Fremdenfeindlichkeit in der EU Gewalt gegen Roma, Juden und Muslime


Eine Studie zur Fremdenfeindlichkeit in der Europäischen Union kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: In der EU gibt es Rassismus und Gewalt - die häufigsten Opfer sind Roma und Juden. Ein weiteres großes Problem: die wachsende Islamfeindlichkeit.

Roma sind in der Europäischen Union (EU) besonders häufig die Opfer von rassistischen Gewalttaten. Das geht aus dem Jahresbericht der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) mit Sitz in Wien hervor. Migranten und Angehörige ethnischer Minderheiten würden in der gesamten EU vor allem am Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche und bei der Bildung diskriminiert. Die EUMC rief zu verstärkten Anstrengungen gegen Rassismus auf.

Juden seien nach wie vor Ziel antisemitischer Vorfälle, hieß es in dem Bericht. Als besonders Besorgnis erregendes Problem stufte die EUMC die wachsende Islamfeindlichkeit ein. In einigen EU-Ländern sei von nicht staatlichen Organisationen eine Zunahme der tätlichen Angriffe und Beleidigungen gegen Muslime festgestellt worden.

Unzureichende Daten

Die EUMC kritisierte, dass offizielle Daten zu rassistischer Gewalt nur unzureichend zur Verfügung stünden. Nur Finnland und Großbritannien hätten dazu umfassend Daten erhoben. "Für die Mitgliedstaaten wäre es unvorstellbar, die relevanten Statistiken für Finanz- und Wirtschaftspolitik nicht zu erheben - Gleiches muss auch für die Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gelten", sagte die EUMC-Direktorin Beate Winkler.

Die EUMC schlägt Diskriminierungstests vor, um rassistische Verhaltensweisen zum Beispiel am Wohnungsmarkt aufzuzeigen. So seien trotz eines gesetzlichen Verbotes in allen EU-Mitgliedsstaaten etwa in Spanien, Italien und Frankreich Wohnungsanzeigen mit Formulierungen zu finden, die ausländische Interessenten ausdrücklich ausschließen. In Belgien hätten sich Hausbesitzer geweigert, Wohnungen an Menschen mit ausländischen Namen zu vermieten.

Sonderschulen für Roma-Kinder

Rassistisches oder antisemitisches Verhalten von Lehrern oder Mitschülern sei aus Schulen in Deutschland, Österreich und Frankreich gemeldet worden. Roma-Kinder würden vor allem in Tschechien, Ungarn und der Slowakei diskriminiert, indem sie aus dem Regelschulwesen ausgegrenzt und in Spezialklassen oder Sonderschulen unterrichtet würden. Roma seien auch Opfer von Gewalt durch Polizeibeamte.

Die Ungleichbehandlung am Arbeitsmarkt lasse sich aus der höheren Arbeitslosenrate von Migranten und Angehörigen von Minderheiten ableiten, wie sie etwa in Belgien, Dänemark, Deutschland und Finnland vorliege. "Trotz einiger ermutigender Beispiele kann ich heute nicht sagen, dass in den EU-Mitgliedsstaaten im Hinblick auf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erhebliche Verbesserungen erzielt worden wären", sagte Anastasia Crickley vom EUMC.

Reuters Reuters

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