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Trotz Vulgär-Video: Melania Trump – immer loyal, komme, was wolle

Sie ist schön, ein bisschen rätselhaft – und äußerst loyal. Selbst nach dessen sexistischen Aussagen steht Melania Trump hinter ihrem Ehemann. Wer ist die Frau, die einst aus Slowenien in die USA einwanderte und nun die nächste First Lady werden möchte?

Melania Trump Donald Trump

Am Rande des Wahlkampfs: Melania Trump bei einer Rede ihres Mannes Donald

Er kann doch gar nichts dafür. Donald Trump sei von Moderator Billy Bush dazu angestachelt worden, "dreckige und schlimme Sachen zu sagen", sagte Melanie Trump dem Sender CNN. Es ging natürlich wieder um das Video mit sexistischen Aussagen ihres Mannes. Trump hatte erklärt, dank seiner Berühmtheit bei Frauen alles machen zu dürfen, auch ihnen zwischen die Beine greifen. Als "Gespräch unter Jungs" bezeichnet Melania das lapidar. Es sei nicht der Donald gewesen, den sie kenne, sie habe seine Entschuldigung angenommen.

Melania Trump, 46, früheres Fotomodell, geboren und aufgewachsen in Slowenien, hat ihre Rolle in diesem Wahlkampf gefunden. Ihren Mann bewundernd, unterstützend, immer loyal – egal, was da noch kommen möge.

Auch Melania Trump ist eine Einwanderin

Melania könnte bald die First Lady der Vereinigten Staaten sein. Trump hat trotz der ganzen Sexismus-Geschichte schließlich immer noch Chancen. Ausgerechnet Donald Trump, der mit Anti-Einwanderer-Hetze Millionen von Fans einsammelt, ist verheiratet mit einer Einwanderin. Sie wäre die erste Präsidentengattin seit 190 Jahren, die nicht in den USA geboren wurde. Sie wäre sogar die erste Lebensgefährtin eines US-Staatsoberhaupts, die in einem sozialistischen Land aufgewachsen ist. Und mit ihren 1,80 Meter gehört sie zu den größten Hausherrinnen im Weißen Haus (zusammen übrigens mit Michelle Obama und Eleanor Roosevelt, die genauso groß sind, beziehungsweise waren). Unter Superlativen macht es ein Trump nicht. Aber natürlich sagen sie auch herzlich wenig darüber aus, wie diese Frau ihren möglichen neuen Job in Washington auszuüben gedenkt.

Melania Trump trägt Pussy Bluse

Niemand erwartet von der First Lady, dass sie als eine Art Nebenregentin agiert. Obwohl es das schon gab. Hillary Clinton etwa, Gattin des umtriebigen Präsidenten Bill Clinton und die diesjährige Kandidatenkonkurrentin von Donald Trump, führte sich oft so auf, als sei sie der Oberste Kommandierende. Michelle Obama jedoch rundete den linksliberalen Chic der Obamas geschickt mit Jurastudium, Charme und Gemüsegarten ab. Melania Trump dagegen ist vor allem eins: Ehefrau und Unterstützerin. Ihre Hobbys seien Pilates und Magazine lesen, sagte sie in einem Interview einmal. Und sonst? Sie hat eine Schmuck- und eine Körperpflegelinie und sie engagiert sich in diversen Wohltätigkeitsorganisationen. Was Milliardärsfrauen eben so machen.

Aufgewachsen in einem kleinen Ort namens Sevnica

Dabei ist ihr Leben ungefähr das Gegenteil von Trumps nativistischem Wahlkampfkurs. Nämlich: Amerikaner sind gut, Ausländer nicht. Der Heimatort ist am besten, und wer brav dort bleibt und hart arbeitet, vor allem Frauen, den belohnt das Schicksal. Melania Trump, gebürtige Knavs, Künstlername Knauss, hat nichts von alledem gemacht. Und bewohnt nun mehrere gigantische Häuser, deren Einrichtung an das Innenleben der Geschmacklos-Paläste von Rumäniens Ex-Diktator Nicolae Ceaușescu erinnert. Muss man nicht mögen, doch ist die gnadenlose Zurschaustellung unermesslichen Reichtums eben auch die Zurschaustellung, es geschafft zu haben. In Amerika. In New York. Mehr geht nicht. 

Frau Trump wuchs in einem kleinen Ort namens Sevnica auf. Auf Deutsch hieß der früher Lichtenwald. Ihre Mutter, so behauptet sie, arbeitete als Designerin ihr Leben lang in der Modeindustrie, was nicht falsch, nur etwas forsch formuliert ist. Tatsächlich war sie Schnittmacherin in einer staatlichen Textilfabrik. Mit 17 wurde Melania als Model entdeckt, ging später nach New York. Es folgten Cover von "Vogue", "Harper's Bazaar", "Vanity Fair", "Elle" und so weiter. Die Welt hat sie auch ohne Kleidung kennengelernt. Einmal ließ sie sich von Starfotografin Annie Leibovitz nackt und schwanger mit ihrem ersten und bislang einzigen Kind, Barron ablichten. Da lehnte sie lasziv an der Treppe der Privat-Boeing ihres Freundes. Irgendwann hatte sie auch ein Architektur-Studium begonnen, aber schnell wieder abgebrochen. Model zu werden, dass sei schon als Kind ihr Traum gewesen, sagte ein früherer Schulfreund.

Ruhiges Leben an der Fifth Avenue

Während sich Donald Trump als offenes Buch gibt, ist seine Melania eher eine Hochglanzbroschüre, die nur im Showroom einer exklusiven Boutique ausliegt. Geheimnisvoll und rar. Männer spielten vor Gatte Donald offenbar keine Rolle: "Sie ist ein Model mit der Vergangenheit einer Nonne", heißt es im "New Yorker", sie trinkt keinen Alkohol und vor ihrer Ehe lebte sie ein ruhiges Leben am Union Square, nun lebt sie ein ruhiges Leben an der Fifth Avenue, so das Magazin. Als sie Anfang der 2000er in die USA übersiedelte, tat sie das ganz anständig mit Arbeitsvisum und Green Card. "Ich hätte hier nie ohne Papiere leben können", sagt sie. "Man befolgt Regeln, man befolgt Gesetze." So ein Satz aus ihrem Mund klingt schon fast politisch. Zumindest steht er im Einklang mit den Forderungen ihres Mannes, alle Illegalen aus dem Land zu werfen.

Im Wahlkampf meldete sich Melania selten zu Wort. Nach ihrer peinlichen Parteitagsrede im Juli, für die sie Passagen aus Michelle Obamas Rede abgekupfert hatte, verschwand sie wochenlang fast von der Bildfläche. Doch wenn sie mal ins Rampenlicht tritt, unterstützt sie das Wahlkampfgetöse ihres Mannes bedingungslos – und sei es noch so umstritten, sexistisch oder rassistisch. Muslime an der Einreise in die USA hindern? "Donald möchte eben unser Land beschützen." Mexikaner ausweisen? "Nur die illegalen." Und überhaupt: Wer ihren Donald kritisiere, der habe ihm halt nicht richtig zugehört. Bei einem der ersten Auftritte ihres Mannes hielt sie eine kurze Rede, die einer Ansammlung von Platitüden glich: "Er sagt die Wahrheit. Er ist ein großer Anführer. Er ist fair." Melania gewann an Bedeutung, weil "The Donald" bei den amerikanischen Frauen so fürchterlich unbeliebt war. Ihre hölzernen Auftritte, die öffentliche Bewunderung ihres Mannes waren auch der Versuch, die Netze nach weiblichen Wählern auszuwerfen.

Umso ärgerlicher, dass bei gerade dieser Wählergruppe das sexistische Video des Präsidentschaftskandidaten großen Schaden angerichtet haben dürfte. Umso wichtiger, dass die Gattin den Balanceakt schafft, die Aussagen abscheulich zu finden und ihren Ehemann trotzdem für den Besten zu halten. Es ist dieser Balanceakt, den Melania mit dem Satz "Das ist nicht der Mann, den ich kenne" versucht hat. Und natürlich, indem sie die Schuld Moderator Billy Bush zuschob.

"Schau dir das Gesicht an!"

Dabei passt das Video durchaus zu anderen Äußerungen Trumps. "Ich schaffe das Geld ran, aber ich würde jetzt nicht mit den Kindern in den Central Park spazieren gehen", sagte er einmal. Einer TV-Moderatorin unterstellte er Menstruationsprobleme und seine republikanische Gegenkandidatin Carly Fiorina verunglimpfte er mit den Worten: "Schau dir das Gesicht an! Wird irgendjemand dafür stimmen?" Selbst seine eigene Tochter ist ihm nicht heilig: Ivanka sei so scharf, dass er sie am liebsten daten würde, wenn er nicht ihr Vater wäre. Auch wenn er über seine aktuelle Ehefrau, die dritte, spricht, dann geht es vor allem um ihre körperlichen Vorzüge.

Melanias erste Begegnung mit Trump lief so ab: 1998, Party ihres Agenturchefs im New Yorker Kit Kat Club. Er erschien dort mit einer anderen Frau, fragte Melania aber dennoch nach ihrer Nummer. "Das hat mich ziemlich abgetörnt", sagte sie später. Aber nicht allzu lange. Wenige Tage später war sie es, die ihn kontaktierte. Die beiden wurden ein Paar, mit einer kurzen Pause um das Jahr 2000 herum. Damals spielte Trump das erste Mal mit dem Gedanken, sich als US-Präsident zu bewerben. Irgendwie scheinen ihr seine politischen Ambitionen nicht ganz geheuer zu sein. Als Trump im vergangenen Sommer Ernst machte und begann, sich als Kandidaten zu empfehlen, zog sich Melania erst einmal aus der Öffentlichkeit zurück. Twitter etwa, Donald Trumps Lieblingsraufplatz, nutzt sie kaum.

24-Karat-Gold-Wände

Es gibt trotzdem Menschen, die behaupten, Melania sei die treibende Kraft hinter seinen Präsidentschaftsambitionen, Donald Trump selbst gehört dazu. Würde sie selbst natürlich nie so sagen, selbst wenn es stimmen sollte. In der Öffentlichkeit gibt sie sich mit der Rolle als Vollzeitmutter zufrieden. Die treusorgende Ehefrau, die dem Mann den Rücken freihält – ein Bild, das vielen republikanischen Amerikanern sehr gefallen dürfte. Ehrlich, bodenständig, konservativ. Das Weiße Haus also. Was soll auch sonst noch kommen für die Einwanderin, die in einem Käfig aus 24-Karat-Gold-Wänden lebt und auf das Volk im Central Park herabblickt?


Dieses Porträt erschien bereits im Mai an dieser Stelle beim stern. Es wurde nun aus aktuellem Anlass aktualisiert.

nik/car

Von:

und Carina Braun