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Erste Auslandsreise Guten Freunden schenkt man die Zeit: Joe Bidens Gipfelmarathon in Europa

Joe Biden vor Abflug nach Europa
Ein letzter Gruß an die Heimat. Joe Biden vor dem Abflug nach Europa
© Susan Walsh/AP / DPA
Als der US-Präsident noch Donald Trump hieß, hielten viele Staats- und Regierungschefs den Atem an. Unter Joe Biden wollen die USA wieder mit ihren Verbündeten zusammenarbeiten. Bei seiner ersten Auslandsreise warten jedoch auch schwierige Themen auf ihn.

Obwohl Donald Trump für einen US-Präsidenten verhältnismäßig spät und überhaupt wenig unterwegs war, begann er seinen ersten Auslandstrip schon Mitte Mai. Sein Nachfolger Joe Biden hat sich für seine Premiere länger Zeit gelassen. Vor allem wegen der Corona-Pandemie. Dafür steuert der Neue im Weißen Haus auch wieder traditionelle Verbündete wie Europa als erstes Ziel an und nicht wie Trump Saudi-Arabien. Auf den 78-jährigen Biden wartet ein vollgepackter Terminkalender: vom Gipfelmarathon, über royale  Begegnungen bis zum Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

  • Mittwoch, 9. Juni

Biden reist mit seiner Frau Jill nach Großbritannien, wo am Freitag der G7-Gipfel beginnt.

  • Donnerstag, 10. Juni

Biden trifft in Großbritannien Premierminister Boris Johnson, den Gastgeber des G7-Gipfels.

Das Verhältnis der beiden ist kompliziert. Biden bezeichnete den britischen Premierminister einmal als "physischen und emotionalen Klon" des damaligen US-Präsidenten Donald Trump und sieht Johnsons Brexit-Politik kritisch. Doch beide Politiker haben auch ein Interesse, die historische Partnerschaft ihrer Länder zu vertiefen. In der Vergangenheit gab es einige Misstöne. Dem Premier hängt bis heute an, dass er 2016 dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama wegen seines "teilweise kenianischen" Hintergrunds eine "angeborene Abneigung gegen das britische Imperium" attestierte. Biden war damals Obamas Stellvertreter.

Boris Johnson, der Mini-Trump

Vergleiche zwischen Trump und dem ebenfalls in New York geborenen Johnson hatte es viele gegeben, nicht nur wegen ihrer ähnlichen Haare, sondern auch wegen ihres populistischen Politikstils und ihres häufig lockeren Umgangs mit der Wahrheit. Trump war zudem ein großer Fan von Johnsons Brexit-Politik – ganz im Gegensatz zu Biden. Besser klappt die Zusammenarbeit bei Themen wie Klimaschutz und Corona. Biden wie Johnson sehen den Kampf gegen die Erderwärmung als dringliche Aufgaben an und setzen, wie auch beim Kampf gegen die Pandemie, auf internationale Kooperation.

  • Freitag, 11. Juni

In Carbis Bay in Cornwall nimmt Biden am G7-Gipfel teil. Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen beraten im Südwesten Englands drei Tage lang über eine Reihe von Themen, darunter die Folgen der Corona-Pandemie.

Unter Trump hatte die Gruppe sieben wichtiger Industriestaaten – neben Großbritannien und den USA sind das Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und Kanada – an Bedeutung eingebüßt. Die Abschlusserklärung des Gipfels vor drei Jahren ließ Trump nachträglich per Tweet platzen, er machte sich außerdem erfolglos für eine Rückkehr Russlands in die Gruppe stark. Unter Biden sollen die G7 als Forum westlicher Demokratien und in Abgrenzung zu autokratischen Tendenzen wieder erstarken.

  • Samstag, 12. Juni

Zweiter Tag des G7-Gipfels. Biden wird zudem bilaterale Gespräche führen. Ob auch ein bilaterales Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgesehen ist, für die es ihr letzter G7-Gipfel als Kanzlerin sein wird, ist noch offen.

Elisabeth II. empfängt Joe Biden

  • Sonntag, 13. Juni

Im Anschluss an den G7-Gipfel werden Biden und seine Ehefrau Jill auf Schloss Windsor von der britischen Königin Elizabeth II. empfangen.

  • Montag, 14. Juni

In der belgischen Hauptstadt Brüssel nimmt Biden am Nato-Gipfel teil. Geplant ist dabei auch ein bilaterales Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

  • Dienstag, 15. Juni

Ebenfalls in Brüssel nimmt Biden an einem EU-USA-Gipfel teil. Er trifft außerdem den belgischen König Philippe.

Die Wiederbelebung der unter Trump verkümmerten transatlantischen Beziehungen hat Biden zu einer seiner Prioritäten erklärt. Die Partnerschaft mit Europa sieht er als "Grundpfeiler all dessen, was wir erreichen wollen", wie er im Februar bei einer Videoschalte zur Münchner Sicherheitskonferenz sagte. "Amerika ist zurück. Die transatlantische Allianz ist zurück." Bündnisse stärken, Autokraten entgegentreten – diese Programmatik spiegelt auch Bidens Europa-Reise wider.

  • Mittwoch, 16. Juni

In Genf in der Schweiz trifft der US-Präsident den russischen Staatschef Wladimir Putin.

Spätestens dann dürfte es mit der Harmonie bei Bidens Europareise vorbei sein. US-Präsident Biden hatte das Treffen im April vorgeschlagen, Putin stimmte erst nach langem Zögern zu. Beim bislang letzten Gipfel dieser Art – im Juli 2018 in Helsinki – hatte Trump öffentlich den Erkenntnissen seiner eigenen Geheimdienste über russische Einmischung in die US-Wahlen widersprochen. Ein solcher Kuschelkurs ist bei Bidens Gipfel mit Putin in Genf nicht zu erwarten. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte kürzlich auf die Frage, welche Botschaft die USA mit dem Treffen aussenden würden: "Dass der Präsident der Vereinigten Staaten keine Angst hat, unseren Gegnern die Stirn zu bieten".

nik DPA AFP

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