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Analyse

Staatsbesuch des US-Präsidenten: Trumps Besuch sagt viel über den derzeitigen Status Großbritanniens aus

Schlichte Ratschläge, schlichte Lösungen: US-Präsident Donald Trump zeigt bei seinem Besuch in London, wie er die Welt sieht – und einige gehen dafür auf die Knie vor ihm. Wie sich die Zeiten ändern.

Die Hand gehört eigentlich nicht an den Hut: Melania Trump (l.) muss bei einem Windstoß nach oben greifen. Der Hut der Queen sitzt hingegen perfekt. Donald Trump bleibt unbeirrt.

Der amerikanische Präsident Donald Trump ist ein Mensch mit recht überschaubaren Bedürfnissen. Er ernährt sich vorzugsweise von Cheeseburgern und Diät-Cola und schaut ab halb sieben abends gerne Fernsehen, am liebsten Fox News. Kaum war er gestern in London gelandet zum offiziellen Staatsbesuch, mokierte er sich darüber, dass in seiner Herberge, der US-Residenz, lediglich der "Fake News"-Sender CNN empfangbar sei, nicht aber seine Haus- und Hofstation Fox News. Das sei, twitterte er flugs, schlecht für die Einschaltquoten. Sodann machte er sich frisch und besuchte die Queen im Buckingham-Palace. So ging das los mit Donald in London.

Die Welt, wie sie Donald Trump sieht

Es dürften muntere Tage werden, denn als seine Visite geplant wurde, sah es so aus, als wäre Theresa May noch ein Weilchen im Amt. Nun aber tobt bereits der Kampf um ihre Nachfolge, und Trump wäre nicht Trump, wenn er sich nicht schon vor seinem Abflug mit zwei Interviews in der "Sun" und der "Sunday Times" entgegen allen diplomatischen Gepflogenheiten in innerbritische Angelegenheiten eingemischt hätte. Er lobte Boris Johnson und den Rechtspopulisten Nigel Farage, den er vor allem mag, weil Farage ihn mag. Er sähe Boris gern in der Downing Street, und ginge es nach ihm, würden die Briten seinen Kumpel Nigel nach Brüssel schicken zum Nachverhandeln mit der EU. Was allerdings gar nicht nötig gewesen wäre, hätte sich Theresa May nur an seinen Rat gehalten und die Europäische Union verklagt. Tat sie aber nicht. Und nun haben sie den Salat. Die Welt, wie sie der Donald sieht. Schlichte Ratschläge, schlichte Lösungen.

Es ist nun so, dass dieser Besuch ziemlich viel aussagt über den derzeitigen Status Großbritanniens. Sie gehen auf die Knie vor diesem Mann, von dem sich die politische Kaste in Zeiten des Brexit einen prima Wirtschaftsdeal erhofft, der die "special relationships", die speziellen Beziehungen zwischen beiden Ländern, reflektieren möge. Und für einen solchen Deal müssten sie Abstriche machen und beispielsweise US-Agrarprodukte wie chloriertes Hühnchen zulassen und möglicherweise auch den bislang heiligen Nation Health Service (NHS) öffnen für private US-Investoren. Bei Licht betrachtet ist es längst ein Miss-Verhältnis: Die Amerikaner diktieren, und die Briten müssen parieren.

Am Dienstag wird's dann politisch

Alles in allem ist die Visite des üppigen Trump-Clans eine veritable Charade: Der Amerikaner residiert abgeschirmt und hinter hohen Zäunen in der US-Residenz, und also wird er auch nichts von der großen Demo am Dienstag mitbekommen, bei der eine viertel Millionen Menschen erwartet werden. Statt dessen Prunk und Pracht und Staatsbankett in Buckingham. Die Realität ist eine andere: Trump ist auf der Insel so unpopulär wie kein US-Präsident zuvor. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan schäumte in einem Kommentar für den "Observer", es sei ein Unding für diesen Mann den roten Teppich auszurollen. Trump sei eine globale Bedrohung und seine Rhetorik erinnere an die eines Faschisten aus dem 20. Jahrhundert. Noch im Anflug auf London keilte Trump auf Twitter zurück und nannte Khan einen inkompetenten Verlierer.

Man kann seine Haltung auch etwas subtiler kenntlich machen. Prince Charles Miene beim Defilee war wortlos vielsagend; er sah beim Händeschütteln mit Trump so aus, als habe er zuvor verdorbene Muscheln verzehrt.

Am Dienstag wird’s dann politisch: Trump trifft May in 10 Downing, und wenn es sein Zeitplan zulässt auch deren potentiellen Nachmieter Boris Johnson. Es sei denn, irgendwer steckt ihm, dass sich sein neuer Freund 2015 und damals noch Bürgermeister ähnlich negativ über ihn geäußert hatte wie heute Sadiq Khan. Damals sprach Boris, dieser Donald Trump sei von Sinnen und "unfit" für das Präsidentenamt. Nun bettelt er um dessen Segen.

Wie sich die Zeiten ändern …