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Irak: Die beiden Deutschen sind womöglich tot

Zwei seit mehreren Tagen vermisste Sicherheitsbeamte der Deutschen Botschaft in Bagdad sind möglicherweise nicht mehr am Leben. Das sagte das Bundesinnenministerium. Anzeichen einer vorherigen Entführung der beiden gebe es nicht.

Zwei im Irak verschwundene deutsche Sicherheitsbeamte sind möglicherweise tot. Das Bundesinnenministerium in Berlin schloss nicht aus, dass die beiden Deutschen ums Leben gekommen sind. Es gebe keine Hinweise auf eine Entführung der beiden Mitarbeiter des Bundesgrenzschutzes.

Im Irak haben Aufständische seit Donnerstag mehrere Ausländer, darunter drei Japaner, in ihrer Gewalt. Mit der Geiselnahme wollen sie einen Abzug der fremden Soldaten erpressen. Nach bisherigen Erkenntnissen sind unter den Geiseln jedoch keine Deutschen. Auch zwei US-Soldaten und mehrere Zivilisten werden nach einem Angriff auf einen Fahrzeugkonvoi bei Bagdad am Karfreitag vermisst.

Nach Informationen des ARD-Büros in Bagdad hatte der Fahrzeug-Konvoi mit den beiden GSG-9-Mitarbeitern am Mittwoch auf dem Weg von der jordanischen Hauptstadt Amman nach Bagdad versucht, die umkämpfte westirakische Stadt Falludscha zu umfahren. Der Konvoi habe dabei genau die gleiche Route genommen wie die drei entführten Japaner: Er sei zwischen Ramadi und Falludscha von der Autobahn auf die alte Landstraße abgebogen. Etwa 20 Kilometer hinter Falludscha sei beim Dorf Al Gharma der Geländewagen der GSG-9-Beamten unter Beschuss gekommen. Andere Fahrzeuge des Konvois sollen die Botschaft später erreicht haben. Ein jordanischer Zeuge habe berichtet, er habe den Toyota Landcruiser später ausgebrannt am Straßenrand vorgefunden, berichtete ein ZDF-Reporter. Die irakische Zeitung "Al-Raqeeb" veröffentlichte Fotos der beiden Deutschen. Sie sollen nach Angaben des ZDF 38 und 25 Jahre alt sein.

Angeblich 30 Geiseln

In mehreren Medien zugespielten Erklärungen behauptet eine bewaffnete irakische Gruppe, 30 Ausländer in ihrer Gewalt zu haben - aus Amerika, Israel, Spanien, Korea, Japan und Portugal. US- Militärsprecher Mark Kimmitt erklärte in Bagdad, die US-Truppen hätten keinen vollständigen Überblick in der Geiselfrage. Verhandlungen mit den Entführern werde es nicht geben. "Ganz klar - wir werden nicht mit Terroristen verhandeln", sagte Kimmitt.

Erste Verhandlungen

Derweil nahmen Vertreter des provisorischen irakischen Regierungsrats und Rebellen in Falludscha Verhandlungen auf. Eine vom US-Militär angebotene Waffenruhe sei nur durch sporadische Aktionen der Aufständischen unterbrochen worden, sagte Kimmitt. Das US-Militär verlange die Auslieferung jener Personen, die für die Tötung von vier amerikanischen Sicherheitsleuten und der Schändung ihrer Leichen vor zehn Tagen verantwortlich waren.

In Amman bemühte sich der japanische Vizeaußenminister Ichiro Aisawa um die Freilassung der japanischen Geiseln. Die Entführer, die sich "Irakische Mudschahedin-Brigaden" nennen, drohen, die zwei Männer und eine Frau bei lebendigem Leib zu verbrennen. Das Ultimatum soll angeblich am Sonntagmittag auslaufen. Die Regierung in Tokio hat die Forderung nach einem Abzug ihrer Soldaten abgelehnt.

Straßenkämpfe in Bagdads Vorstadt

In der von Sunniten bewohnten Bagdader Vorstadt Adhamija brachen am Samstag Straßenkämpfe zwischen Aufständischen und US-Truppen aus. Aufständische griffen in der Umgebung von Bagdad Militärkonvois der Besatzungstruppen an.

"Große Herausforderung"

US-Präsident George W. Bush räumte ein, dass die Lage im Irak die USA vor große "Herausforderungen" stelle. In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache zeigte er sich aber zuversichtlich, dass Amerika und seine Verbündeten am Ende siegen. Er bekräftigte, die USA hielten an ihrem Termin für die Machtübergabe im Irak fest. Eine Verschiebung des Termins würde den Feinden nur in die Hände spielen.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi statte am Ostersamstag den rund 3000 Truppen seines Landes in der südirakischen Stadt Nasirija einen Überraschungsbesuch ab.