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Tod von Kim Jong Nam: Video soll Mord an Kims Halbbruder zeigen

Zwei Frauen nähern sich Kim Jong Nam, eine umgreift ihn von hinten: Der japanische Sender Fuji TV hat ein Überwachungsvideo veröffentlicht, das zeigen soll, wie der Bruder von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ermordet wurde.

Kim Jong Nam im Gespräch mit Flughafenpolizisten

Der Ausschnitt aus einem Überwachungsvideo zeigt nach Angaben des Senders Fuji TV, wie Kim Jong Nam (im hellen Anzug) nach dem Attentat Flughafenpolizisten um Hilfe bittet

Nach dem rätselhaften Tod von Kim Jong Nam hat der japanische Fernsehsender Fuji TV Aufnahmen einer Überwachungskamera veröffentlicht, die zeigen sollen, wie der ältere Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un auf dem Flughafen von Kuala Lumpur ermordet wurde. Auf den Bildern ist ein Mann zu sehen, der den Flughafen betritt und auf eine Anzeigetafel schaut. Kurz darauf nähern sich ihm zwei Frauen aus verschiedenen Richtungen. Eine von ihnen fasst mit ihren Händen von hinten um seinen Kopf herum, bevor die beiden sich rasch aber ruhig getrennt voneinander entfernen.

Kim Jong Nam zeigt mehrfach auf sein Gesicht

Weiteres Filmmaterial soll zeigen, wie Kim nach dem Vorfall zunächst zu einer Flughafenmitarbeiterin und anschließend gemeinsam mit ihr zu einem Polizisten geht und offenbar um Hilfe bittet. Dabei macht er mehrfach auf sein Gesicht gerichtete Gesten. Die Polizei hatte auf einer Pressekonferenz am Sonntag mitgeteilt, der 45-Jährige habe sich beim Kundendienst des Flughafens darüber beschwert, dass zwei Frauen sein Gesicht mit einer Flüssigkeit abgewischt hätten. Zwei uniformierte Männer begleiten Kim schließlich in die Flughafenklinik.

Für die Echtheit der Videoaufnahmen gibt es bislang keine unabhängige Bestätigung. Fuji TV machte keine Angaben dazu, wie der Sender an das Filmmaterial gelangte. Kim war vergangenen Montag auf dem Weg vom internationalen Flughafen der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur ins Krankenhaus in einem Rettungswagen gestorben. Die Polizei nahm bisher vier Personen in dem Fall fest, die Papiere aus Nordkorea, Malaysia, Indonesien und Vietnam bei sich trugen. Zu ihnen gehören auch die beiden Frauen, die im Verdacht stehen, Kim im Abflugterminal überfallen zu haben. Es wird spekuliert, dass sie Agentinnen des nordkoreanischen Geheimdienstes seien, die Kim mit einer giftigen Substanz getötet hätten.

Malaysia bestellt nordkoreanischen Botschafter ein

Der Fall sorgt unterdessen für diplomatische Verstimmungen zwischen Malaysia und Nordkorea. Das malaysische Außenministerium bestellte am Montag den nordkoreanischen Botschafter ein. Der Abgesandte Kang Chol soll angedeutet haben, die Regierung in Kuala Lumpur habe in dem Fall "etwas zu verbergen" und paktiere mit äußeren Kräften, teilte das Ministerium mit. Malaysia rief zudem seinen Botschafter aus Pjöngjang zurück.

Bei einer Pressekonferenz am Freitag hatte Kang die malaysische Regierung heftig für ihr Vorgehen in dem Fall kritisiert. Nordkorea werde das Ergebnis einer Autopsie nicht akzeptieren, die ohne Zustimmung Pjöngjangs durchgeführt wurde. Auch forderte Nordkorea von den malaysischen Behörden, den Leichnam zu übergeben. Nach dem Vorfall richtet sich der Verdacht weiter gegen Nordkorea, dessen Machthaber für brutales Vorgehen bekannt ist.

"Alternativen zu Kim Jong Un beseitigen"

Südkoreas Regierung bestärkte derweil den Vorwurf, dass das kommunistische Regime in Pjöngjang hinter dem Tod Kim Jong Nams stecke. Zur Frage nach den Motiven äußerte Verteidigungsminister Han Min Koo laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap vor einem Parlamentsausschuss die Vermutung, der Halbbruder könne eine Bedrohung für die Herrschaft Kim Jong Uns dargestellt haben.

"Der Mord an Kim Jong Nam durch Nordkorea könnte dazu gedient haben, Alternativen zum Regime von Kim Jong Un zu beseitigen", spekulierte demnach Han. Auch könnte Pjöngjang nach außen ein Warnsignal an "Flüchtlinge und Dissidenten" aus dem eigenen Land gesandt haben.

Kim Jong Nam - erstgeborener Sohn des früheren Diktators Kim Jong Il - wurde einst als dessen Nachfolger gehandelt. Er fiel jedoch noch zu Lebzeiten von Kim Jong Il in Ungnade. Nach dessen Tod im Dezember 2011 rückte der jüngere Sohn Kim Jong Un an die Spitze des kommunistischen Staates auf. Kim Jong Nam lebte seither die meiste Zeit im Ausland. Mehrfach äußerte er sich kritisch über die Situation in seinem Heimatland, der letzten kommunistischen Dynastie. Als Regimegegner galt er jedoch nicht.


mad/DPA