VG-Wort Pixel

Kommentar zum Gaza-Konflikt Der gewollte Krieg


Getötete Jugendliche und Luftangriffe: Der Krieg im Gazastreifen gleicht einer stetigen Provokation. Mit der Tötung von drei hochrangigen Führern der Hamas geht der Konflikt in eine neue Runde.
Von Hans-Herrmann Klare und Felix Rettberg

Die Raketen der Hamas auf Israel kamen der Regierung in Jerusalem gerade recht. Als Mitglieder der islamistischen Palästinenser-Organisation drei trampende israelische Teenager am 12. Juni im Westjordanland entführten und ermordeten, suchten einige Minister in der Regierung von Benjamin Netanjahu schon seit einer Weile nach einer Gelegenheit, gegen Gaza loszuschlagen. Wie einer von ihnen in einem vertraulichen Gespräch berichtet, hätten Militär und Geheimdienst Informationen darüber gehabt, dass die fundamentalistische Hamas Tunnel baut, damit Kämpfer oder Selbstmord-Attentäter unter der geschlossenen Grenze hindurch von Gaza nach Israel gelangen können.

Einfach loszuschlagen aber schien zu riskant. Selbst als klar war, dass die Teenager tot waren, zögerte der Premierminister. Denn Israels Regierung stand schon zuvor weltweit in der Kritik, nichts für eine Wiederaufnahme des Friedensprozesses zu tun. Die Beziehungen zwischen Netanjahu und US-Präsident Barack Obama waren schlecht. Und auch die deutsche Regierung tat sich schwer mit dem Mann, der weiterhin jüdische Siedlungen im Westjordanland bauen ließ und im Verdacht stand, Friedensverhandlungen mit den Palästinensern nur zum Schein zu führen.

Provozierter Angriff auf Tel Aviv

Auf die Entführung der Teenager reagierte Israels Regierung massiv. Mehr als 500 tatsächliche oder angebliche Hamas-Aktivisten und Sympathisanten im West-Jordanland wurden in den vergangenen drei Monaten zumindest vorübergehend festgenommen, mindestens 46 von ihnen dem Inlandsgeheimdienst Shin Beth übergeben. Darunter waren auch einige, die vor einer Weile im Austausch gegen den von der Hamas in Gaza entführten israelischen Soldaten Gilal Shalit frei gelassen worden waren. Die Idee war, so der Minister, Hamas zu einer Reaktion zu provozieren.

Tatsächlich: Hamas feuerte Raketen ab. Nicht bloß auf die Städte nahe der Grenze zu Gaza, sondern sogar auf die Großstadt Tel Aviv. Im Verlauf dieses Krieges zerstörte Israels Armee 32 Tunnel. Bei den Angriffen und Kämpfen starben mehr als 2000 Menschen in Gaza, darunter neben Hamas-Kämpfern viele Frauen und Kinder. Mehr als 60 israelische Soldaten verloren ihr Leben, zudem bis heute drei israelische Zivilisten.

Mit der Tötung von wenigstens drei hochrangigen Führern der Hamas in Gaza in der Nacht zu Donnerstag geht der Konflikt in eine neue Runde. Israels Regierung hat – für den Augenblick zumindest – unter Beweis gestellt, dass sie jeden kriegen kann, wenn sie will. Ein kleiner Sieg für all jene, die davon träumen, Hamas militärisch zu besiegen. Auch wenn sich an der Lage in Wahrheit damit nichts geändert hat.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker