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Irak: Geiselnehmer werden immer dreister

Als Polizisten verkleidete Männer haben angeblich einen US-Geschäftsmann aus seinem Hotel in Basra verschleppt. Auch ein dänischer Zivilist wurde entführt.

Bei der Entführung ausländischer Zivilisten greifen irakische Geiselnehmer zu immer dreisteren Mitteln: Als Polizisten verkleidete Männer hätten am Donnerstag einen amerikanischen Geschäftsmann aus seinem Hotel in Basra verschleppt, teilte der Polizeichef der südirakischen Stadt am Freitag mit. Dänemark erklärte, in Irak sei wahrscheinlich ein dänischer Zivilist entführt worden. In Falludscha trafen US-Kommandeure erstmals zu direkten Verhandlungen mit Vertretern der belagerten Stadt zusammen.

Schwere Bombe abgeworfen

Bislang hatten beide Seiten nur über irakische Mittelsmänner miteinander verhandelt. Noch kurz vor dem Treffen hatte ein US-Kampfflugzeug eine 1.000 Kilogramm schwere Bombe auf ein Gebäude im Norden der Stadt abgeworfen.

Der entführte Däne arbeitete laut einem Bericht des dänischen Fernsehens an einem Abwasser-Projekt in Basra und wurde auf dem Weg nach Bagdad in Tadschi gefangen genommen. Dänemark hat in der Region 410 Soldaten stationiert. Der in Basra entführte US-Bürger war nach Polizeiangaben jordanischer Abstammung.

"Mehr um irakische Bevölkerung bemühen"

Nach der Ermordung einer italienischen Geisel erklärte der italienische Außenminister Franco Frattini in einem Zeitungsinterview, die Besatzungstruppen sollten sich künftig stärker um das Wohl der irakischen Bevölkerung bemühen. In Zusammenarbeit mit Iran und Syrien versuche man, die übrigen drei italienischen Geiseln freizubekommen. Einer am Freitag veröffentlichten Umfrage zufolge ist in Italien die Zustimmung für die Präsenz der italienischen Truppen in Irak nach der Ermordung der Geisel von 47 Prozent auf 38 Prozent gesunken.

Eine chinesische Geisel wurde indessen freigelassen, wie ein irakischer Vermittler erklärte. Der Chinese sei am Mittwoch entführt worden, teilte das Komitee Islamischer Geistlicher mit. Die sunnitische Organisation hatte am Donnerstag die Freilassung von drei japanischen Geiseln erwirkt. Die drei Japaner wurden am Freitag zunächst nach Dubai geflogen, wo sie in einem Krankenhaus untersucht wurden. Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi sprach von einer „großen Erleichterung“. Ob zwei seit Donnerstag vermisste japanische Journalisten ebenfalls entführt wurden, sei weiterhin unklar. Nach eigenen Angaben wurde diese Woche auch eine australische Friedensaktivistin zusammen mit drei Kollegen einen Tag lang in Geiselhaft genommen.

Iran: Keine offiziellen Vermittlungsbemühungen

Iran wies unterdessen Berichte über offizielle Vermittlungsbemühungen zwischen US-Truppen und schiitischen Aufständischen in der Stadt Nadschaf zurück. Der Besuch des iranischen Gesandten Hussein Sadeghi in Irak sei eine „Erkundungsmission, um mit Mitgliedern des Verwaltungsrats sowie mit politischen und religiösen Führern zu verhandeln und die Koalitionstruppen zu warnen“, sagte Außenminister Kamal Charrasi laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA.

US-Außenminister Colin Powell begrüßte am Donnerstagabend den Vorschlag der Vereinten Nationen, den irakischen Verwaltungsrat durch eine Übergangsregierung zu ersetzen und dieser bis zum 1. Juli die Souveränität zu übergeben. Der britische Premierminister Tony Blair sprach sich vor einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush für eine Schlüsselrolle der UN in Irak aus.

AP / AP