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"New York Times"-Umfrage: Trump könnte 2020 erneut gewinnen - dank des US-Wahlsystems

Miese Popularitätswerte, Amtsenthebungsverfahren - für Donald Trump läuft es ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl nicht gerade rund. Eine Umfrage zeigt jetzt: Er könnte dennoch wiedergewählt werden.

US-Präsident Donald Trump

Es gibt einen Weg zu einer zweiten Amtszeit: US-Präsident Donald Trump

AFP

Seit Donald Trump im Januar 2017 ins Weiße Haus eingezogen ist, waren seine Popularitätswerte quasi durchgehend schlecht. Landesweit stiegen sie im Durchschnitt nie über die 50-Prozent-Marke. Derzeit finden je nach Umfrage nur zwischen 39 und 46 Prozent aller Amerikaner, dass der Präsident gute Arbeit leistet. Zudem steht Trump wegen der Ukraine-Affäre ein Amtsenthebungsverfahren ins Haus, bei dessen Voruntersuchung bereits jede Menge belastendes Material gegen den Republikaner ans Licht befördert wurde.

Die Demokraten könnten daher eigentlich relativ optimistisch der Präsidentschaftswahl im November 2020 entgegensehen. Eigentlich. Denn eine jetzt veröffentlichte Umfrage der "New York Times" in Zusammenarbeit mit dem Siena College Forschungsinstitut zeigt, dass es für Trump trotz seiner landesweiten Unbeliebtheit einen klaren Weg hin zu einer zweiten Amtszeit gibt - und der sieht genauso aus wie der Weg zu seiner ersten Amtszeit.

Donald Trump und die sechs Schlüsselstaaten

2016 hatte Trump die Wahl gewonnen, obwohl er fast drei Millionen Stimmen weniger erhalten hatte als seine Kontrahentin Hillary Clinton. Möglich war das aufgrund des amerikanischen Wahlsystems. Der Präsident wird in Amerika nämlich nicht direkt vom Volk gewählt, sondern vom sogenannten Electoral College. Es besteht aus 538 Wahlmännern und -frauen, die aus den 50 Bundesstaaten sowie den Bundesdistrikten entsendet werden. Ein Kandidat braucht also mindestens 270 Stimmen, um zum Präsidenten gewählt zu werden.

Viele der Teenager bei dieser Veranstaltung in Ohio sind sich schon sicher, wen sie 2020 wählen werden: Donald Trump.

Um diese 270 Stimmen zu erreichen, muss ein Kandidat in möglichst vielen oder möglichst bevölkerungsreichen Bundesstaaten erfolgreich sein. Denn die Anzahl der Wahlleute, die ein Bundesstaat stellt, ist abhängig von seiner Bevölkerungszahl. Und der Sieger in einem Bundesstaat erhält alle Wahlmännerstimmen dieses Staates, egal, ob er mit 2 Stimmen Mehrheit gewinnt oder mit 200.000.

Trump hat seine Präsidentschaft vor allem seinen Siegen in sechs umkämpften Bundesstaaten zu verdanken: Michigan, Pennsylvania, Wisconsin, Florida, Arizona und North Carolina. Genau jene "Battleground States" könnten auch im kommenden Jahr die Wahl entscheiden. Das Problem der Demokraten: Der "New York Times" zufolge steht der US-Präsident in diesen Staaten noch immer ziemlich gut da.

Zwar sind Trumps Popularitätswerte in diesen Bundesstaaten keineswegs besser als landesweit. Stellt man den Präsidenten aber in direkte Konkurrenz zu seinen wahrscheinlichsten demokratischen Herausforderern, ergibt sich in der Umfrage der Zeitung ein ganz anderes Bild. So liegt Trump im Vergleich mit dem führenden Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, Joe Biden, bei registrierten Wählern in Arizona fünf, in Pennsylvania und Wisconsin drei und in Florida nur zwei Prozentpunkte hinten. In Michigan sind Trump und Biden gleichauf und in North Carolina führt Trump sogar mit zwei Punkten.

Sollten die Demokraten Elizabeth Warren ins Rennen um die Präsidentschaft schicken, sähe es für sie der Umfrage zufolge noch schlechter aus. Trump würde in diesem Fall in drei der Bundesstaaten vorn und nur in einem hinten liegen. Bei einem Aufeinandertreffen mit dem dritten potenziellen Kandidaten der Demokraten, Bernie Sanders, käme es im Durchschnitt zu einem Patt.

Weiße Arbeiter würden wieder Trump wählen

Dass Trump in den sechs genannten Bundesstaaten weiterhin so hohen Rückhalt genießt, hat er laut "New York Times" vor allem weißen Wählern ohne Hochschulabschluss zu verdanken. Diese Gruppe stellt in den Schlüsselstaaten nach Angaben der Zeitung fast die Hälfte der registrierten Wähler und ihre Begeisterung ist ungebrochen. "Der Vorsprung des Präsidenten bei weißen Wählern aus der Arbeiterklasse ist nahezu identisch mit seinem entscheidenden Vorteil aus dem Jahr 2016", schreibt das Blatt. "Drei Jahre später finden mehr als 90 Prozent von Trumps Unterstützern aus dem Jahr 2016 seine Leistung gut."

Collage: Madison Square Garden & Donald Trump

Die Umfrage zeigt, für die Demokraten könnte 2020 ein Albtraum-Szenario wahr werden: Trump könnte landesweit erneut mehrere Millionen Stimmen weniger bekommen als sein Herausforderer oder seine Herausforderin und dennoch wieder die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhalten. "Um es kurz und bündig zu sagen, egal wie weit die Demokraten in Staaten wie Kalifornien und New York vorne liegen, es wird keine Rolle spielen, wenn sie nicht in einer Handvoll der oben genannten Staaten gewinnen können, die Trump 2016 gewonnen hat, resümiert die US-Nachrichtenseite "Vox".

Quellen: "New York Times"Siena College Research Institute, Real Clear Politics"Vox"