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Chef der US-Sicherheitsbehörden: Schon wieder einer weg – mit Dan Coats geht einer der letzten Trump-Kritiker

Donald Trump und sein Geheimdienstkoordinator Dan Coats lagen öffentlich oft über Kreuz – etwa was Russland angeht. Nun geht Coats – und mit ihm verliert Deutschland einen Fürsprecher im Trump-Kabinett.

Donald Trump und Dan Coats

Donald Trump und Dan Coats (l.) beim Empfang des Chicago Cubs Baseball-Teams 2017

AFP

Donald Trump hat seit Langem ein angespanntes Verhältnis zu seinen Sicherheitsbehörden. Anfang des Jahres stellte er sogar die Kompetenz der eigenen Geheimdienste in Frage. Mit einer Serie von Twitter-Botschaften reagierte der US-Präsident damals auf die von den Geheimdiensten skizzierten globalen Bedrohungen – widersprach ihnen weitgehend und meinte, sie seien alle ahnungslos. Verantwortlich für den Bericht war Geheimdienstdirektor Dan Coats Nun wird Coats seinen Posten räumen (müssen), und der Präsident ist damit einen seiner letzten Groß-Kritiker los. 

Coats und Donald Trump waren selten einer Meinung

Der Nationale Geheimdienstdirektor koordiniert und überwacht die Arbeit der US-Geheimdienste, etwa des Auslandsgeheimdienstes CIA, und ist damit einer der wichtigsten Mitarbeiter des US-Präsidenten. Trump aber ist kein Mann, der sich gerne widersprechen lässt, und andere als seine Ansichten vertrat Coats reichlich: Ob Nordkorea, Iran, Russland oder Islamischer Staat – in nahezu allen wichtigen Sicherheitsbereichen wich Coats Meinung von der des US-Präsidenten ab. 

Noch ist unklar, ob der Noch-Geheimdienstkoordinator freiwillig das Feld räumt oder von Trump "gebeten" wurde. Zuletzt hatte es Berichte gegeben, dass der Präsident unzufrieden mit Coats sei. Nichtsdestotrotz dankte er Coats via Twitter "für seine großen Verdienste für unser Land".  Er ist übrigens die Top-Personalie Nummer 35, die das Weiße Haus in Trumps Amtszeit verlässt, und gerade aus deutscher Sicht wiegt der Verlust schwer.

Denn Coats war von 2001 bis 2005 US-Botschafter in Berlin. Zwar kritisierte er die Bundesregierung öfter, unter anderem wegen ihres Neins zum Irak-Krieg, dennoch blieb er dem Land verbunden und war eines der zuverlässigsten Verbindungsglieder zwischen Berlin und Washington. Coats gilt als "traditioneller Republikaner", der aber immer wieder mal von der Partei abrückte. Bekannt geworden ist etwa sein süffisanter Kommentar, als er gehört hatte, dass Trump Russlands Präsidenten Wladimir Putin nach Washington eingeladen hat. "Das wird ein interessantes Treffen", bemerkte er sarkastisch.

Nachfolger gilt als Trump-treu

Seinem Nachfolger als Geheimdienstkoordinator werden solche Respektlosigkeiten gegen dem US-Präsidenten kaum über die Lippen kommen. Der designierte Nachfolger John Ratcliffe gilt als absolut Trump-ergeben und hat ihn in der Vergangenheit wiederholt gegen Kritik in Schutz genommen. Außerdem hat er immer wieder Sonderermittler Robert Mueller und den früheren FBI-Chef James Comey angegriffen, mit denen Trump über Kreuz liegt.

Während Politiker von Trumps Republikanern die Personalie Ratcliffe begrüßten, kam von den oppositionellen Demokraten scharfe Kritik. "Der Nationale Geheimdienstdirektor sollte über der Parteipolitik stehen, den Mächtigen die Wahrheit sagen und sich gegen Trumps Machtmissbräuche stellen", twitterte die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren. "Das alles trifft nicht auf John Ratcliffe zu."

nik / DPA