Jahrestag Weltweite Proteste gegen den Irak-Krieg


Von San Francisco über Seoul bis Sydney: Tausende Menschen in aller Welt haben am ersten Jahrestag des Kriegsbeginns in Irak gegen die USA demonstriert. Auch in Berlin und bei der US-Airbase in Ramstein waren mehrere tausend Teilnehmer dabei.

Ein Jahr nach dem Beginn des Irak-Kriegs sind am Samstag weltweit Hunderttausende von Menschen für den Frieden auf die Straße gegangen. Proteste unter dem Motto "Frieden für Irak, Frieden für die Welt" gab es auch in Großbritannien, Australien, Polen, Italien und den USA. Die Regierungen dieser Ländern haben Truppen in den Irak entsandt. An der größten europäischen Kundgebung in Rom beteiligten mehr als 100 000 Menschen. In Berlin und in anderen deutschen Städten protestierten ebenfalls tausende Kriegsgegner für Frieden und ein Ende der Besatzung des Irak.

Bush erklärt Differenzen für beendet

US-Präsident George W. hatte am Freitag in einer Rede erklärt, die Differenzen zwischen den USA und befreundeten Staaten über den Irak-Krieg gehörten der Vergangenheit an. Jedes Zeichen der Schwäche oder des Rückzugs sei jetzt eine Einladung zu noch mehr Terror und Gewalt.

In Tokio sowie in anderen japanischen Städten zogen insgesamt 120 000 Menschen auf die Straße. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo weiter meldete, nahmen allein Tokio 30 000 Demonstranten an dem Protest teil. "Lasst Bush fallen statt Bomben" war auf den Plakaten der japanischen Demonstranten zu lesen, die drei Kilometer durch strömenden Regen marschierten. Auch in Indien und Hongkong gab es Kundgebungen. In Hongkong marschierten 100 Demonstranten zum Konsulat der Vereinigten Staaten.

Mehrere zehntausend Menschen in London auf der Straße

In London demonstrierten mehrere zehntausend Menschen gegen den genau vor einem Jahr begonnenen Irak-Krieg. Sie zogen vom Hyde Park zum Trafalgar Square, wo zum Gedenken an die umgekommenen Zivilisten und Soldaten 2000 Luftballons aufsteigen sollten. Auf Big Ben, dem Glockenturm des britischen Parlaments, protestierten sechs Stunden lang zwei Greenpeace-Mitglieder gegen den Krieg. Sie waren am Morgen an dem 97 Meter hohen Turm hochgeklettert und hatten ein Transparent mit der Aufschrift "Zeit für die Wahrheit" entfaltet. Später wurden sie festgenommen. Die Regierung von Tony Blair war einer der engsten Verbündeten der USA im Krieg gegen den Irak.

In der australischen Stadt Sydney verlangten zuvor mehr als 5000 Demonstranten in Sprechchören ein Ende der Besatzung des Irak und den Rücktritt des australischen Regierungschefs John Howard. Auch in Melbourne, Brisbane und Perth gab es Friedensmärsche. "Binnen der nächsten 24 Stunden werden weltweit Millionen Menschen ihre Regierungen aufrufen, keinen Krieg zu führen, sondern den Menschen Frieden zu bringen", sagte Pamela Curr vom Organisationsteam in Sydney. Die australische Regierung hat den Irak-Kurs der USA und Großbritanniens von Anfang an unterstützt und auch 2.000 Soldaten für den Irak-Krieg bereitgestellt.

In Kairo verbrannten rund 1.500 Demonstranten amerikanische Fahnen und bekundeten ihre Solidarität mit Irak. Ein wesentlich größeres Polizeiaufgebot schirmte die US-Botschaft ab. Demonstrationen gegen den Irak-Krieg mit jeweils mehreren hundert Teilnehmern gab es auch in Sofia, Kopenhagen und Neu-Delhi.

Wasserwerfer gegen Demonstranten

In Manila ging die Polizei mit Wasserwerfern gegen rund 500 Demonstranten vor, um sie von der US-Botschaft fern zu halten. Zuvor war es zu Rangeleien gekommen, einige Demonstranten warfen Steine auf die Beamten.

In Südkorea gingen in mehreren Städten tausende Menschen auf die Straße. Die Organisatoren der zentralen Kundgebung in der Hauptstadt Seoul erwarteten bis zu 100.000 Teilnehmer. Sie hofften, dass sich die Proteste gegen den Krieg mit den seit Tagen andauernden Demonstrationen gegen die Amtsenthebung von Präsident Roh Moo Hyun vermengen würden.

Rund 7000 Menschen marschierten durch die Straßen der griechischen Hauptstadt Athen. Sie riefen anti-amerikanische Slogans. In der Hafenstadt Thessaloniki protestierten 3000 Menschen.

In Warschau forderten knapp tausend Demonstranten einen Abzug der polnischen Soldaten aus der Region. Sie skandierten Slogans wie "Schluss mit dem globalen Terrorismus der USA" und "Frieden für Irak, Frieden für die Welt".

Mehr als 250 Proteste in den USA geplant

In den USA waren insgesamt mehr als 250 Proteste geplant, darunter in New York. Bereits am Freitag waren San Francisco mehrere hundert Demonstranten durch die Straßen gezogen. Nach US-Medienberichten kam es zu 19 Festnahmen.

DPA

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