Irak Neue Drohungen gegen ausländische Geiseln


Während die US-Angriffe auf die irakische Rebellenhochburg Falludscha weitergehen, haben am Wochenende neue Entführungen und Morddrohungen die Lage der ausländischen Geiseln im Irak dramatisch verschärft.

Wie Ärzte des örtlichen Krankenhauses mitteilten, wurden sechs weitere Menschen verletzt. Zuvor waren bei einem Autobombenanschlag auf einen US-Konvoi in der Nähe des Flughafens von Bagdad zwei US-Soldaten getötet und acht weitere verletzt worden. Später bekannte sich die Terrorgruppe um den Jordanier Abu Mussab el Sarkawi zu der Tat. Nach Angaben von Augenzeugen feuerten US-Kampfflugzeuge am Samstagabend mehrere Raketen auf Falludscha westlich von Bagdad ab. Wie Krankenhausärzte mitteilten, sind unter den vier Toten und sechs Verletzten des Angriffs auch Frauen und Kinder. Vor dem Angriff der US-Flugzeuge hatten Aufständische in Falludscha einen Konvoi des US- Militärs angegriffen und angeblich einen Panzer in Brand geschossen.

Sarkawi-Anhänger bekannten sich

Unterdessen haben sich Anhänger des jordanischen Terroristen Abu Mussab al Sarkawi sich zu dem Bombenanschlag bekannt, bei dem am Samstag in der Nähe des Bagdader Flughafens zwei US-Soldaten getötet und acht weitere verletzt worden waren. Auf einer Islamisten-Seite im Internet übernahm die Terrorgruppe El Tawhid wa El Dschihad die Verantwortung für die Tat. Zwei Mitglieder der Gruppe, die auch Kontakte zum Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden unterhalten soll, hätten den Autobombenanschlag auf einer Zubringerstraße zum Flughafen ausgeführt, hieß es dort.

Nach US-Angaben wurden bei dem Anschlag drei Militärfahrzeuge zerstört. Die Soldaten hatten sich auf dem Weg zum Schauplatz eines kurz zuvor erfolgten Autobombenanschlags auf einen US-Konvoi befunden. Bei diesem Zwischenfall seien drei Soldaten verletzt worden, teilte das US-Militär mit.

Neue Entführungen und Morddrohungen haben die Lage der ausländischen Geiseln im Irak dramatisch verschärft. Im Fall von zwei verschleppten Amerikanern und einem Briten läuft am Montag ein Ultimatum ab. Am Wochenende wurden insgesamt 14 weitere Ausländer überfallen und gekidnappt. Von zwei Reportern aus Frankreich und den beiden Italienerinnen fehlt seit Tagen jede Spur.

Zwei weitere Entführungsfälle am Wochenende

Die Entführer des Briten Kenneth Bigley sowie der Amerikaner Jack Hensley und Eugene Armstrong drohten am Samstag mit dem Tod ihrer Geiseln, falls nicht alle weiblichen Häftlinge in den Gefängnissen in Umm Kasr und Abu Ghraib binnen 48 Stunden freigelassen würden. Der arabische Fernsehsender Al Dschasira strahlte ein Video aus, in dem die Gefangenen mit verbundenen Augen vorgeführt wurden. Die drei an Bauprojekten beteiligten Männer waren am Donnerstag in ihrem Haus in Bagdad überfallen und verschleppt worden. Bei den Geiselnehmern soll es sich um die Terrorgruppe Tauhid und Dschihad um den jordanischen Extremisten Abu Mussab al Sarkawi handeln, die schon zahlreiche Geiseln genommen und zum Teil auch getötet hat.

Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari lehnte es am Sonntag ab, die Forderung nach Freilassung der weiblichen Gefangenen zu erfüllen. Damit würde nur "ein sehr schlechter Präzedenzfall" geschaffen, sagte Sebari in London dem britischen Rundfunksender BBC. In einem weiteren Video bei Al Dschasira wurden zehn Mitarbeiter einer amerikanisch-türkischen Firma gezeigt. Die bislang unbekannte Gruppe Salafisten-Brigaden von Abu Bakr al Siddik forderte den Rückzug des Unternehmens aus dem Irak innerhalb von drei Tagen. Anderenfalls würden die Geiseln getötet.

Auch drei Libanesen gekidnappt

Am Sonntag wurde zudem die Entführung von drei Libanesen und einem irakischen Fahrer bekannt. Die Gruppe sei am Freitagabend auf der Fernstraße von Bagdad nach Falludscha überfallen und verschleppt worden, teilte ein Sprecher des libanesischen Außenministeriums mit. Der libanesische Geschäftsträger im Irak wurde beauftragt, sich für die Freilassung der Männer einzusetzen.

Die beiden im Irak entführten Italienerinnen sind einem Agenturbericht zufolge möglicherweise an Anhänger des Al-Kaida-Verbündeten Abu Mussab Al-Sarkawi verkauft worden. "Nach den Informationen, die uns vorliegen, wurden sie von einer kriminellen Organisation entführt, die sie an Mitglieder von Al-Sarkawis Gruppe verkauft haben könnten", zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag den stellvertretenden irakischen Außenminister, Hamid al-Bajati. Er habe Informationen erhalten, wonach die beiden Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation, Simona Pari und Simona Torretta, von Westbagdad in die Rebellenhochburg Falludscha geschafft wurden. Auf die Frage, ob die beiden Frauen von denselben Extremisten gefangen gehalten würden, die in einer Videobotschaft die Ermordung eines Briten und zweier Amerikaner angedroht hätten, sagte Al-Bajati: "Ja, das könnte sein."

Italienische Geiseln an Al-Sarkawi verkauft?

Nach der am Samstag im Internet aufgetauchten Botschaft steckt angeblich die Organisation Tauhid und Dschihad des Extremistenführers Al-Sarkawi hinter der Entführung der zwei Amerikanern und des Briten. Die Entführer drohten darin mit der Ermordung der drei Geiseln, sollten binnen 48 Stunden nicht alle irakischen Frauen aus zwei Gefängnissen im Irak entlassen werden. Dem US-Militär zufolge, gibt es in den entsprechenden Gefängnissen keine weiblichen Gefangenen. Die drei Männer wurden am Donnerstag in Bagdad verschleppt, die beiden Italienerinnen vor knapp zwei Wochen - ebenfalls in der irakischen Hauptstadt.

Seit Beginn der amerikanischen Besetzung des Irak sind rund 120 Ausländer entführt und viele von ihnen getötet worden. Die Aufständischen wollen meist ausländische Regierungen und Firmen unter Druck setzen, das Land zu verlassen. (AP, DPA, Reuters)


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