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Abschied von John McCain Joe Biden bringt es in bewegender Trauerrede auf den Punkt: Das läuft falsch in der US-Politik

Ex-Vizepräsident Joe Biden bei seiner Trauerrede für John McCain in einer Baptistenkirche in Phoenix, Arizona
Ex-Vizepräsident Joe Biden bei seiner Trauerrede für John McCain in einer Baptistenkirche in Phoenix, Arizona
© Justin Sullivan / AFP
Tausende Trauernde haben in Arizona Abschied von John McCain genommen. In einer emotionalen Ansprache verabschiedete sich auch Ex-Vizepräsident Joe Biden vom verstorbenen US-Senator - mit einer klaren Botschaft.

Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden hat bei einem Trauergottesdienst für den verstorbenen Senator John McCain eine bewegende Rede gehalten, und dabei auch klare Worte für die derzeitige politische Lage in den USA gefunden. Die Dinge in Amerika hätten sich so sehr verändert, dass manche Leute McCain angesehen hätten, als ob er "aus einem anderen Zeitalter gekommen wäre und nach einem anderen Kodex gelebt hätte, einem alten, antiquierten Kodex, in dem Ehre, Mut, Integrität, Pflicht lebendig waren", sagte Biden am Donnerstag vor zahlreichen Gästen in Phoenix, Arizona, über seinen engen Freund und Parteirivalen.

In Wahrheit sei McCains Kodex aber zeitlos, fuhr Biden fort. Dabei sei es nicht um Politik, sondern um Grundwerte wie Anstand, Respekt und "das Bewusstsein: 'dieses Projekt ist größer als du selbst'" gegangen. Der Republikaner habe weder egoistisch noch eigennützig gehandelt. "Er konnte den Missbrauch von Macht nicht ausstehen. Wo immer er ihn sah, in welcher Form, in welchem Land auch immer."

Joe Biden kritisiert aktuelle US-Politik

Der Demokrat Biden - der lange Zeit gemeinsam mit dem Republikaner McCain im US-Senat saß - bedauerte, dass die Suche nach Konsens in der gegenwärtigen politischen Auseinandersetzung in den Hintergrund gerückt sei. "Alles, was wir heute machen, ist, die Opposition in beiden Parteien anzugreifen, ihre Motive, nicht den Inhalt ihrer Argumente", sagte er. "John verstand, dass Amerika vor allem eine Idee war. Verwegen und riskant. Organisiert nicht um Stämme herum, sondern um Ideale."

Das sei auch eine Anklage gegen die aktuelle US-Politik, kommentierte der US-Sender CNN die Worte des früheren Stellvertreters von Barack Obama. "Der vorherrschende Wert der modernen Politik ist Parteinahme: Du bist gut, wenn du in meinem Team bist. Du bist nicht nur schlecht, sondern moralisch bankrott, wenn du auf der anderen Seite stehst." Es gebe keinen Grund, den Leuten des anderen Teams zuzuhören. Präsident Donald Trump sei "der wandelnde, sprechende Inbegriff der Heiligsprechung der Parteilichkeit gegenüber all unseren anderen, echten Werten".

Bereits am Mittwoch hatten Tausende Trauernde in Phoenix Abschied von McCain genommen. Mit dem Gottesdienst am Donnerstag endeten die Trauerfeierlichkeiten in McCains Heimatstaat Arizona. Der US-Senator wäre am vergangenen Mittwoch 82 Jahre alt geworden. Am vergangenen Samstag war er an einem Hirntumor gestorben.

Auch Obama soll Trauerrede für McCain halten

McCains Leiche soll am am Freitag im Kapitol in der US-Hauptstadt Washington aufgebahrt werden. Wie schon in Phoenix werden auch dort Bürger die Möglichkeit haben, sich von McCain zu verabschieden. Am Samstag findet eine Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale in Washington statt. Dort sollen unter anderem die Ex-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush Ansprachen halten. Aus Deutschland wird Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet. 

US-Präsident Donald Trump - dessen Widersacher McCain war - nimmt gemäß dem Wunsch des verstorbenen Senators an der Veranstaltung nicht teil. Nach McCains Tod am Samstag auf seiner Ranch in Arizona war Trump unter Druck geraten, die Verdienste des Kriegsveteranen und Senators öffentlich zu würdigen - was Trump am Montag schließlich tat. Am Sonntag soll der Kriegsveteran McCain auf dem Gelände der Marineakademie in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland beigesetzt werden.

mad DPA

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