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Schulden-Krise: Varoufakis vergleicht Sparpolitik mit Frieden von Versailles

Der griechische Finanzminister wirbt um Unterstützung und spielt auf deutsche Geschichte an. "Wenn man eine stolze Nation zu lange demütigt, gärt es irgendwann", sagte Varoufakis.

Wirbt derzeit bei seinen europäischen Amtskollegen um Verständnis und Geduld: der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis

Wirbt derzeit bei seinen europäischen Amtskollegen um Verständnis und Geduld: der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis

Kein leichter Termin für Yanis Varoufakis: Als erstes Mitglied der neuen griechischen Regierung wird der Finanzminister heute in Berlin erwartet. Dort trifft er auf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, um über neue Ideen in der Schuldenkrise zu sprechen. Vor seinem Besuch in der Hauptstadt hat Varoufakis bereits um deutsche Unterstützung für die neue Schulden- und Sparpolitik seines Landes geworben.

"Ich denke, von allen Ländern in Europa verstehen die Deutschen am besten diese simple Nachricht. Wenn man eine stolze Nation zu lange demütigt und sie Verhandlungen und Kummer einer Schuldendeflationskrise aussetzt, ohne Licht am Ende des Tunnels, dann gärt es in dieser Nation irgendwann", sagte Varoufakis in einem ARD-Interview. Damit spielte der Finanzminister offenbar auf den Friedensvertrag von Versailles an. Das Deutsche Reich musste 1919 darin hohen Reparationszahlungen zustimmen. Griechenland sei nicht allein Schuld an der Euro-Krise, auch beim europäischen Krisenmanagement seien Fehler gemacht worden. "Wir sind der erste Dominostein, der gefallen ist, aber wir sind nicht für den Dominoeffekt verantwortlich", sagte er.

Griechenland fordert Wiederaufbauplan

Athen macht vor allem Deutschland für harte Sparauflagen verantwortlich, die Griechenland wegen der Euro-Krise erfüllen soll. Varoufakis hatte am Mittwoch von Kanzlerin Angela Merkel eine Art Wiederaufbauplan gefordert, wie ihn die USA nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marshallplan aufgelegt hatten. Zugleich versicherte er mehrfach, dass sein Land nicht zur Schuldenpolitik früherer Jahre zurückkehren wolle. Die Regierung des linksgerichteten Ministerpräsidenten Alexis Tsipras strebt Erleichterungen bei der hohen Schuldenlast ihres Landes an. Zuletzt war Griechenland von der ursprünglichen Forderung eines harten Schuldenschnitts wieder abgerückt. Stattdessen hatte die Regierung eine weitere Umschuldung angeregt.

Der CDU-Wirtschaftsrat setzt vor dem Treffen der beiden Finanzminister jedoch auf einen harten Kurs. „Schäuble wird ihm klar machen, dass eine neue Regierung nicht die Regeln für ungültig erklären kann, die die Vorgängerregierung vereinbart hat“, sagte Verbandspräsident Kurt Lauk. Die Tsipras-Regierung gefährde mit ihrer Abkehr von eingeleiteten Reformen den Zusammenhalt in der Europäischen Union. "Vereinbarungen mit Athen müssen umgesetzt werden, sonst versinkt die EU in Prinzipienlosigkeit. Dann hält sich keiner mehr an die Regeln", sagte Lauk.

Schäuble lobt griechische Sparanstrengungen

Doch die Tsipras-Regierung hofft auf Solidarität der europäischen Mitgliedsstaaten. "Wir müssen als Europäer denken, uns zusammensetzen und die politischen Instrumente neu starten", sagte Varoufakis in dem ARD-Interview. "Wir sollten am gleichen Strang ziehen und es als eine Systemkrise betrachten, die systematisch behandelt werden muss, anstatt gegenseitig mit dem Finger auf den anderen zu zeigen: Wie machst du das? Was macht der andere?"

Wolfang Schäuble hatte am Mittwoch die bisherigen Sparanstrengungen Griechenlands gelobt. Es müsse in Athen aber noch "unendlich viel" geleistet werden. Er sei nun gespannt darauf zu hören, wie die Griechen sich ihren weiteren Weg vorstellten.

las/DPA / DPA