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Irak Isis nimmt frühere Giftgasfabrik ein


Saddam Hussein hatte die Anlage zur Herstellung von Giftgas genutzt: Die Isis-Milizen haben im Irak eine Chemiewaffenfabrik eingenommen. Allerdings gab das US-Außenministerium bereits Entwarnung.

Der Irak hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über ein Chemiewaffenlager an die sunnitischen Rebellen der Organisation Islamischer Staat (Isis) verloren. In einem am Dienstag veröffentlichten Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schrieb der irakische UN-Botschafter Mohammed Ali Alhakim, "bewaffnete Terrorgruppen" seien in der Nacht zum 11. Juni in den Komplex von Muthanna eingedrungen, nachdem sie die Wachen entwaffnet hätten. Der Brief vom 1. Juli bestätigt Angaben der US-Regierung, die bereits am 19. Juni erklärt hatte, sunnitische Rebellen hätten die Anlage in ihre Gewalt gebracht.

Rebellen plünderten Teile der Ausrüstung

Laut Alhakim ist die irakische Regierung wegen der Eroberung der Fabrik derzeit nicht in der Lage, "ihren Verpflichtungen zur Zerstörung von Chemiewaffen" weiter nachzukommen. "Überreste des früheren Chemiewaffenprogramms" befänden sich noch in der Anlage. Videoaufzeichnungen zeigten, dass Teile der Ausrüstung von den Rebellen geplündert worden seien. Das US-Außenministerium hatte am 19. Juni aber erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass die Aufständischen aus dem in Muthanna gelagerten Material noch Chemiewaffen herstellen könnten.

In der Anlage wurde Giftgas hergestellt

Die Anlage 72 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad wurde nach Angaben des US-Geheimdienstes CIA unter dem irakischen Machthaber Saddam Hussein in den 1980er Jahren zur Herstellung von Senfgas und anderen Giftgasen wie Sarin verwendet. Während des Iran-Irak-Kriegs, bei dem Saddam Hussein massiv Giftgas einsetzte, wurden dort große Mengen Sarin produziert. Nach der irakischen Niederlage im ersten Golfkrieg 1991 wurde die Anlage gemäß einer UN-Resolution geschlossen und später zur Zerstörung der Chemiewaffenbestände genutzt.

Waffenmaterial nicht einsatzfähig?

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums reagierte allerdings gelassen auf die Nachricht. Man betrachte den Vorfall gegenwärtig nicht als besonders schwerwiegend, sagte der Pentagon-Sprecher.

Die US-Regierung gehe davon aus, dass das in der Anlage aufbewahrte Material alt und nicht gebrauchsfähig sei. Die Rebellen des Islamischen Staates haben bei ihrem Vormarsch weite Teile des Nordiraks eingenommen, wurden zwischenzeitlich aber wieder aus einigen Gebieten vertrieben.

be/AFP AFP

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