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Libyen-Krise NATO-Kriegsschiffe von libyschen Truppen beschossen


Im Krisengebiet wurden am Donnerstag Kriegsschiffe der NATO von libyschen Truppen beschossen. Libysche Rebellen und der italienische Außenminister hoffen auf ein Haftbefehl des internationalen Strafgerichtshof für den Machthaber Muammar el Gaddafi.

Nato-Schiffe haben am Donnerstag einen Angriff von Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi auf die umgekämpfte Hafenstadt Misrata vereitelt. Wie die Nato in Brüssel mitteilte, wurden die zwei Schiffe unter Nato-Kommando von der Küste aus beschossen, als sie die Schnellboote an der Attacke hinderten. Die Nato-Schiffe unter britischer und kanadischer Flagge erwiderten das Feuer. Auf Nato-Seite gab es weder Verletzte noch Schäden.

Bereits vor zwei Wochen hatten Kriegsschiffe der Nato das Verminen des Hafen von Misrata verhindert. Die Nato hat die Aufgabe, die Bevölkerung vor Angriffen der Gaddafi-Truppen zu schützen.

Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi muss nach Einschätzung des italienischen Außenministers Franco Frattini bis Ende Mai mit einem Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) rechnen. Er erwarte bis Ende des Monats Haftbefehle gegen Gaddafi sowie Mitglieder seines Regimes und möglicherweise auch seiner Familie, sagte Frattini am Donnerstag laut einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Er sprach demnach von einen "Schlüsselmoment" für die Krise in Libyen. Sollte der Haftbefehl erlassen werden, sei eine Exil-Lösung für Gaddafi kaum noch vorstellbar.

Auch die libyschen Rebellen hoffen auf einen baldigen Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes. Er rechne entweder mit einer internen Verdrängung Gaddafis von der Macht, "hoffentlich" aber mit einem vollständigen Kollaps seines gesamten Regimes "in den kommenden Wochen", sagte der Vertreter des Nationalen Übergangsrats, Mahmud Dschibril, bei einem Besuch in Washington.

In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN forderte Dschibril die USA dazu auf, den libyschen Übergangsrat als "einzigen rechtmäßigen Vertreter des libyschen Volkes" anzuerkennen. Für die Zeit nach einem möglichen Sturz Gaddafis bat er Washington auch um finanzielle Unterstützung. "Uns geht das Geld aus", sagte Dschibril, der auch im Weißen Haus Gespräche führen wollte, bei einem Besuch der Washingtoner Denkfabrik Brookings.Die Beteiligung am Militäreinsatz in Libyen hat die USA bislang rund 750 Millionen Dollar (526 Millionen Euro) gekostet. Das teilte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Donnerstag bei einem Truppenbesuch im Bundesstaat North Carolina mit. Damit liegen die Ausgaben über den Erwartungen seines Ministeriums. Das Pentagon hatte die Kosten für die US-Luftangriffe während der Anfangsphase des Einsatzes vom 19. März bis zum 4. April mit 604 Million Dollar beziffert und mit weiteren Ausgaben von rund 40 Millionen Dollar pro Monat gerechnet.

Das Verteidigungsministerium konnte zunächst keine Erklärung für den Anstieg der Kosten liefern. Die USA hatten zunächst die Führungsrolle bei dem internationalen Einsatz gegen den libyschen Machthaber Muammar el Gaddafi übernommen, das Kommando im April aber an die NATO abgegeben.

Reuters/DPA DPA Reuters

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