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Analyse

Michael Cohen gibt Lüge zu: Wieso das Geständnis seines Ex-Anwalts für Donald Trump hochbrisant ist

Lange Zeit war Michael Cohen der Ausputzer von Donald Trump. Nun hat der frühere Anwalt des Präsidenten eingeräumt, den Kongress bei den Russland-Ermittlungen belogen zu haben - und Trump damit in Bedrängnis gebracht.

US-Präsident Donald Trump

In ein schlechtes Licht gerückt: US-Präsident Donald Trump

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Für US-Präsident Donald Trump war es eine Hiobsbotschaft: Sein langjähriger Vertrauter und Anwalt Michael Cohen hat am Donnerstag vor einem Gericht in New York unter Eid zugegeben, den Kongress bei dessen Russland-Ermittlungen über einen geplanten, aber am Ende nicht umgesetzten Immobiliendeal des Milliardärs in Moskau angelogen zu haben - aus Loyalität zu Trump.

Cohens Geständnis bezieht sich auf seine Stellungnahmen gegenüber den Untersuchungsausschüssen sowohl des Senats als auch des Repräsentantenhauses im August 2017. Darin hatte der 52-Jährige erklärt, die Pläne für den Bau eines Trump-Towers in der russischen Hauptstadt seien im Januar 2016 aufgegeben worden. Nun räumte er ein, dass er noch bis ungefähr Juni 2016 versucht habe, eine Genehmigung der russischen Behörden für das Projekt des Trump-Konzerns zu erhalten. Cohen erklärte zudem, dass er bei mehr als drei Gelegenheiten mit Donald Trump über den Status des Vorhabens gesprochen habe und auch Mitglieder von dessen Familie darüber informiert habe. Außerdem räumte er ein, mit einem Kontakt im Kreml über das Projekt gesprochen zu haben.

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Das Eingeständnis von Michael Cohen setzt Donald Trump aus mehreren Gründen unter Druck:

1. Trump hat mehrfach erklärt, er habe keinerlei geschäftliche Beziehungen zu Russland. Cohens Aussagen stehen aber in direktem Widerspruch zu diesen Beteuerungen des US-Präsidenten. Wenn Cohen die Wahrheit sagt, hat Trump die Amerikaner offen angelogen.

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2. Trump hat wiederholt eine pro-russische Haltung offenbart und Russlands Staatschef Wladimir Putin gelobt. Unvergessen ist der Auftritt der beiden vergangenen Juli in Helsinki, als sich der US-Präsident nicht hinter die eigenen Sicherheitsbehörden stellte, die Moskau Einmischung in die US-Wahl 2016 vorwerfen. Stattdessen nannte Trump Putins Unschuldsbeteuerungen "extrem stark und kraftvoll". Das Geständnis von Michael Cohen rückt diese Haltung in ein schlechtes Licht und forciert Spekulationen über einen möglichen Interessenskonflikt.

3. Laut der US-Nachrichtenseite Buzzfeed soll der Trump-Konzern während der Verhandlungen über den Immobiliendeal erwogen haben, Putin ein 50 Millionen Dollar teures Penthouse im Moskauer Trump-Tower zu schenken, um dadurch weitere finanzstarke Käufer anzulocken. Cohen habe diese Möglichkeit mit Kremlsprecher Dmitri Peskow erörtert, berichtet Buzzfeed unter Berufung auf vier Personen, darunter Cohens Geschäftspartner Felix Sater, nach eigener Aussage Urheber des Plans. "Meine Idee war, Putin ein 50 Millionen Dollar teures Penthouse zu geben und 250 Millionen Dollar mehr für den Rest der Einheiten zu verlangen. Die Oligarchen würden Schlange stehen, um im selben Gebäude wie Putin zu wohnen", wird Sater von der Nachrichtenseite zitiert. Sollte die Geschichte stimmen, taucht auch hier wieder die Frage nach einer Interessenskollision auf.

Michael Cohen, Ex-Anwalt des heutigen US-Präsidenten Donald Trump, verlässt das Bundesgericht in New York (Archiv)

Michael Cohen, Ex-Anwalt des heutigen US-Präsidenten Donald Trump, im August beim Verlassen des Bundesgerichts in New York

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4. Die zentrale Frage bei den Russland-Ermittlungen ist: Gab es geheime Absprachen zwischen dem Trump-Team und Moskau? Hierbei spielen die zeitlichen Abläufe eine große Rolle. Sollte Cohen die Wahrheit sagen, liefen die Bemühungen um den Immobiliendeal auch noch in der heißen Wahlkampfphase, als Trump die Nominierung zum Kandidaten der Republikaner quasi schon in der Tasche hatte. Außerdem waren die Russen zu dem Zeitpunkt bereits dabei, die E-Mail-Konten der Demokraten und von Hillary Clintons Wahlkampfchef John Podesta zu hacken. Und man erinnert sich: Im Juli 2016, während einer Pressekonferenzbei der es auch um Clintons von einem privatem Server verschwundenen Mails aus ihrer Zeit als Außenministerin ging, sagte Trump öffentlich: "Russland, wenn du zuhörst, ich hoffe, dass du die 30.000 fehlenden E-Mails finden kannst" - nur Stunden später wurden die ersten Clinton-Mails veröffentlicht.

Trump drohen weitere Unannehmlichkeiten

Trump bezeichnete Cohen nach dessen Geständnis am Donnerstag auf Twitter als Lügner, der auf eine geringere Strafe hoffe. Wenig später sagte der US-Präsident schon auf dem Weg zum G20-Gipfel nach Argentinien aus der Air Force One heraus per Tweet ein geplantes Treffen mit Putin in Buenos Aires ab. Noch kurz vor dem Abflug hatte er in Washington erklärt, er habe sich entschieden, den russischen Staatschef zu treffen, es sei eine gute Zeit dafür.

Seine kurzfristige Kehrtwende begründete Trump mit den bereits seit vergangenen Sonntag verschärften Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. Politische Beobachter vermuten dagegen, dass Trump sich nach der Aussage von Cohen nicht zusammen mit Putin präsentieren will.

Trotz all dieser Fragwürdigkeiten kann Donald Trump bislang kein illegales Verhalten nachgewiesen werden. Dennoch drohen dem US-Präsidenten weitere Unannehmlichkeiten. Die Kooperationsvereinbarung von Cohen mit Robert Mueller könnte Dokumente, andere Beweise und Zeugenaussagen hervorbringen, die den Sonderermittler in der Russlandaffäre tief in Trumps familiären und persönlichen Kreis führen könnten, mutmaßt CNN-Autor Stephen Collinson. "Donnerstag könnte der bisher bedeutendste Tag in den Mueller-Ermittlungen gewesen sein."

Sehen Sie im Video: "Trumps persönlicher Pitbull – wer ist Michael Cohen?"

Quellen: CNN, Deutschlandfunk, Buzzfeed