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Krise in der Ukraine Armee erobert Hafenstadt Mariupol zurück


Die ukrainische Armee führt derzeit eine Offensive gegen die Separatisten im Osten des Landes. Nach eigenen Angaben habe sie nun die Hafenstadt Mariupol aus der Hand prorussischer Rebellen befreit.

Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben die südöstliche Hafenstadt Mariupol aus der Hand prorussischer Separatisten befreit. Die Lage in der 500.000-Einwohner-Stadt am Schwarzen Meer sei "stabilisiert", sagte Präsident Petro Poroschenko. Der ukrainische Milliardär und Gouverneur, Igor Kolomojski, schlug indes vor, die Grenze zu Russland auf der kompletten Länge von 1920 Kilometern mit einem Elektrozaun abzusichern.

Die Armee griff nach Angaben von Innenminister Arsen Awakow am frühen Morgen Stellungen der prorusssichen Milizen in Mariupol an. Darauf seien mehrstündige Gefechte gefolgt, bei denen zahlreiche Separatisten getötet und vier ukrainische Soldaten verletzt worden seien, einer von ihnen schwer. Auf dem Rathaus von Mariupol wehe inzwischen wieder die ukrainische Flagge, erklärte Awakow.

Vorwurfsvolles Telefonat zwischen Putin und Poroschenko

Poroschenko erklärte, die Armee habe "Heldenmut" beweisen. Zudem teilte er mit, den Gouverneur der Region Donezk, Sergij Taruta, angewiesen zu haben, seine Amtsgeschäfte ab sofort zunächst von Mariupol aus zu führen. Tarutas Verwaltungssitz in der Stadt Donezk wird seit mehr als zwei Monaten von prorussischen Milizen besetzt gehalten.

Die ukrainische Armee führt derzeit eine Offensive gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes. Kiew wirft Moskau vor, den Aufstand zu unterstützen. Am Donnerstag beschwerte sich Poroschenko in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin über das angebliche Eindringen russischer Panzer auf ukrainisches Staatsgebiet.

Russische Panzer in der Ukraine gesichtet

Die Bundesregierung äußerte sich besorgt über die Berichte zu den Panzern. Sollte sich bestätigen, dass "Panzer und weitere schwere Waffen von Russland aus in die Hände prorussischer Separatisten gelangt sind, dann wäre das eine schwerwiegende und sehr besorgniserregende Entwicklung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zeigte sich besorgt. "Wir haben Berichte gesehen, dass russische Panzer und bewaffnete Fahrzeuge die Grenze zum Osten der Ukraine überschritten haben könnten", erklärte er in Brüssel. "Wenn sich diese Berichte bestätigen, würde das eine ernste Eskalation der Krise in der Ostukraine bedeuten", fügte er hinzu.

Der Gouverneur der Region Dnepropetrowsk, Kolomojski, schlug vor, die Grenze zwischen der Ukraine und Russland mit einem Elektrozaun zu sichern. Die mit Stacheldraht verstärkte Absperrung sei nötig, um die Ukraine vor Eindringlingen aus dem Nachbarland zu schützen, "das eine aggressive Politik gegenüber der Ukraine verfolgt", sagte sein Stellvertreter Gennadi Korban örtlichen Nachrichtenagenturen.

Im Gasstreit droht Lieferstopp

Die ukrainische Regierung richtet sich derweil nach Angaben von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk darauf ein, dass Russland nach dem Verstreichen eines Ultimatums am Montag den Gashahn zudrehen wird. Er habe die zuständigen Behörden aufgefordert, die notwendigen Vorkehrungen für den Fall eines Lieferstopps zu treffen, teilte Jazenjuk mit. Zuvor waren die Gasverhandlungen zwischen Kiew und Moskau unter Vermittlung der EU in Brüssel gescheitert.

Moskau und Kiew streiten seit dem Machtwechsel in der Ukraine noch erbitterter als zuvor um Gaslieferungen. Dabei geht es um ausstehende Zahlungen der Ukraine an Russland für frühere Lieferungen und um den künftigen Gaspreis, den die Regierung in Moskau von ihrem Nachbarland fordert. Den zuletzt vom russischen Staatskonzern Gazprom angebotenen Preis für Gaslieferungen lehnt die Regierung in Kiew als zu hoch ab.

Zur Begleichung ihrer Schulden hat die Ukraine laut einem russischem Ultimatum bis Montag Zeit. Wird die Frist nicht eingehalten, will Moskau den klammen Nachbarstaat nur noch gegen Vorkasse mit Gas beliefern. Der im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine vermittelnde EU-Energiekommissar Günther Oettinger rief beide Seiten zu erneuten Verhandlungen auf. Er setze darauf, dass die verbleibende Zeit bis Montag "genutzt wird und von keinem der Beteiligten verstrichen lassen wird", sagte Oettinger in Luxemburg.

awö/AFP AFP

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