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Trump vs. Hillary Clinton stürzt wieder ab - Was uns die Umfragen zur US-Wahl sagen

Hillary Clinton Donald Trump Umfragen
Weder Hillary Clinton noch Donald Trump: Demonstrant auf dem Republikaner-Parteitag
© Justin Lane/DPA
Die Umfragen vor der US-Wahl fahren Achterbahn: Nachdem Hillary Clinton schon wie die Siegerin aussah, stürzt sie wieder ab. Nur was sagen die Umfragen eigentlich aus - und nützen sie vielleicht einem der beiden Kandidaten?

"Don't listen to the polls" (Hört nicht auf die Umfragen) ist einer dieser Twitter-Schlagwörter, mit denen sich die Anhänger von Donald Trump in den vergangenen Wochen Mut zugesprochen haben. Nötig war's, denn die Umfragen zum US-Wahlkampf hielten lange wenig Erfreuliches für das Lager der Republikaner bereit. Mitte Oktober deutete laut den Wählerbefragungen eigentlich nichts mehr auf einen Sieg des Immobilienmilliardärs hin. Seinen Anhänger blieb nur noch der Mut der Verzweiflung. Hört nicht auf die Umfragen.

Hillary Clintons Umfragen zerbröseln

Umfrage Realclearpolitics
Die Kiste wird wieder eng: Umfragendurchschnitt bei Realclearpolitics
© Screenshot: Realclearpolitics

Seit dem Wochenende aber lohnt sich für die Verzagten wieder der Blick auf die Befragungen. Denn der komfortable Vorsprung der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton zerbröselt seit einigen Tagen. Etwa bei der gemeinsamen Erhebung des Senders ABC und der "Washington Post" vom Sonntag. Danach kommt sie auf 46 Prozent, er auf 45 Prozent. Dies ist allerdings nur eine von vielen Umfragen, die landesweit abfragt, welchen Kandidaten die US-Bürger bevorzugen. Allerdings eine, bei denen die Demokratin immer etwas besser wegkommt als beim Durchschnitt aller Umfrageergebnisse. Anders gesagt: Wenn Clinton selbst bei dieser Erhebung schon schlecht abschneidet, könnten die anderen noch desaströser ausfallen - zumal die Auswirkung der neuen FBI-Untersuchungen wegen Clintons E-Mail-Affäre erst in den nächsten Tagen in die Befragungen einfließen werden. 

Bleiben also die Fragen: Was sagen die Umfragen eigentlich aus? Wie verlässlich sind sie und haben die Ergebnisse einen Einfluss auf die Abstimmung am 8. November?

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Wie viele Umfragen gibt es und wie kommen sie zustande?

National und auf Bundesstaatenebene veröffentlichen rund zwei Dutzend Institute, TV-Stationen, Tageszeitungen und Universitäten ihre Wählerbefragungen. Einige Umfragen erscheinen nur alle acht bis vier Wochen, manche im 14-Tage-Rhythmus, andere wiederum alle paar Tage. Darunter etwa auch die der "LA Times", die ein Sonderling unter den Erhebungen ist. Die Westküstenzeitung sieht seit Monaten Donald Trump vorne - oft als einzige, unter vielen, zeitgleich erhobenen Umfragen. Anders als bei den meisten Meinungsforschungsinstituten werden immer wieder die immer gleichen (3000) Bürger danach befragt, zu welchem Kandidaten sie tendieren. Das führt dazu, dass der einmal favorisierte Bewerber meist der favorisierte Bewerber bleibt, wie der amerikanische Wahldaten-Guru Nate Silver schreibt.

Bei der Erhebung von Wählerdaten gehen die Institute oft unterschiedlich vor (die einen bevorzugen Telefonumfragen, andere persönliche Interviews, die nächsten kombinieren die mit Internetbefragungen), gewichten die Ergebnisse unterschiedlich (etwa zugunsten von Frauen oder Minderheiten) oder arbeiten schlicht im Auftrag einer Partei oder eines Kandidaten. Am Ende müssen einzelne Umfragen also nicht unbedingt viel aussagen.

Welche Umfragen sind die genauesten?

Am ehesten trifft noch der Durchschnitt aller Umfrageergebnisse die Gefühlslage der Nation. Zu finden etwa bei Realclearpolitics, HuffPostPollster oder Pollingreport. Die besten Erhebungen, also die mit der geringsten Fehlerquote (drei Prozent), stammten in den vergangenen 20 Jahren von ABC/Washington Post. Wenn aber wie derzeit Clinton und Trump in der Wählerbefragung so eng beieinanderliegen, kann selbst die Fehlermarge von drei Prozent das tatsächliche Wahlergebnis völlig falsch vorhersagen.

Hatten sich die Umfragen nicht bei der Brexit-Abstimmung geirrt?

Nein. Die Trump-Fans behaupten das allerdings gerne, um zu illustrieren, wie unzuverlässig Umfragen sind. Bei der Abstimmung darüber, ob Großbritannien aus der EU austreten soll, haben sämtliche Erhebungen einen äußerst engen Ausgang vorhergesehen. Und so kam es auch. Allerdings waren Wirtschaftsvertreter sowie Wettbüros kurz vor der Wahl sicher, dass das Königreich EU-Mitglied bleiben würde. Zudem war die Zahl der Unentschiedenen relativ groß und üblicherweise neigt diese Gruppe dazu, sich für den Status Quo zu entscheiden - also für den Verbleib. Alles zusammen hat bei einigen Briten zu dem Eindruck geführt, dass die Abstimmung bereits entschieden sei und ihre Stimme nicht mehr benötigt werde.

Wird das Kopf-an-Kopf-Rennen in den Umfragen die Wahl beeinflussen?

Möglicherweise sind knappe Umfragen ein Vorteil für Hillary Clinton. Würde sie zwei, drei Tage vor der Wahl deutlich führen, könnten sich ihre potenziellen Wähler zu siegessicher fühlen und der Wahl fernbleiben. Den Anhängern von Donald Trump dagegen ist seit Langem klar, dass es sehr eng werden wird, ihre Motivation zur Wahl zu gehen ist also ohnehin hoch.

Welche weiteren Umfragen sollte man im Blick behalten?

Generell gilt: Die Umfragen, die die vier wichtigsten Kandidaten abbilden (neben Clinton und Trump sind das Gary Johnson von der Libertären Partei und Jill Stein von den Grünen) sind genauer als das Clinton-Trump-Duell. Und: Wie in jedem US-Wahlkampf wird die eigentlich Wahl in den "Swing States" entschieden. Das sind Bundesstaaten, die nicht traditionell für eine der beiden großen Parteien stimmen. In diesem Jahr zählen unter anderem dazu Florida, Nevada, Pennsylvania, Iowa, North Carolina und Ohio. In einigen dieser Bundesstaaten liegt die Demokraten vorne, in anderen der Republikaner, doch die Umfragen sind auch hier knapp. Im von Mormomen bewohnten Utah hat sogar ein dritter Kandidat Chancen, seine Wahlmänner zu entsenden (Die Amerikaner wählen Wahlmänner, die wiederum über das Staatsoberhaupt abstimmen): Even McMullin. Auch wenn der nicht gewinnen sollte, könnte er Donald Trump entscheidende Stimmen kosten. Aber auch hier bleibt die Frage: Motivieren die Umfragen eher die Trump-Wähler an die Urne zu gehen oder die McMullin-Anhänger?

  

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