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Krieg in Syrien: Rebellen erobern Polizeischule - 200 Tote

Assad glaubt noch immer, mit seinen Gegnern verhandeln zu können. Die Rebellen strafen ihn Lügen und bringen eine Polizeiakademie unter ihre Kontrolle. Die EU will die Aufständischen unterstützen.

Syriens Präsident Baschar al Assad will nicht weichen, dabei gerät die Regierung von allen Seiten unter Druck. In der Provinz Aleppo siegten Rebellen offenbar im Kampf um eine Polizeischule, es gab viele Tote. Die EU hat sich derweil wohl entschieden, syrische Aufständische militärisch auszubilden.

Bei den tagelangen Kämpfen um die Polizeischule in der nordwestsyrischen Provinz Aleppo sind laut Aktivisten fast 200 Menschen getötet worden. Bei den Toten handle es sich um Aufständische und Sicherheitskräfte, die in achttägigen gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet worden seien, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Allein am Sonntag seien mindestens 34 Soldaten getötet worden. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

Granten schlagen in von Israel besetzten Golanhöhen ein

Den Angaben zufolge brachten die Rebellen die Polizeischule in Chan al Assal am Sonntag nahezu vollständig unter ihre Kontrolle. Die Opposition zählte am Wochenende landesweit mehr als 260 Tote, in al Rakka stürmte eine Rebellenbrigade das Zentralgefängnis. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter sprach von Hunderten Gefangenen, die freigelassen worden seien. Unter ihnen seien 18 politische Häftlinge, hieß es. Bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen in der Provinz Daraa sollen sechs Angehörige einer Familie ums Leben gekommen sein. In dem Gebiet, das an Jordanien und die Golanhöhen angrenzt, töteten Rebellen nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter einen gefangenen Offizier.

Vier Granaten aus Syrien schlugen im südlichen Bereich der von Israel besetzten Golanhöhen ein. Die Geschosse hätten keine Schäden verursacht, teilte eine israelische Armeesprecherin mit. Es sei davon auszugehen, dass Israel versehentlich getroffen worden sei. Seit dem Beginn des Aufstands gegen Syriens Staatschef Baschar al Assad vor knapp zwei Jahren wurden in dem Land nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 70.000 Menschen getötet.

Assad lehnt Rücktritt ab

In einem seiner seltenen Interviews schloss Assad einen Rücktritt erneut aus. Er sei zu Verhandlungen mit der Opposition bereit, aber ein Rückzug werde die Gewalt nicht beenden, wie die Beispiele Libyen, Jemen und Ägypten bewiesen, sagte er der britischen Zeitung "Sunday Times".

Assad sagte der Zeitung, die das Interview in der vergangenen Woche geführt hatte, er sei "bereit, mit allen zu reden, auch mit Aufständischen, die ihre Waffen niederlegen". Er werde jedoch nur mit "politischen Einheiten" und nicht mit "bewaffneten Terroristen" verhandeln.

Der britischen Regierung warf Assad vor, "Terroristen" in seinem Land mit Waffen versorgen zu wollen. Mit seiner "einfältigen und unreifen Rhetorik" könne London aber nicht glaubhaft für ein Ende der Gewalt eintreten. Der britische Außenminister William Hague sagte der BBC, es sei eine "wahnhafte" Vorstellung Assads, dass er das Blutvergießen nicht stoppen könne. "Dieser Mann verantwortet das Gemetzel", fügte Hague hinzu.

EU will syrische Rebellen ausbilden

Der "Spiegel" meldet unterdessen, Großbritannien und möglicherweise auch Frankreich wollten die syrischen Rebellen militärisch ausbilden. Die EU habe den Weg für die Entsendung von Militärausbildern freigemacht. Offiziell spreche Brüssel nur von "technischer Unterstützung". Intern hätten die EU-Staaten aber klargestellt, dass damit auch die Ausbildung von Kämpfern an Waffen gemeint sei. Deutschland werde keine Experten schicken, heiße es aus Kreisen der Bundesregierung.

Großbritannien hatte im EU-Ministerrat auch für die Bewaffnung syrischer Rebellen geworben, sich aber nicht durchgesetzt. Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, plädierte dem "Spiegel" zufolge aus strategischem Interesse des Westens für Waffenlieferungen an die Gegner Präsident Baschar al Assads.

Die Vereinten Nationen boten im Syrienkrieg die Vermittlung von Gesprächen der Opposition mit der Regierung an. Das erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach einem Treffen mit dem Syrien-Sondergesandten der UN und der Arabischen Liga, Lakhdar Brahimi, am Samstag in der Schweiz.

Die Weltorganisation sei bereit, "einen Dialog zwischen einer starken und repräsentativen Delegation der Opposition und einer glaubwürdigen und bevollmächtigten Delegation der syrischen Regierung zu unterstützen", heißt es in der am Sonntag von den UN verbreiteten Erklärung.

mlr/DPA/AFP / DPA