gesprächs? Wir haben es als Teil eines längeren Gesprächs behandelt." Indem man Trump erlaubt habe zu reden, ohne zu handeln, habe man "viele schlimme Dinge verhindert."

Der Eigensinn des Verteidigungsministers habe im Weißen Haus zu tiefer Frustration geführt, schreibt der "New Yorker" weiter. "Wer zum Teufel hat Mattis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt?", sagte demnach ein weiterer Ex-Regierungsmitarbeiter. Wenn Trump das Gefühl gehabt habe, dass er ignoriert werde, habe er manchmal McMaster die Schuld gegeben. "Der Präsident dachte, dass es H.R. war, der ihn blockierte", sagte der ehemalige Regierungsbeamte dem Magazin. Die Atmosphäre sei so angespannt geworden, dass Mattis irgendwann sichtlich aufgeregt in McMasters Büro gekommen sei und gefragt habe, ob es ein Problem zwischen ihnen gebe. McMaster habe seine Mitarbeiter hinausgebeten und die Tür geschlossen. Zum Klang eines laut aufgedrehten Fernsehers hätten die beiden Männer dann eine "angeregte Diskussion" geführt.

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Quelle: "The New Yorker"

mad