HOME

Folterskandal: Zehn Jahre Haft für mutmaßlichen Rädelsführer

Im Folterskandal bei der US-Armee im Irak ist das bisher höchste Urteil ergangen: Ein Militärgericht verhängte gegen den Soldaten Charles Graner eine Haftstrafe von zehn Jahren. Zudem wurde er degradiert und unehrenhaft entlassen.

Wegen der Misshandlung irakischer Gefangener hat ein amerikanisches Militärgericht am Samstag den mutmaßlichen Rädelsführer Charles Graner zu zehn Jahren Haft verurteilt. Damit blieb es um fünf Jahre unter dem höchstmöglichen Strafmaß. Das Gericht in Fort Hood im US-Bundesstaat Texas hatte den 36-jährigen Soldaten Graner zuvor in zehn Anklagepunkten der Misshandlung von Gefangenen schuldig befunden, die im US-geführten Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad einsaßen.

Pyramide aus Nackten

Einige der Taten waren auf Fotos dokumentiert und auf diesem Weg im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gekommen, darunter Bilder, wie die Gefangenen nackt eine Pyramide bilden mussten oder gezwungen worden waren, vor den Soldaten zu masturbieren. Graners Verteidigung hatte argumentiert, der Soldat habe auf Anordnung seiner Vorgesetzten gehandelt.

Die Militärführung und die Regierung der USA haben die Schuld an den Vorfällen jedoch einer kleinen Gruppe von Soldaten zugeordnet und erklärt, es gebe keine Strategie der Gefangenenmisshandlung. Der Skandal hat dem Ansehen der USA massiv geschadet, ganz besonders im Irak.

In seiner ersten öffentlichen Erklärung zu dem Skandal räumte Graner vor der Entscheidung über das Strafmaß ein, falsch gehandelt zu haben. Er habe sich wiederholt bei Vorgesetzten beschwert, sei aber angewiesen worden, mit der groben Behandlung der Gefangenen fortzufahren. "Ich habe nichts von dem, was ich dort getan habe, gern getan. Vieles davon war falsch, vieles ein Verbrechen", sagte Graner, der vor seinem Militärdienst Gefangenenaufseher gewesen war. Während der zweieinhalbstündigen Befragung trat der in Uniform vor Gericht stehende Soldat am Samstag voller Selbstbewusstsein auf, lächelte von Zeit zu Zeit und bat um die Chance, weiter in der US-Armee dienen zu dürfen. Graner ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und 13 Jahren.

"Galgenhumor einziger Ausweg"

Über Fotos von den Misshandlungen, die ihn breit grinsend zeigen, sagte Graner, Galgenhumor sei der einzige Ausweg gewesen, mit den harten Bedingungen in dem Gefängnis zurecht zu kommen. "Wenn ich mitbekam, dass jemand ein Foto macht, habe ich gelächelt. Das ist die einzige Erklärung, die ich habe", fügte er hinzu. Der Angeklagte nannte mehrere Vorgesetzte, bei denen er sich über die Haftbedingungen für die Insassen oder den verlangten Umgang mit ihnen wie Schlafentzug beschwert habe. "Wie alle guten Soldaten, oder schlechten kleinen Soldaten, sagte ich 'Zu Befehl'. Und wir machten weiter."

Nach der Bekanntgabe des Strafmaßes ließ Graner sich ohne Aufhebens abführen. Auf die Frage, ob er es bedauere, die Gefangenen misshandelt zu haben, holte er Luft und sagte: "Vielleicht haben sie nicht mitbekommen, dass wir im Krieg sind. Im Krieg geschehen schlimme Dinge."

Die Staatsanwaltschaft hatte mit 15 Jahre Haft das Höchstmaß an Strafe für die Taten gefordert. "Wenn ein Höchstmaß in einem Fall jemals angemessen ist, dann in diesem", sagte Major Michael Holley. Die Anklage hatte unter anderem mit Videoaufnahmen und Fotos belegt, dass Graner sieben Iraker gezwungen hatte, die Pyramide zu bilden. Dann habe er für eine Aufnahme dahinter posiert. Bei einer anderen Gelegenheit fotografierte Graner seine damalige Geliebte Lynndie England, wie sie einen nackten Gefangenen wie einen Hund an der Leine führte. Das Verfahren gegen England beginnt am 19. Januar im US-Bundesstaat North Carolina. Vier an den Misshandlungen Beteiligte wurden bereits verurteilt.

"Wir dachten, das sind gute Menschen"

Zeugen beschrieben, wie Graner Gefangene geschlagen hatte. Als es um die Pyramide ging, habe er einen Häftling k.o geschlagen und dann auf die anderen gestapelt. Einer der Zeugen, der Teil der Pyramide war, sagte per Video während der Verhandlung: "Die Amerikaner kamen in den Irak, um die Menschen von Saddam (Hussein) zu befreien. Als sie kamen und Saddam stürzten, dachten wir, das sind gute Menschen. Aber dieser Vorfall veränderte das Bild der Amerikaner grundlegend."

Adam Tanner/Reuters / Reuters