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Öffentliche Anhörung vor Kongress: Trumps "Ausputzer" packt aus. Das könnte für den Präsidenten gefährlich werden

Michael Cohen, der frühere Anwalt des US-Präsidenten, wird sich einer öffentlichen Anhörung im Kongress stellen. Er könnte Antworten auf zentrale Fragen geben, die Donald Trump schwer belasten würden.

Michael Cohen: Trumps Ex-Anwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen US-Präsidenten

Donald Trump will sich einmal mehr als Staatsmann geben. In Hanoi, Vietnams Hauptstadt, will der US-Präsident nichts geringeres als den Koreas Frieden verhandeln. Sein zweites Gipfeltreffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un wird Schlagzeilen produzieren (die relevantesten können Sie hier lesen). Doch die Titelseiten dürften für ein anderes Großereignis reserviert sein.

Michael Cohen, einst Anwalt und "Ausputzer" des Präsidenten, will reinen Tisch machen. Durch seine jahrelange Nähe zu Trump ist er ein wichtiger Zeuge in vielen Bereichen - nicht zuletzt deshalb wird er von Dienstag bis Donnerstag in drei unterschiedlichen Kongressausschüssen befragt. Besonders viel Aufmerksamkeit richtet sich aber auf seine öffentliche Anhörung an diesem Mittwoch vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses. Die Sitzung beginnt um 16 Uhr deutscher Zeit (10 Uhr Ortszeit). Der stern wird live über die Anhörung berichten. 

Michael Cohen über Donald Trump: "Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger."

Wie der Teufel im Schwefelbad dürften sich zahlreiche US-Demokraten auf die Aussagen des 52-Jährigen freuen. Er könnte den Präsidenten schwer belasten und Antworten auf zentrale Fragen geben, wie:

  • Wurde Cohen von Trump dazu gedrängt, vor dem Kongress zu lügen?  
  • Hat sich der US-Präsident illegaler Absprachen im Wahlkampf schuldig gemacht?
  • Hat es eine illegale Wahlkampffinanzierung gegeben?
  • Gibt es finanzielle Unregelmäßigkeiten in Trumps Unternehmen?   

Schon im vorab bekannt gewordenen Eingangsstatement für den Kongress stellt Cohen seinem ehemaligen Mandanten ein verheerendes Zeugnis aus. Die Kurzfassung: "Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger.", zitieren US-Medien aus dem Papier (über das Sie hier mehr lesen können). Demnach werde er Trump "unerlaubte Handlungen" vorwerfen, seine Vermögensbilanzen aus den Jahren 2011 bis 2013 vorlegen und zu den Schweigegeldzahlungen an mutmaßliche Geliebte des Präsidenten auspacken. Cohens Anwalt Lanny Davis hat "erschreckende" Aussagen über Trump angekündigt.

Es bahnt sich eine politische (Schlamm-)Schlacht an, die Trumps Republikaner vermeiden wollen. Sie versuchen Cohen als Lügner zu verhöhnen, allen voran Trump selbst. "Er lügt, um seine Zeit im Gefängnis zu verringern", twittert der Präsident aus Hanoi. Cohen sei "leider" einer "von vielen" Anwälten gewesen, die ihn vertreten hätten.

Zehn Jahre hatte Cohen für ihn gearbeitet, zuletzt war sein "Ausputzer" und "Fixer" auch Vize-Präsident der Trump-Organisation. Aber das soll keine Rolle mehr spielen; gilt es aus Sicht von Trump zu verwischen.

Die Tage der Wahrheit

In der Tat dürften Cohens Äußerungen von den Abgeordneten im Kongress mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden - seine Glaubwürdigkeit hat durch widersprüchliche Angaben in der Vergangenheit sicherlich gelitten. In ein schlechtes Licht dürften sie Trump dennoch rücken. Ausgerechnet jetzt

Wahrscheinlich wird Sonderermittler Robert Mueller, der seit Mai 2017 eine mögliche Wahlkampfbeeinflussung durch Russland und eine mutmaßliche Verstrickung des Trump-Teams untersucht, Anfang März seinen Abschlussbericht vorlegen. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet (lesen Sie hier mehr dazu). Und harte Fakten - die entweder über Trumps politischen Sieg im Falle einer Entlastung oder den Beginn seines Amtsenthebungsverfahrens durch eindeutige Belege für Rechtsverstöße entscheiden könnten. Dabei keine unwichtige Randnotiz: Cohen kooperiert mit Mueller.  

Der letzte, große Aufschlag?

Im August bekannte er sich vor Gericht wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung und anderer Anklagepunkte schuldig. Im November bekannte sich Cohen zudem schuldig, den Kongress belogen zu haben. Dabei ging es um den geplanten Bau eines Trump-Towers in Moskau, der letztlich nicht zustande kam. Zu dem Trump-Tower-Projekt hatte Cohen zunächst erklärt, die Pläne seien im Januar 2016 aufgegeben worden - also noch vor der ersten Abstimmung im Vorwahlkampf der Republikaner.

Später räumte er unter anderem ein, noch bis ungefähr Juni 2016 versucht zu haben, eine Genehmigung der russischen Behörden für das Projekt zu erhalten. Seine Bemühungen liefen also in der kritischen Phase von Trumps Wahlkampf weiter. In dem Statement von Mittwoch erklärt Cohen, Trumps Anwälte hätten seine Falschaussage vor dem Kongress vorab gesehen und redigiert.

Cohen war im Dezember zu drei Jahren Haft verurteilt worden und soll seine Strafe im Mai antreten. Er hat sich von seinem früheren Boss abgewandt und ihn mehr als einmal in Bedrängnis gebracht. Es ist nicht zu erwarten, dass es heute anders sein wird.

Umstrittener Rechtsanwalt: Einst Trumps Pitbull und Problemlöser – wer ist der Anwalt Michael Cohen?
fs / Mit Material der DPA und AFP