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Schuldenkrise: Bundesregierung spielt Euro-Austritt Griechenlands durch

Die Bundesregierung bereitet sich laut Medienberichten auf einen Euro-Austritt der Griechen vor - sollte das Linksbündnis Syriza die Wahl gewinnen. Ein Bankenkollaps könnte die Folge sein.

Die Bundesregierung trifft einem Pressebericht zufolge konkrete Vorkehrungen für einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro. Die "Bild"-Zeitung berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, das Bundeskanzleramt lasse derzeit Szenarien für einen etwaigen Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza Ende Januar durchspielen. Demnach würde die ausstehende Rate von zehn Milliarden Euro Hilfskrediten nicht an Athen überwiesen werden, sollte Syriza die Wahl gewinnen und den Reformkurs abbrechen.


Fachleute fürchten Ansturm auf griechische Banken

Käme es zum Austritt Griechenlands aus dem Euro, könnte es nach Einschätzung der Fachleute einen Kunden-Ansturm auf griechische Banken geben, um so Euro-Guthaben zu sichern, berichtete das Blatt. Die Folge könne ein Bankenkollaps sein. In diesem Fall müsste die EU-Bankenunion der Zeitung zufolge womöglich mit Milliardenzahlungen einspringen.


Bereits am Wochenende hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro werde in der Bundesregierung mittlerweile als verkraftbar bewertet. Daraufhin warf Syriza-Chef Alexis Tsipras ihr Stimmungsmache gegen seine Partei vor. In Griechenland wird am 25. Januar gewählt. Das Land steht mit 320 Milliarden Euro bei seinen Gläubigern in der Kreide.

EU-Parlamentspräsident Schulz kritisiert Griechenland-Debatte

Unterdessen fordert EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ein Ende der Diskussion über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. "Die Debatte und die verantwortungslosen Spekulationen über 'Grexit'-Szenarien sind wenig hilfreich", sagte der SPD-Politiker der Zeitung "Die Welt". Ein Ausstieg aus dem Euro stehe nicht zur Debatte. "Unerbetene Ratschläge, die den Menschen in Griechenland das Gefühl geben, nicht sie entscheiden durch ihre Wahl über ihr Schicksal sondern Brüssel oder Berlin, treiben die Wähler womöglich gerade in die Arme der radikalen Kräfte", kritisierte Schulz.

lie/Reuters / Reuters