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Flüchtlingskrise Wie Syrer Facebook & Co. für die Flucht nach Europa nutzen


Flüchtlinge kontaktieren Schlepper über Facebook, über Whatsapp werden Erfahrungen ausgetauscht und elektronische Karten sorgen für Orientierung: Soziale Medien prägen die Massenbewegung nach Europa.

Facebook, WhatsApp, Google Maps - es sind die Internet-Dienste, die die Flüchtlinge aus Bürgerkriegsländern wie Syrien zu dem erhofften besseren Leben in die EU-Staaten leiten. Schleuser werben über soziale Medien für die Reise nach Deutschland, und Satellitenkarten auf dem Mobiltelefon helfen bei der Wegsuche. Wer erfolgreich angekommen ist, schickt Textbotschaften zurück, wo Gefahren liegen und welche Strecken frei sind.

Die neuen Medien, mit denen vor wenigen Jahren die Aufstände im Arabischen Frühling koordiniert wurden, prägen damit erneut eine Massenbewegung in Nahost und Nordafrika. So bieten Schleuser auf Facebook an, für 6000 Euro Flüchtlinge von Istanbul nach Deutschland zu bringen. Die Route führe von der Türkei über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn, heißt es in der Anzeige.

Von Syrien nach Europa - mit nur einem Schleuser

"Sie müssen nur eine Stunde zu Fuß gehen und dann einen Fluss überqueren, der Rest nach Deutschland ist per Auto." Ein Film im Internet zeigt jubelnde Männer in Schwimmwesten, die angeblich auf der griechischen Insel Lesbos ihre erfolgreiche Flucht feiern. Unter dem Video stehen zwei Telefonnummern für die nächsten Kunden.

Einige Flüchtlinge schaffen auf diese Weise die ganze Reise von Syrien nach Europa mit nur einem Schleuser. Alle logistischen Einzelheiten würden im Netz zur Verfügung gestellt, sagt der Asylsuchende Hafes der Nachrichtenagentur Reuters in Belgrad. "Wir haben Informationen über Anlaufstellen, Preise, Gebühren, Schmiergelder und Telefone erhalten", erklärt der 31-Jährige und zeigt auf sein Smartphone. 

Auch der Kartendienst Google Maps werde ausgiebig genutzt. "Die Leute, die es nach Ungarn schaffen, schicken uns Koordinaten und Zwischenstationen. Im Moment gibt es zwei gute Stellen an der Grenze und eine, bei der es wohl Probleme gibt."

In Izmir finden sich Schleuser und Flüchtlinge

Schon bevor die Menschen die Flucht aus Syrien antreten, können sie auf Facebook zurückgreifen, erklärt Mohammed Salih Ali, Leiter des Solidaritätsbündnisses für Syrien-Flüchtlinge mit Sitz in Izmir. Vielen werde gesagt, dass sie sich zuerst in den Bezirk Basmane in der türkischen Stadt begeben sollen, wo Schleuser und Flüchtlinge zueinanderfänden. "Wenn sie erstmal in Basmane sind, können sie drei bis fünf Tage im Hotel verbringen und ihre Optionen abwägen", sagt Ali. "Sie sprechen mit anderen darüber, welcher Schleuser billiger ist oder auf Sicherheit bedacht sein soll."

Allein in der Türkei suchen etwa 1,9 Millionen Syrer Zuflucht vor einem Bürgerkrieg, bei dem schätzungsweise 250.000 Menschen getötet wurden. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass weitere sieben Millionen Menschen innerhalb von Syrien selbst auf der Flucht sind.

mka Reuters

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