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Klimawandel Europa wählt für den Umweltschutz, Donald Trump wickelt den Umweltschutz ab

Donald Trump
Donald Trump und seine Frau Melania bei ihrem Staatsbesuch in Japan
© Charly Triballeau / AFP
Wer bei der Europawahl das Thema Klimaschutz verpennt hat, wurde abgestraft. Ganz anders die USA: Dort macht sich Donald Trump daran, die Umweltschutzgesetze zu kippen - und die dahinterstehende Forschung zu unterminieren.

Es wäre spannend gewesen, einmal das Abschneiden von Donald Trump als Kandidat bei der Europawahl zu beobachten. In Dänemark, in Deutschland, Finnland oder Luxemburg sind klimawandelskeptische Positionen, die er vertritt, so gut wie unwählbar. Umfragen zufolge wird Umweltschutz auch in den USA immer mehr zu einem Gewinnerthema – doch was tut der US-Präsident? Er ignoriert es nicht nur, er beginnt (erneut) damit, Umweltregeln aus der Obama-Zeit zu kippen. "Und, was vielleicht noch viel weiterreichende Konsequenzen haben dürfte, die Regierung versucht die der Klimapolitik zugrunde liegende Wissenschaft zu unterminieren", schreibt die "New York Times".

Trumps Angriffe auf die Wissenschaft

Anlass sind Pläne des Weißen Hauses, Regelungen, die den Treibhausgasausstoß begrenzen sollen, in den nächsten Monaten loszuwerden. Die Gesetze sehen vor, dass US-Behörden regelmäßig über den Stand der zu erwartenden Erderwärmung informieren. Bislang erstrecken sich deren Prognosen bis zum Ende des Jahrhunderts, doch die kommenden Studien sollen nach Willen des neuen Direktors des Geologischen Dienstes nur noch den Zeitraum bis 2040 umfassen. Experten fürchten, dass sie mit dieser zeitlichen Beschränkung nicht mehr umfassend über die Folgen des Klimawandels aufklären können. Nach jetzigem Stand wird die volle Wucht des Klimawandels – so nicht gegengesteuert wird - ab den Jahren 2050, 2060 zu spüren sein.

Viele Forscher betrachten derartige Eingriffe als Angriff auf die Wissenschaft. Schon seit Beginn von Trumps Präsidentschaft beklagen sie das zunehmend forschungsfeindliche Klima. Zuletzt hatte sich Donald Trump geweigert, eine Erklärung des Arktischen Rats zum Schutz des Eises zu unterzeichnen, es sei denn, darin wird auf den Zusammenhang mit und auf die Formulierung "Klimawandel" verzichtet. Dass es der US-Präsident nicht so mit Klimaschutz hat, hat er bereits häufig geradezu lustvoll demonstriert. So hatte er den Klimawandelleugner Scott Pruit zum Chef der US-Umweltbehörde gemacht und der Öl-Lobbyist David Bernhardt ist neuer Innenminister. Den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen hatte Trump ein halbes Jahr nach Amtsantritt verkündet.

Wissenschaft wie in der Sowjetunion?

"Was erleben einen ziemlich krassen Versuch, die Wissenschaft zu politisieren und sie in eine Richtung zu treiben, die von der Politik erwünscht wird", sagt etwas Philip Duffy, Präsident des Woods Hole Research Center, das die regelmäßige Klimabewertung mit überprüft. "Es erinnert mich an die Sowjetunion." Der neue Chef der US-Umweltbehörde, James Hewitt, verteidigt die vorgeschlagenen Änderungen und verweist auf "bisherige Verwendung von ungenauer Modellierung, die sich auf Worst-Case-Emissionsszenarien konzentriert, die nicht den realen Bedingungen entsprechen."

Ob sich Donald Trump mit seiner Art, den Klimaschutz nicht nur zu ignorieren sondern regelrecht zu konterkarieren, politisch einen Gefallen tut, ist ungewiss. Auch wenn er damit bei seinen treusten Anhängern ankommen dürfte, ist das Thema für mehr als 70 Prozent der Amerikaner auch "persönlich wichtig", wie Umfragen zeigen. Große Bundestaaten wie Kalifornien und New York halten zudem unbeirrt an den Pariser Klimazielen fest. Es ist also nicht auszuschließen, dass der US-Präsident mit seiner Haltung genauso Wähler vergrault, wie es die konservativen Parteien in Europa geschafft haben.

Quellen: "Die Welt", "The Guardian", "FAZ"


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