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Kandidatur 2024 Das Alter! US-Demokraten und ihre Wähler diskutieren schon Alternativen zu Joe Biden

Joe Biden schneuzt sich die Nase
Verschnupft: Die Unterstützung für US-Präsident Joe Biden für eine weitere Kandidatur ist im eigenen Lager eher gering.
© Mandel Ngan / AFP
Joe Biden ist entschlossen, für eine weitere Amtszeit im Weißen Haus zu kandidieren. Seine Partei und ihre Wähler sind von der Idee mehrheitlich nicht begeistert. Zwei Namen sind als Alternative besonders im Gespräch.

Als Joe Biden im Januar 2021 Donald Trump als US-Präsident ablöste, schien es eine ausgemachte Sache zu sein. Der damals 78-Jährige, längst nicht immer vital wirkende Mann aus Delaware werde nicht die volle Amtszeit absolvieren und zur Hälfte der Zeit abtreten. Die Geschäfte würde dann die 22 Jahre jüngere Vize-Präsidentin Kamala Harris übernehmen und als Amtsinhaberin in den nächsten Wahlkampf gehen. Entsprechenden Spekulationen wurde nicht widersprochen. Doch statt zur Hoffnungsträgerin für die Wahl 2024 aufzusteigen, ereilte Harris das Schicksal so vieler Vize-Präsidenten und sie geriet völlig aus dem Fokus. Inzwischen ließ Joe Biden wissen, dass er noch einmal kandidieren werde und sich der Unterstützung seiner Partei sicher sei. Doch in diesem Punkt irrt der Präsident offenkundig.

Einer am vergangenen Dienstag veröffentlichten Umfrage im Auftrag des Senders CNN zufolge sind vielmehr 75 Prozent der befragten Wähler der Demokraten der Auffassung, dass jemand anderes als Biden als Präsidentschaftskandidat für die Partei ins Rennen gehen sollte. Im vergangenen Winter hatte das nur gut die Hälfte der Befragten so gesehen. Auch in einer Anfang Juli für die "New York Times" durchgeführten Befragung sprach sich mit 64 Prozent eine deutliche Mehrheit der demokratischen Wähler:innen gegen eine weitere Kandidatur Bidens aus. Hinzu kommen die schlechten Zustimmungswerte. Nur 39,3 Prozent der US-Amerikaner sind derzeit mit ihrem Präsidenten zufrieden – ein schlechterer Wert als bei Vorgänger Trump zum gleichen Zeitpunkt seiner Präsidentschaft.

Wer soll es machen, wenn nicht Joe Biden?

Sein hohes Alter hat sich zu Bidens größtem Handicap entwickelt. Vor allem jüngere potenzielle Wähler der Demokraten finden den Präsidenten schlicht zu alt. "Er wird demnächst 80, er hat all diese Gesundheitsprobleme und jetzt hatte er auch noch Covid", zitiert die ARD-Tagesschau eine Frau, die sich in einer Straßenbefragung in Washington äußert. "Ich glaube nicht, dass er noch der Politiker ist, der er mal war." Immer wieder fällt Biden durch kleinere Fauxpas auf, die an seiner geistigen und körperlichen Verfassung zweifeln lassen. Wortfindungs- und Konzentrationsstörungen oder ein Sturz vom Fahrrad bleiben im öffentlichen Gedächtnis hängen. Biden wirkt so manches Mal wie der personifizierte Grund für die ohnehin lauten Rufe nach einer Altersgrenze für US-Präsidenten.

Das Problem der Demokraten: Niemand drängt sich als wirklich gute Alternative auf. Die Diskussion ist dennoch eröffnet. Und die Namen, die unter den Wählern der Partei gehandelt werden, sind wenig überraschend: Kamala Harris und der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom haben den größten Zuspruch. Laut einer Umfrage für den Bezahl-Sender News Nation würden 31 Prozent der Demokraten die Vize-Präsidentin als Kandidatin bevorzugen, Newsom käme auf 17 Prozent. Nicht gerade Werte, die darauf deuten, dass sich das demokratische Lager begeistert hinter einer der beiden Personen versammeln könnte.

Sanders? Zu alt. Buttigieg? Zu farblos

Auf 13 Prozent brachte es in der Umfrage Bernie Sanders, der aber ebenfalls schon 80 Jahre alt ist. Gefolgt von Bidens amtierendem Verkehrsminister Pete Buttigieg mit zehn Prozent, der zwar 40 Jahre jung ist und als Hoffnungsträger gilt, aber bisher dennoch recht farblos blieb. Genannt werden auch Alexandria Ocasio-Cortez, 32, die streitbare New Yorker Abgeordnete im Repräsentantenhaus, der aber ihre Kompromisslosigkeit im Wege steht, Gretchen Whitmer, 50, Gouverneurin von Michigan, und J.B. Pritzker, 57, Gouverneur von Illinois – allesamt unter zehn Prozent Nennungen.

Was das Problem für die Demokraten nicht kleiner macht: Biden will nicht nur nochmals kandidieren, er wäre weiteren Umfragen zufolge wohl auch der aussichtsreichste Gegner von Donald Trump, sollte es tatsächlich ein weiteres Mal zum Duell der beiden alten Männer kommen. Stand jetzt sagen die Institute für diesen Fall ein enges Rennen voraus – mal mit Trump im Vorteil, mal hätte Biden die Nase vorn. Anders als die Demokraten hätten die Republikaner aber auch eine klare Alternative zu Trump zu bieten. Floridas Gouverneur Ron DeSantis drängt sich seit einiger Zeit auf, gilt er doch als eine Art "Trump mit Gehirn". Und mit 43 Jahren würde er auch noch den Wunsch nach einem deutlich jüngeren Präsidenten erfüllen. Den Demokraten steht viel Arbeit ins Haus.

Quellen: CNN; "New York Times"; FiveThirtyEight; "Newsweek", "The Hill"; Nachrichtenagentur DPA


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