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Israelisch-türkischer Konflikt Israel kämpft mit Zuckerbrot und Peitsche


Im Streit mit dem langjährigen Partner Israel wartet die Türkei auf eine Entschuldigung. Offiziell bemüht sich Israel um versöhnliche Töne im Konflikt um die Gazahilfsflotte. Aber laut einem Bericht lässt der rechte Außenminister Lieberman die Peitsche knallen.

Benjamin Netanjahu versucht sich in Beschwichtigung. "Wir respektieren das türkische Volk und sein kulturelles Erbe", betont der israelische Ministerpräsident. Und fügte hinzu: "Wir wollen auf jeden Fall, dass sich die Beziehungen verbessern". Ins gleiche Horn bläst auch Verteidigungsminister Ehud Barak. "Die Türkei ist nicht unser Feind. Der Konflikt zwischen unseren beiden Ländern wird schließlich vorübergehen", fügt er in einem Radiointerview hinzu. Erneut bedauert er den Tod von neun türkischen Aktivisten bei der Erstürmung des türkischen Gaza-Hilfsschiffes "Mavi Marmara" im Mai vergangenen Jahres durch israelische Soldaten.

Aber die Türkei, die sich von einem UN-Bericht zu dem blutigen Zwischenfall gedemütigt fühlt, will kein Bedauern, sondern eine förmliche Entschuldigung Israels. Die aber lehnt Netanjahu ohne Wenn und Aber ab. Der Streit zwischen beiden Ländern, die jahrzehntelang sehr gute Beziehungen unterhielten, dürfte deshalb weiter eskalieren. Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman, Chef der ultranationalistischen Partei "Beitenu Israel" (Unser Haus Israel) hat deshalb laut Zeitungsbericht schon mal die Folterinstrumente vorgezeigt. Und die bergen erheblichen Konfliktstoff.

Israelische Zeitung berichtet von möglichen Gegenangriffen

Offiziell wollte das Außenministerium in Jerusalem die Ankündigung des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan nicht kommentieren, künftig würden türkische Kriegsschiffe türkische Hilfsschiffe für den Gazastreifen eskortieren. Aber die Zeitung "Jediot Achronot" berichtete unter der Überschrift "Israel wird Türkei 'bestrafen'", Lieberman erwäge einen ganzen Strauß möglicher Gegenangriffe.

So werde er in den USA Vertreter der armenischen Lobby treffen. Dabei könne es darum gehen, wie Israel das Bestreben der Armenier unterstützen könnte, den Tod von geschätzten 1,5 Millionen Armeniern unter dem Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs zum Völkermord erklären zu lassen. Die Türkei bestreitet, dass es sich um einen Völkermord gehandelt habe, und reagiert in diesem Punkt stets extrem gereizt.

Fast noch schlimmer muss für türkische Ohren klingen, dass die Zeitung unter Berufung auf Informationen aus dem Außenministerium berichtete, Israel könne Armenien eventuell auch im Streit um den "heiligen" Berg Ararat unterstützen. Der den Armeniern heilige verloschene Vulkan liegt in Ostanatolien auf türkischem Territorium, wird aber von Armenien beansprucht.

Außenministerium kommentiert Zeitungsartikel nicht

Auch das nächste Marterinstrument Liebermans hätte es in sich. Der Minister erwäge Treffen mit Führern der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in Europa, schrieb die Zeitung weiter. Dabei könnten die PKK-Führer Israel um Militärhilfe gegen die Türken bitten. Schließlich habe Lieberman noch eine internationale diplomatische Kampagne gegen die Türkei wegen der Unterdrückung von Minderheiten im Köcher.

"Wir werden einen derart hohen Preis von Erdogan einfordern, dass ihm klar wird, dass mit Israel nicht zu spaßen ist", wurde Liebermann zitiert. Sein Ministerium ließ den Artikel auch Stunden nach Erscheinen unkommentiert.

Fast harmlos wirkt die Absicht, eine Reisewarnung für alle israelischen Reservisten für das Urlaubsland Türkei auszusprechen. Allerdings sind in Israel Männer und Frauen wehrpflichtig, von 17 bis 49 Jahre. Eine solche Maßnahme beträfe fast das ganze Volk.

Jan-Uwe Ronneburger, DPA DPA

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