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+++ Griechenland-Ticker +++: Zwei Drittel aller Deutschen sehen Schuld bei Tsipras

Das Rettungsprogramm ist ausgelaufen, Griechenland ist pleite und gerät beim IWF in Zahlungsverzug. Varoufakis spricht von Rücktritt, wenn das Volk beim Referendum am Sonntag für Ja stimmt. Alle Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz nennt ihn "unberechenbar und manipulativ".

Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz nennt ihn "unberechenbar und manipulativ".

Im griechischen Schuldendrama geht die Hängepartie weiter. Die Euro-Finanzminister vertagten weitere Beratungen am Mittwoch auf die Zeit nach der Volksabstimmung am kommenden Sonntag. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras rief seine Landsleute unterdessen auf, die Sparforderungen der Geldgeber abzulehnen. Das "Nein" solle den Druck bei neuen Verhandlungen erhöhen. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

+++ 23.59 Uhr: Gute Nacht! +++

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Glück hilft das Wetter ja, damit die Griechenland-Krise einem nicht völlig die Laune verdirbt. Wenn Sie sich ein wenig vom Sonnenschein ablenken wollen, informieren Sie die Kolleginnen und Kollegen Morgen in aller Frühe wieder über alles, was das griechische Drama so bereithält.

Ihnen aber erst einmal eine schöne Sommernacht!

Ihre stern-Redaktion

+++ 22.46 Uhr: 68 % der Deutschen sehen Schuld bei Tsipras +++

Die wesentliche Verantwortung für die jüngste Eskalation der Griechenland-Krise sehen einer Umfrage zufolge mehr als zwei Drittel der Deutschen bei der griechischen Regierung. Während 68 Prozent der Bundesbürger laut ARD-"Deutschlandtrend" die Hauptverantwortung bei der Regierung von Alexis Tsipras sehen, machen nur vier Prozent die anderen Euro-Länder dafür verantwortlich. Ein Viertel der Befragten (24 Prozent) sieht demnach die Verantwortung bei beiden gleichermaßen.

+++ 22.37 Uhr: Anleger an New Yorker Börse lassen Vorsicht walten +++

Wenige Tage vor der Volksabstimmung über den wirtschaftlichen Kurs Griechenlands reagieren die Anleger auch an den New Yorker Börsen vorsichtig. "Niemand will vom Ausgang des Referendums auf dem falschen Fuß erwischt werden", sagt ein Börsianer. "Da am Freitag zudem die Wall Street geschlossen bleibt, ziehen sich einige Anleger bereits heute zurück."

+++ 20.55 Uhr: "Banken bleiben nicht mehr lange geschlossen" +++

Die griechischen Banken werden nach den Worten von Ministerpräsident Alexis Tsipras nicht mehr lange geschlossen bleiben. Eine Einigung mit den Gläubigern auf ein neues Schuldenabkommen werde nach dem Referendum am Sonntag innerhalb von 48 Stunden zustande kommen, sagt Tsipras dem Fernsehsender ANT1. Dann würden die Banken auch wieder öffnen. Die langen Warteschlangen vor den Geldautomaten bezeichnet Tsipras als beschämend. Dafür verantwortlich seien jedoch die Partner in der Euro-Zone, die die Europäische Zentralbank dazu gezwungen hätten, die für die griechischen Banken wichtige Unterstützung einzufrieren.

+++ 20.43 Uhr: Banken nehmen wieder Einzahlungen an +++

Die drei größten griechischen Banken nehmen wieder Einzahlungen ihrer Kunden entgegen. Wie die Nationalbank, die Bank von Piräus und die Alpha Bank mitteilen, wurde diese Regelung in Kraft gesetzt. Sie gilt in den meisten der rund 800 Bankfilialen des Landes, in denen seit Mittwoch Rentner ohne Geldkarte bis zu 120 Euro bar abheben können.

+++ 20.00 Uhr: Tausende demonstrieren in Paris für den Kurs der griechischen Regierung +++

Mehrere Tausend Menschen demonstrieren in Paris für den Kurs der griechischen Regierung im Schuldenkonflikt mit den internationalen Gläubigern. Sie versammeln sich auf der Place de la Bastille und fordern die Griechen auf, die Spar- und Reformforderungen der Gläubiger abzulehnen und beim Referendum am Sonntag mit "Nein" zu stimmen. Organisiert wurde die Kundgebung von Abweichlern innerhalb der regierenden Sozialistischen Partei von Präsident Francois Hollande. Die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer mit 3000 an.

+++19.21 Uhr: Griechischer Staatsrat berät über Rechtmäßigkeit von Referendum +++

Das Oberste Verwaltungsgericht in Griechenland, der Staatsrat, berät am Freitag über die Rechtmäßigkeit des von der Regierung angesetzten Referendums über die Gläubiger-Forderungen. Gegen die für Sonntag geplante Befragung haben zwei Privatpersonen Einspruch eingelegt, heißt es aus Athener Justizkreisen. Die Antragsteller fordern demnach die Annullierung des Referendums. Sie argumentieren, dass die Abhaltung gegen die Verfassung verstößt, weil nicht über Fragen der "öffentlichen Finanzen" abgestimmt werden dürfe. Zudem sei die Fragestellung zu kompliziert und "technisch". Der Staatsrat will seine Entscheidung am Abend fällen.

+++ 18.51 Uhr: IWF: Griechenland braucht weitere 50 Milliarden Euro bis 2018 +++

Griechenland benötigt nach einer vorläufigen Einschätzung des IWF bis Ende 2018 rund 36 Milliarden Euro an frischem Geld aus der Eurozone. Insgesamt liege der zusätzliche Finanzbedarf sogar bei rund 52 Milliarden Euro, heißt es in einem ersten IWF-Entwurf über eine Bewertung der Schuldentragfähigkeit des Landes. "Sehr bedeutende Änderungen in der Politik und in dem Ausblick resultieren in einer großen Erhöhung des Finanzbedarfs", heißt es.

+++ 18.38 Uhr: Schulz: Tsipras ist "unberechenbar und manipulativ" +++

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, hält Neuwahlen in Griechenland für zwingend, wenn die Bevölkerung für das Reformprogramm der Gläubiger stimmt. Die Zeit bis zur Wahl müsse "mit einer technischen Regierung überbrückt werden, damit wir weiter verhandeln können", sagte Schulz dem "Handelsblatt". "Wenn diese Übergangsregierung eine vernünftige Vereinbarung mit den Geldgebern findet, dann wäre Syrizas Zeit vorbei. Dann hat Griechenland wieder eine Chance."

Dem linken griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras machte der Sozialdemokrat Schulz schwere Vorwürfe. Dieser sei "unberechenbar und manipuliert die Menschen in Griechenland, das hat fast demagogische Züge", sagte Schulz. "Mein Glaube an die Verhandlungsbereitschaft der griechischen Regierung ist mittlerweile auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen.".  

+++ 18.00 Uhr: IWF: Athen braucht drittes Hilfspaket von 50 Milliarden Euro +++

Griechenland benötigt nach Einschätzung des IWF für die kommenden drei Jahre ein neues Hilfspaket in Höhe von mindestens 50 Milliarden Euro. Davon müssten 36 Milliarden Euro von den Euro-Partnern kommen, heißt es in einer vom IWF veröffentlichten Analyse. Die Finanzlage Athens habe sich wegen der "politischen Entwicklungen" in dem Land verschärft.

Der Währungsfonds korrigierte auch seine Wachstumserwartung für Griechenland drastisch nach unten und sagt dem Krisenland in diesem Jahr ein Nullwachstum voraus. Im April hatte der IWF noch mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent gerechnet.

+++ 17.43 Uhr: "Bild": Einigung im Schuldendrama laut Juncker knapp verfehlt +++

Im griechischen Schuldenstreit gab es zwischen beiden Seiten nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung am Ende nur noch eine Differenz von 60 Millionen. Das habe EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Mittwochabend vor der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament berichtet. Parteikreise bestätigten in Brüssel die Informationen. Demnach hat sich Juncker auf den Verhandlungsstand vom vergangenen Freitag bezogen und auf die Differenz zwischen dem Angebot der Geldgeber und den Forderungen der griechischen Regierung. 

+++ 17.08 Uhr: Griechenland könnte weitere Kredite benötigen +++

Griechenland könnte nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Verlängerung der Kredite und umfangreiche Schuldenschnitte benötigen. Dies könnte der Fall sein, wenn das Wachstum geringer als erwartet ausfallen und Wirtschaftsreformen nicht umgesetzt werden sollten.

+++ 16.21 Uhr: Die "Nein"-Front bröckelt +++

In einer jüngsten Umfrage zeigt sich nun für Sonntag eine knappe Mehrheit für "Ja" und damit für eine Zustimmung zu den unlängst von den internationalen Gläubigern des Landes vorgeschlagenen Reformmaßnahmen. 47,1 seien für, 43,2 Prozent dagegen, ergab die Befragung unter 1000 Menschen aller Altersgruppen in verschiedenen Teilen des Landes, die die konservative Zeitung "Eleftheros Typos" veröffentlichte. 

Auch innerhalb der Links-Rechts-Regierung löst das geplante Referendum nun Spannungen aus. Beim rechtspopulistischen Koalitionspartner ANEL (Unabhängige Griechen) verlangten Abgeordnete, die Volksabstimmung abzusagen. Andere kündigten an, entgegen der Empfehlung von Tsipras mit Ja zu stimmen.  

Yanis Varoufakis

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis wirbt für ein "Nein" beim Referendum

+++16.18 Uhr: Bei einem "Ja" scheint drittes Griechenland-Paket denkbar +++

Tsipras hat es bereits beantragt, Merkel will frühestens nach dem Referendum vom Sonntag darüber sprechen und im letzten Angebot der Gläubiger stand es schon als Fußnote: Das "dritte Hilfsprogramm" für Griechenland. Alle reden darüber, doch keiner kennt es. Ob ein solches Paket überhaupt möglich ist und unter welchen Bedingungen, wie groß es sein könnte und wie es finanziert würde, ist im Moment völlig unklar.

+++ 16.16 Uhr: Griechischer Verteidigungsminister: "Wir sind im Krieg" +++

Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos spart im Umgang mit Abweichlern in seiner rechtspopulistischen Partei nicht mit Kriegsrhetorik. Drei Abgeordneten des Koalitionspartners Anel hatten zuvor erklärt, die Linie der Partei bei dem für Sonntag geplanten Referendum nicht mittragen zu wollen, wie das Online-Portal "enikos.gr" berichtet. Vassilis Kokkalis und Dimitris Kammenos forderten demnach, die Volksabstimmung abzusagen. Der dritte Abgeordnete Costas Damavolitis sagte laut dem Bericht, er werde mit "Ja" stimmen. "Wir sind im Krieg", soll Kammenos deshalb gesagt haben. Und: "Wer dazu nicht beitragen kann, sollte den Kampf verlassen."

Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos spart im Umgang mit Abweichlern in seiner rechtspopulistischen Partei nicht mit Kriegsrhetorik.

Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos spart im Umgang mit Abweichlern in seiner rechtspopulistischen Partei nicht mit Kriegsrhetorik.

+++ 15.43 Uhr: Deutsche kritisieren Griechenland-Politik der Bundesregierung +++

In einer repräsentativen N24-Emnid-Umfrage kritisieren 50 Prozent der Befragten die Griechenlandpolitik der Bundesregierung als "eher schlecht". Nur 40 Prozent der Deutschen halten den Berliner Kurs bei der Griechenland-Rettung für "eher gut". Ein Grexit, so glauben die meisten Deutschen, wäre für Griechenland der falsche Weg aus der Krise. Nur 31 Prozent der Befragten meinen, dass ein Grexit die wirtschaftliche Situation der Griechen verbessern würde. 59 Prozent der Befragten vermuten, es würde den Griechen auch in Zukunft mit dem Euro besser gehen als ohne.

+++ 15.21 Uhr: Deutsche Urlauber buchen Griechenland statt Tunesien +++

Deutsche Urlauber zieht es nach dem Anschlag in Tunesien verstärkt in das krisengeschüttelte Griechenland. Das Land sei - neben der Türkei und Bulgarien - ein beliebtes Ausweichziel für Urlauber, die derzeit nicht mehr nach Tunesien reisen wollten, sagen Sprecher der beiden großen Reisekonzerne Thomas Cook und TUI. "Die Buchungen für Griechenland wachsen leicht", hieß es bei TUI. Die Lage vor Ort sei entspannt, die Tankstellen seien geöffnet und Geldautomaten funktionierten auch, für Touristen sogar ohne das von der Regierung verhängte Abhebelimit von 60 Euro. Insgesamt lägen die Besucherzahlen leicht über dem Vorjahresniveau. 2014 reisten 2,5 Millionen Bundesbürger nach Hellas - ein Rekord.

+++ 14.42 Uhr: Dijsselbloem spricht über Grexit-Möglichkeit +++

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem bringt die Möglichkeit eines Ausscheidens der Griechen aus der Eurozone ins Spiel, sollten die Bürger des Landes bei dem Referendum gegen die Sparforderungen stimmen. Bei einer "Nein"-Stimme gebe es nicht nur keine Basis für ein neues Hilfsprogramm, "sondern dann ist es sehr fraglich, ob es überhaupt eine Basis für Griechenland in der Eurozone gibt", sagt er im Parlament in Den Haag. Ein Ausstieg eines Landes aus dem Euro ist rechtlich allerdings nicht vorgesehen

+++ 13.44 Uhr: Steinmeier kann Verhalten Athens nicht "dechiffrieren" +++

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier versteht die Griechen nicht mehr. Auf die Frage, wie er die Situation bewerte, sagt er: "Ehrlich gesagt, und das meine ich so, wie ich sage, ich bin nicht mehr in der Lage, das Verhalten der griechischen Regierung zu dechiffrieren." Außerdem zweifelte er an, ob Athen überhaupt eine Strategie habe.

+++ 13.26 Uhr: Griechenland-Hilfen aus ESM laut Krichbaum rechtlich unzulässig +++

Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses des Bundestags, Gunther Krichbaum (CDU), hält es für rechtlich unzulässig, mögliche künftige Griechenland-Hilfen aus dem ständigen Euro-Rettungsfonds ESM zu finanzieren. "Deswegen kommt Hilfe für Griechenland nach dem ESM nicht in Frage und damit auch kein drittes Paket", sagt Krichbaum in Berlin. Daran würde auch ein Ja der Griechen am Sonntag in dem Referendum nichts ändern. Der Ausschuss-Vorsitzende fügte hinzu, dies sei seine "persönliche Überzeugung".

+++ 13.21 Uhr: Varoufakis: Griechenland hat keine Drachmen-Notenpresse mehr +++

Eine Rückkehr vom Euro zur Drachme würde Griechenland laut Varoufakis auch vor äußerst praktische Probleme stellen. "Wir haben die Notenpressen zerstört", sagte Varoufakis im australischen Radiosender ABC. Im Jahr 2000, ein Jahr vor der Einführung des Euros, war nach seinen Worten "eines der ersten Dinge, die wir tun mussten, alle unsere Notenpressen loszuwerden" - als Teil einer Beteuerung, dass "diese Währungsunion unumkehrbar ist". Zum Drucken der Drachme habe Griechenland somit "keine Kapazitäten" mehr.

+++ 13.19 Uhr: Dijsselbloem wirft Athen Unehrlichkeit vor +++

Jeroen Dijsselbloem

Jeroen Dijsselbloem

Ein "Nein" der Griechen bei der Volksabstimmung am Sonntag wird nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem die Verhandlungsposition des Landes sehr schwächen. Es werde dann "äußerst schwierig", das Land in der Eurozone zu halten, warnt der niederländische Finanzminister im Parlament in Den Haag. Er kritisiert den griechischen Regierungschef Alexis Tspiras scharf. "Die griechische Regierung erweckt den Eindruck, dass die Zukunft ihres Landes bei einer Nein-Stimme einfacher sein wird. Das ist nicht ehrlich gegenüber dem griechischen Wähler."

+++ 12.41 Uhr:  Eurogruppe will Referendum abwarten +++

Wie die Eurogruppe will auch die EU-Kommission vor weiteren Beratungen mit der griechischen Regierung das Referendum am Sonntag abwarten. Vorher werde es keine weiteren Gespräche geben, sagte der Chefsprecher der Brüsseler Behörde, Margaritis Schinas. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wolle den Griechen dabei helfen, in der Euro-Zone zu bleiben. "Jetzt ist es an der griechischen Bevölkerung, ihre Zukunft zu gestalten", fügte der Sprecher hinzu.

+++ 12.06 Uhr: Griechischer Präsident sagt Deutschland-Besuch ab +++

Der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos sgt eine für kommende Woche geplante Reise nach Deutschland ab. Das teilt das Bundespräsidialamt auf Anfrage in Berlin mit. Pavlopoulos wollte eigentlich am kommenden Dienstag seinem Antrittsbesuch bei Bundespräsident Joachim Gauck abstatten. Eine Begründung für die Absage wurde von deutscher Seite offiziell nicht mitgeteilt.

+++ 11.16 Uhr: Auswirkungen von Grexit auf Euro-Zone laut S&P begrenzt +++

Die Auswirkungen eines Ausscheidens Griechenlands aus der Euro-Zone auf die anderen Euro-Staaten wären laut S&P begrenzt. Ein Grexit würde wohl unmittelbar keine Folgen für die Bonitätsnoten der anderen Länder haben, teilt die Ratingagentur mit.

+++ 11.01 Uhr: Varoufakis will bei "Ja" in Referendum zurücktreten +++

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis macht seine politische Zukunft vom Ausgang der Volksabstimmung am Sonntag abhängig. Sollten die Griechen gegen die Empfehlung der Regierung "Ja" zu den Sparforderungen der Geldgeber sagen, werde er von seinem Amt zurücktreten, sagte Varoufakis dem Fernsehsender Bloomberg TV.

+++ 10.32 Uhr: Laut Umfrage wird es ein knappes Referendum +++

In Griechenland zeichnet sich einer neuen Umfrage zufolge ein knappes Rennen bei der Volksabstimmung am Sonntag ab. 47,1 Prozent der Befragten würden demnach am 5. Juli für "Ja" und damit für eine Zustimmung zu den unlängst von den internationalen Gläubigern des Landes vorgeschlagenen Reformmaßnahmen stimmen. 43,2 Prozent wären dagegen, ergibt die Befragung im Auftrag der konservativen Zeitung "Eleftheros Typos". 

+++ 09.52 Uhr: Wieder Andrang bei griechischen Banken +++

Angesichts der verordneten Kapitalverkehrskontrollen bilden sich in Griechenland auch am Donnerstag Schlangen vor Banken und Geldautomaten. Rund 1000 Filialen öffnen wie schon am Mittwoch für Rentner, die keine Bankkarten haben, und somit momentan an den Automaten nicht an Bargeld kommen können. Sie sollen bis zu 120 Euro bekommen können.

+++ 09.18 Uhr: Ryanair erlaubt Griechen laut "Handelsblatt" nur noch Barzahlung +++

Die Fluggesellschaft Ryanair verlangt von Griechen einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge Barzahlungen für Flugbuchungen. Die Begründung dafür liegt demnach in der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen durch die griechische Regierung. Dadurch seien auch Überweisungen und Kreditkartenzahlungen in das Ausland für den Normalbürger de facto abgeschafft worden. 

+++ 08.25 Uhr: Frankreich warnt vor "Nein" beim Referendum +++

Ein "Nein" bei dem Referendum kann nach Auffassung des französischen Finanzministers Michel Sapin zu einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone führen. Sollten die Griechen dagegen für eine Annahme der Reformvorschläge der Gläubiger stimmen, werde man wieder daran arbeiten, eine Einigung im Schuldenstreit zu erreichen, sagt Sapin.

+++ 07.21 Uhr: Merkel zweifelte 2011 an Griechenland-Rettung +++

Aus geheimen Dokumenten der Enthüllungsplattform "Wikileaks" geht hervor, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits 2011 an der Rettung Griechenlands gezweifelt hat. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". In den NSA-Dokumenten wird ein Telefonat protokolliert, das Merkel im Oktober 2011 mit ihrem "persönlichen Assistenten" geführt haben soll. Darin heißt es: "Angela Merkel räumte ein, ratlos zu sein in der Frage, welche Optionen – ein weiterer Schuldenschnitt oder eine Transferunion – am besten geeignet wäre, um mit der Situation umzugehen." Merkels Befürchtung gehe dahin, "dass Griechenland selbst bei einem weiteren Schuldenschnitt nicht in der Lage wäre, seine Probleme zu überwinden, weil es die übrigbleibenden Schulden nicht bewältigen könne."

+++ 05.23 Uhr: EP-Präsident Schulz kritisiert griechische Verhandlungstaktik +++

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sieht die immer neuen Vorschläge aus Athen als wenig hilfreich. Skeptisch äußert er sich in der "Passauer Neuen Presse" zum Wunsch Griechenlands nach einem dritten Hilfspaket über den Rettungsschirm ESM. "Es ist schwierig, über neue Hilfspakete zu sprechen, solange Unsicherheit darüber herrscht, wie es in Athen weitergeht."

+++ 03.50 Uhr: Argentiniens Staatschefin stärkt Athen den Rücken +++

Die linksgerichtete griechische Regierung bekommt Rückendeckung von der argentinischen Staatschefin Cristina Kirchner, deren Land 2001 in die Pleite gestürzt war. "Das, was das griechische Volk durchmacht, ist genau das Gleiche, was wir Argentinier 2001 durchgemacht haben: das Drama der schrecklichen, neoliberalen Politik der ständigen Anpassungen, die Elend, Hunger und Arbeitslosigkeit nach sich ziehen", sagt Kirchner in Buenos Aires.

+++ 01.26 Uhr: Göring-Eckardt genervt von griechischer Haltung +++

Klare Entscheidungen zu Rüstung, Reichen und orthodoxer Kirche in Griechenland fordert die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt von der Regierung in Athen. "Mich nervt die Weigerung, Reformen anzugehen, die für eine linke Regierung selbstverständlich sein müssten", sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag der Zeitung "Die Welt". "Athen sollte die Rüstungsausgaben kürzen, die Reichen stärker besteuern - und an die Privilegien der orthodoxen Kirche ran."

+++ 01.05 Uhr: IWF-Chefin Lagarde fordert "mehr Erwachsensein" von Griechen +++

IWF-Chefin Christine Lagarde

"Angesichts des Maßes an Unsicherheit, Verwirrung und ständiger Bewegung wäre aus meiner Sicht weiterhin ein bisschen mehr Erwachsensein erforderlich", sagt IWF-Chefin Christine Lagarde

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, wirft der linksgerichteten Regierung in Athen indirekt Unvernunft vor. "Angesichts des Maßes an Unsicherheit, Verwirrung und ständiger Bewegung wäre aus meiner Sicht weiterhin ein bisschen mehr Erwachsensein erforderlich", sagt Lagarde dem US-Fernsehsender CNN. Voraussetzung für weitere Hilfen seien weitere tiefgreifende Reformen, wie der IWF und die EU sie von Athen gefordert hatten.

lie/fin / DPA / Reuters / AFP