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Nach Ermordung von Boris Nemzow: Historiker Felschinsky vergleicht Putin mit Hitler

Man kann sie nicht gleichsetzen, aber Parallelen zwischen der Politik von Putin und Hitler existieren, sagt der Historiker Juri Felschinsky in einem Interview. Sowohl nach innen als auch nach außen.

Über Wladimir Putin wurden schon oft unschmeichelhafte Vergleiche gezogen

Über Wladimir Putin wurden schon oft unschmeichelhafte Vergleiche gezogen

Vergleiche zwischen Wladimir Putin und Adolf Hitler sind nicht neu. Schon vor anderthalb Jahren sorgte der Brite Stephen Fry mit einem offenen Brief an Premierminister David Cameron für Aufsehen. Fry forderte einen Boykott der Olympischen Spiele in Sotschi und setzte die Situation homosexueller Russen mit der deutscher Juden vor den Spielen in Berlin 1936 gleich. Die Annexion der Krim zog diverse Vergleiche mit dem Einmarsch ins Sudetenland im Oktober 1938 nach sich.

In einem Interview mit "Zeit.de" hat der Kreml-Kritiker Juri Felschtinsky angesichts der Ermordung des Regimekritikers Boris Nemzow ebenfalls diesen Vergleich bemüht. Konkret sehe er Parallelen zu Hitlers Eroberungsfeldzügen, dem er die Neuangliederung ehemaliger Sowjetländer an Russland entgegenstellt. Dass dies Ziel der Politik Putins sei, davon ist Felschtinsky überzeugt. "Um wieder eine große Nation zu werden, will Putin jene Gebiete, die einst zur Sowjetunion gehörten, zurückerobern", so Felschtinsky. Zudem gebe es Übereinstimmungen in der Rhetorik und Wortwahl und die Medien in Russland seien ähnlich gleichgeschaltet, wie im Dritten Reich. Zudem sei die Wahl der Mittel vergleichbar, "erst militärische Besitznahme, dann Referendum".

Das Unausgesprochene

Es stehe allerdings fest: "Putin ist nicht Hitler, man kann beide vergleichen, aber nicht gleichsetzen", so Felschtinsky. Jedoch sei auch Hitler zuerst demokratisch gewählt worden und habe danach begonnen, Macht auf seine Position zu konzentrieren. Ein Prozess, der deutlich zu beobachten sei, seit Putin zum ersten Mal Präsident wurde. Die Opposition verfolge der Kreml scharf und er könne nicht verstehen, so Felschtinsky, warum in der russischen Öffentlichkeit nicht über die Möglichkeit geredet werde, dass Putin den Mord an Nemzow in Auftrag gegeben haben könnte.

Juri Felschtinsky emigrierte in den 1970er Jahren aus der damaligen Sowjetunion in die USA. Er schrieb Bücher über die KGB-Vergangenheit Wladimir Putins oder den Geheimdienst FSB. Das Buch "Blowing Up Russia" schrieb er gemeinsam mit Alexander Litwinenko, der an einer Vergiftung durch radioaktives Polonium starb. Das Buch ist bis heute in Russland verboten.

ono