Gegenwehr Iraker leisten zähen Widerstand


Die Invasion der britisch-amerikanischen Truppen im Irak stößt auf unerwartet starke Gegenwehr.

Die Invasion der britisch-amerikanischen Truppen im Irak stößt auf unerwartet starke Gegenwehr. Heute mehrten sich Berichte über Verluste der Alliierten. Der Vormarsch auf Bagdad wurde von einem neuen schweren Unglück und einem Attentat in den eigenen Reihen überschattet. Bei einem Handgranatenanschlag eines US-Soldaten wurde am vierten Kriegstag ein Kamerad getötet und zwölf Soldaten verletzt. Ein britisches Kampfflugzeug wurde irrtümlich von einer US-Rakete abgeschossen. Am Abend griff die US-Luftwaffe erneut Bagdad an. Die irakische Luftabwehr feuerte in den Nachthimmel.

US-Eliteeinheiten stehen nach Berichten des irakischen Fernsehens bereits 160 Kilometer südlich von Bagdad. Zwischen Einheiten der irakischen Armee und US-Soldaten kam es nach Angaben des irakischen Fernsehens zu Kämpfen um den schiitischen Wallfahrtsort Nadschaf nur 160 Kilometer südlich von Bagdad. Nahe Nasirija gerieten US-Truppen unter heftigen Beschuss und verloren «bis zu zehn Mann», wie ein CNN-Reporter vor Ort berichtete. Ein gepanzerter Truppentransporter sei von einer Panzerfaust voll getroffen worden.

Kämpfe um Nadschaf

Das irakische Fernsehen zeigte erste Bilder von getöteten, verletzten und gefangen genommenen US-Soldaten bei den Kämpfen um Nasirija südöstlich von Nadschaf. Die Toten lagen in Blutlachen auf einer Straße, manche Leichen waren verstümmelt. Die fünf gefangen genommenen Soldaten, darunter eine Frau, sagten, sie kämen aus den US-Bundesstaaten Kansas, Texas und New Jersey.

Auch in der als eingenommen gemeldeten Hafenstadt Umm Kasr im Süd-Irak leisteten irakische Soldaten in Zivil hartnäckigen Widerstand, berichtete der britische Fernsehsender Sky News. Die nahe gelegene Millionenstadt Basra sei "gesichert", meldete BBC. Um Bagdad brannten mit Öl gefüllte Gräben, um der feindlichen Luftwaffe die Sicht zu nehmen.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zeigte sich im NBC-Fernsehen dennoch sowohl mit den Erfolgen bei den Luftangriffen als auch mit dem Vormarsch der Bodentruppen sehr zufrieden. Nach seinen Angaben werden bis zu zehn britische und US-Soldaten vermisst. Der Irak dementierte nach mehreren widersprüchlichen Angaben die Gefangennahme eines angeblich über Bagdad abgesprungenen alliierten Piloten.

US-Soldat greift eigenen Kameraden an

Ein britisches Militärflugzeug vom Typ "Tornado" wurde irrtümlich an der Grenze von Kuwait von einer Patriot-Flugabwehrrakete der US-Truppen getroffen, bestätigte das britische Oberkommando. Die beiden vermissten Piloten würden gesucht. Zuvor hatten Amerikaner und Briten schon drei Hubschrauber bei Unfällen verloren. Dabei waren 19 Soldaten getötet worden.

Bei dem Anschlag im "Camp Pennsylvania" in Nordkuwait warf nach Fernsehberichten vom Ort des Geschehens ein junger US-Soldat Handgranaten in Zelte von Offizieren der 101. US-Luftlandedivision. Er wurde sofort überwältigt und verhört. Der Soldat soll ein Muslim sein und sich über Vorgesetzte geärgert haben.

Iraker leisten "heroischen Widerstand"

Die US-Streitkräfte bombardierten erstmals Tikrit, die Heimatstadt des irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Nach Meldungen des Senders El Arabija wurden dabei vier Menschen getötet. Aus Tikrit stammt ein Großteil der Führungselite des Landes. Auch die nordirakische Stadt Mosul wurde wieder angegriffen. Laut El Dschasira kamen dabei vier jordanische Studenten ums Leben. Bagdad wurde wieder bei Tage und in der Nacht bombardiert, wie dpa-Korrespondenten vor Ort berichteten.

Ein irakischer Militärsprecher sagte, die Luftabwehr habe in und um Bagdad bisher 21 Marschflugkörper abgefangen. Die Iraker leisteten "heroischen Widerstand".

Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilde

Der irakische Informationsministers Mohammed Sajjid el Sahhaf warf Amerikanern und Briten vor, in Basra Streubomben auf zivile Ziele geworfen zu haben. Dort seien 77 Zivilisten getötet und 366 verletzt worden. In und um Bagdad habe es in der Nacht zum Sonntag 106 zivile Verletzte gegeben. CNN berichtete, dass die Iraker Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilde in Militäranlagen einsetzten.

Fernsehbilder von einem Treffen des irakischen Staatschefs Saddam Hussein mit seinem engsten Führungszirkel nährten Spekulationen, wonach einige Vertraute des Präsidenten bei einem US-Luftangriff getötet worden sein sollen. Es sei auffällig, dass unter anderem der Präsidentensohn Udai und andere Führungspersonen fehlten, erklärten arabische Experten.

Opfer des Krieges

Bilder von verstümmelten Leichen und verletzten Kindern im Irak wühlten die Menschen in der arabischen Welt auf. Besonders schrecklich fanden Fernsehzuschauer die von El Dschasira ausgestrahlten Bilder eines toten Kindes, dem die Schädeldecke fehlte.

Seit Beginn des Krieges gegen den Irak sind mindestens drei Journalisten - ein Russe, ein Australier und ein Brite - getötet worden. Zwei Mitarbeiter des britischen TV-Senders ITN galten weiter als vermisst.


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