VG-Wort Pixel

Gaddafi-Sohn Saif al-Arab Trickst der Diktator mit der Todesnachricht?


Ist es eine zynische Finte? Oder ist der jüngste Sohn Muammar al Gaddafis tatsächlich ums Leben gekommen? Die Nato sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, sie wolle den Diktator ermorden.

Nach einem Luftangriff der Nato herrscht Unklarheit über den vermeintlichen Tod von Familienmitgliedern des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi. Sein jüngster Sohn Saif al-Arab sowie drei Enkelkinder Gaddafis seien bei den Anschlägen in der Hauptstadt Tripolis ums Leben gekommen, teilte Regierungssprecher Mussa Ibrahim mit. Die britische Regierung konnte diese Berichte nach eigenen Angaben jedoch nicht bestätigen. "Ich fürchte, wir wissen nicht, ob es stimmt oder nicht", sagte Alistair Burt, Staatsminister im britischen Außenamt. Die Nato wies die Vorwürfe der libyschen Regierung zurück, Gaddafi und seine Familie ins Visier genommen zu haben.

"Dies war ein Anschlag"

"Dies war ein direkter Anschlag, um den Führer dieses Landes zu ermorden", warf der libysche Regierungssprecher Ibrahim der Nato vor. Gaddafi selbst und seine Frau seien jedoch unverletzt. Saif al-Arab ist einer der weniger bekannten Söhne Gaddafis. Laut Ibrahim studierte er in Deutschland. Nun müsse es jedem klar sein, dass das, was in Libyen passiert, nichts mehr mit dem Schutz von Zivilisten tun habe, fügte Ibrahim hinzu. Libysche Beamte brachten Journalisten zu einem eingestürzten Haus, in dem die Familienmitglieder bei dem Raketeneinschlag getötet worden sein sollen und in dem sich auch Gaddafi selbst zu jedem Zeitpunkt aufgehalten haben soll. "Alle Nato-Angriffe sind militärischer Natur. Wir nehmen keine Einzelpersonen ins Visier", teilte der Nato-Befehlshaber für den Libyen-Einsatz, der kanadische General Charles Bouchard, mit. Der Tod des Machthabers sei nicht das erklärte Ziel der Nato. Bei den Luftangriffen sei ein Kommandozentrum getroffen worden. Bouchard räumte jedoch ein, er sei sich der unbestätigten Medienberichte über den Tod einiger Familienmitglieder Gaddafis bewusst. "Wir bedauern jeden Verlust an Menschenleben", sagte er. Derweil zerstörte ein Nato-Luftangriff im Osten des Landes 45 Fahrzeuge der Gaddafi-Truppen, wie ein Rebellen-Sprecher mitteilte. In den Städten Dschalu und Aulidscha, südlich der Frontlinie in der Nähe von Adschdabija, hätten die Regierungstruppen am frühen Samstagmorgen das Feuer eröffnet und dabei mindestens fünf Zivilisten getötet. Als sie Dschalu wieder verließen, sei der Konvoi von den Raketen getroffen worden.

Hat die Nato es auf Gaddafis Leben abgesehen?

Sollte bestätigt werden, dass Familienmitglieder Gaddafis ums Leben gekommen sind, könnte sich der Druck auf die Nato erhöhen. Kritiker monieren, die Allianz überschreite das Uno-Mandat und wolle Gaddafi töten. Nach den jüngsten Medienberichten regten sich kritische Stimmen aus Russland: "Mehr und mehr Informationen deuten darauf hin, das die anti-libysche Koalition die leibhaftige Vernichtung Gaddafis zum Ziel hat", sagte der außenpolitische Sprecher des Unterhauses im russischen Parlament, Konstantin Kosachew. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez, ein langjähriger Verbündeter Gaddafis, nannte den jüngsten Angriff einen Mordversuch.

Der jüngste Luftangriff war der zweite innerhalb von 24 Stunden, der in Gaddafis Nähe einschlug. Bereits am Samstag trafen Nato-Kampfflugzeuge drei Ziele in der Nähe der Gebäude eines Fernsehsenders, während Gaddafi eine TV-Ansprache hielt. Darin bot er einen Waffenstillstand und Verhandlungen mit der Nato an, lehnte einen Rücktritt aber weiter ab. Die Rebellen und die Nato lehnten den Vorstoß umgehend als unzureichend ab.

Reuters/fgüs Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker