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Irak: Anschlag auf UN-Hauptquartier in Bagdad

Bei einem verheerenden Autobomben-Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad sind nach UN-Angaben mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen, darunter der UN-Sonderbeauftragte für den Irak.

Bei einem verheerenden Autobomben-Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad sind nach UN-Angaben mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen, darunter der UN-Sonderbeauftragte für den Irak. Dutzende von Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steigt, da Stunden nach dem Terrorakt noch zahlreiche Menschen unter den Trümmern verschüttet waren.

Der UN-Sonderbeauftragte Sergio Vieira de Mello hatte den Anschlag offenbar zunächst schwer verletzt überlebt. In ersten Meldungen hatte es geheißen, er werde ärztlich versorgt, sei aber noch nicht aus den Trümmern befreit worden. Nach Angaben des US-Zivilverwalters im Irak, Paul Bremer, gab es zunächst keine Hinweise auf die Täter. US-Präsident George W. Bush und der UN-Sicherheitsrat, der zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentrat, verurteilten den Anschlag auf das Schärfste. Beide Seiten betonten zugleich, dass sie sich durch den Terrorakt nicht von ihrem Engagement im Nachkriegs-Irak abhalten lassen werden. UN-Generalsektär Kofi Annan brach seinen Urlaub in Finnland ab und trat die Heimreise nach New York an.

Vorderfront des Hotels komplett zerstört

Offen blieb zunächst, ob es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt hat. Die Autobombe war um etwa 16.30 Uhr (Ortszeit) vor dem zum UN-Hauptquartier umfunktionierten Canal-Hotel explodiert, dessen Vorderfront fast gänzlich zerstört wurde. Die Wucht der Detonation war so groß, dass Fensterscheiben noch in eineinhalb Kilometer Entfernung zu Bruch gingen.

Nach Medienangaben explodierte der Sprengsatz direkt oder ganz in der Nähe des Fensters von De Mellos Büro während einer Pressekonferenz, die gerade im Gebäude stattfand. Unklar blieb zunächst, wie viele Menschen sich zur Zeit des Anschlags im Gebäude aufgehalten hatten. Nach UN-Angaben gibt es rund 300 Beschäftigte, von denen aber möglicherweise nicht alle anwesend waren.

Vor und in dem verwüsteten Hauptquartier spielten sich dramatische Szenen ab. Blutenden Frauen und Männer wurden auf Tragbahren aus dem Gebäude und zumeist per Hubschrauber in Krankenhäuser gebracht, während Helfer in den Trümmern weiter Verschütteten ausgruben. Entsetzte und weinende Menschen warteten auf Nachricht über das Schicksal ihrer Angehörigen und Freunde.

Bush ließ sich während seines Urlaubs in Crawford (Texas) ständig informieren. Er sagte den Vereinten Nationen und Bremer alle erforderliche Hilfe bei der Rettung und Betreuung der betroffenen Menschen zu. In einer Erklärung vor Journalisten versicherte er weiter, die USA und ihre Verbündeten würden sich nicht von ihrem Kurs abbringen lassen, den Menschen im Irak Frieden zu bringen.

Die für den Anschlag verantwortlichen Terroristen hätten ihre «Furcht vor dem Fortschritt» im Irak gezeigt und wollten die Tage der Folterkammern und Massengräber zurückbringen. Sie seien nicht nur Feinde des irakischen Volkes, sondern der gesamten zivilisierten Welt. Die USA und die internationale Staatengemeinschaft würden jedoch jenseits aller Schwierigkeiten ihre Aufgabe im Irak erfüllen. Der amerikanische Anti-Terror-Krieg werde fortgesetzt und die Mörder zur Rechenschaft gezogen. «Und wir werden gewinnen», fügte Bush hinzu.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach UN-Generalsekretär Annan in einem Telegramm sein Beileid aus. «Das ist ein verbrecherischer Anschlag, ausgeführt von Kräften, die nicht wollen, dass im Irak der Aufbau in Frieden und Freiheit gelingt.»

Der amtierende UN-Kommissar für Menschenrechte, Bertrand Ramcharan, sagte in New York, der Anschlag werde in aller Welt verurteilt. Er sei gegen Menschen gerichtet gewesen, «deren einziges Ziel es ist, dem Volk des Iraks bei der Überwindung der Folgen des Krieges und der Jahre der Unterdrückung zu helfen».

Seit dem 1. Mai, an dem Bush das Ende der «größeren Kampfhandlungen» erklärt hatte, gab es bereits eine Reihe größerer Anschläge auf amerikanische Soldaten und ausländische sowie internationale Einrichtungen im Irak. So waren erst am 7. August bei einer Explosion einer Autobombe vor der jordanischen Botschaft in Bagdad mindestens elf Menschen getötet worden.

DPA