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Hörfunk und Internet: Deutsche Welle soll verstärkt auf anderen sprachen senden

Die Deutsche Welle (DW) will sich stärker als bisher an nicht-deutschsprachige Zuschauer weltweit richten.

Der vom Bund finanzierte Auslandssender müsse gezielter Programm für einzelne Regionen etwa auf Englisch, Arabisch und Spanisch über Fernsehen, Hörfunk und Internet anbieten, sagte Intendant Erik Bettermann am Montag in Berlin. Das deutschsprachige Programm verliere angesichts der Möglichkeiten, Sendungen über Satellit und Internet direkt aus der Bundesrepublik zu beziehen, immer mehr an Bedeutung.

Erstmals hat der Sender mit Sitz in Bonn und Berlin einen Bericht vorgelegt, der Stärken und Schwächen der Deutsche Welle auflistet. Die 400-Seiten starke Studie für Bund und Bundestag soll Grundlage für die Neuausrichtung des Senders und seiner Programme in 30 Sprachen sein.

Notwendig sei vor allem, dass sich Bund und Länder zur gemeinsamen Verantwortung für die Deutsche Welle als "mediale Visitenkarte" der Bundesrepublik durchringen, betonte Bettermann. Es sei "eine patriotische Verpflichtung", attraktive Programme aus Deutschland besser als bisher in die Welt zu tragen. Dafür will die Welle stärker mit ARD, ZDF und den Privaten zusammenarbeiten. Auf Dauer sei sonst ein konkurrenzfähiges Angebot kaum zu sichern.

Angesichts knapper Kassen und der Stärke von Auslandssendern wie BBC oder France24 drohe die Deutsche Welle in manchen Regionen an Bedeutung zu verlieren. Andere internationale Anbieter würden einzelne Zuschauergruppen direkter ansprechen. Die Deutsche Welle aber versorge nach dem "Gießkannenprinzip" die ganze Welt mit einem inhaltlich weitgehend identischen Programm.

Wir müssen etwa versuchen, den 40-jährigen indischen Familienvater für Deutschland zu begeistern

Ein erheblicher Nachteil sei auch der stündliche Sprachenwechsel innerhalb eines TV-Kanals. Die DW sei zwar zur Verbreitung der deutschen Sprache verpflichtet, müsse aber gleichzeitig vor allem nicht-deutschsprachige Zuschauer erreichen. Wie schon in Asien strebt der Sender deshalb auch in anderen Regionen Kanäle parallele auf Deutsch und Englisch an. "Wir müssen etwa versuchen, den 40-jährigen indischen Familienvater für Deutschland zu begeistern", sagte Bettermann.

In Asien und Nordamerika setzt der Sender vor allem über TV und Internet auf Informationen aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. In Afrika südlich der Sahara sowie in Teilen Asiens ist die Welle bereits mit Bildungsabgeboten über Hörfunk erfolgreich. Positiv sei die wachsende Internet-Präsenz. Klassische Verbreitungswege wie Kurz- und Mittelwelle hätten dagegen immer weniger Bedeutung. Bettermann möchte sich dafür stark machen, dass in jeder EU-Hauptstadt das Hörfunkprogramm über UKW zu empfangen ist.

DPA / DPA