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Nach Explosion in Beirut: UN ruft Libanesen zu nationaler Einheit auf

Der Bürgerkrieg in Syrien spaltet die Bevölkerung im benachbarten Libanon. Nach einer Explosion in Beirut gibt es Befürchtungen, der Konflikt könnte sich auf das land ausweiten.

Bei einer schweren Explosion in einem von der Hisbollah kontrollierten Vorort Beiruts sind mindestens 53 Menschen verletzt worden. Eine Autobombe sei auf einem Parkplatz detoniert, ganz in der Nähe eines Zentrums der Schiitenpartei in der libanesischen Hauptstadt, wie es am Dienstag aus Sicherheitskreisen hieß. Die Milizen der "Partei Gottes" kämpfen an der Seite des Regimes von Machthaber Baschar al Assad in Syrien gegen die Rebellen.

Ob der Anschlag aus diesem Grund verübt wurde, war zunächst unklar. Drei Verdächtige, darunter eine Frau, seien festgenommen worden, hieß es. Seit sich die Schiiten-Partei offen zu ihrem Kampf im syrischen Bürgerkrieg bekannt hat, mehren sich bewaffnete Angriffe auf die Bewegung. Die Hisbollah hat vor allem bei der Schlacht um die strategisch wichtige syrische Stadt Al-Kusair im Mai eine große Rolle gespielt. Derzeit ist sie auch an den Angriffen auf die Protesthochburg Homs beteiligt, die am Dienstag weiter andauerten.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN), verabschiedete eine Erklärung, welche alle Libanesen dazu aufruft, "die nationale Einheit zu wahren angesichts der Versuche, das Land zu destabilisieren". Alle libanesischen Parteien sollten gegenüber dem Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien strikt eine Politik der Nicht-Einmischung verfolgen, hieß es in der Erklärung. Sie wurde einstimmig von allen 15 Ratsmitgliedern verabschiedet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Konfliktparteien zu einer Waffenruhe im islamischen Fastenmonat Ramadan auf. Er erklärte in New York, er appelliere an jeden, der eine Waffe trage, das Kämpfen zu beenden und diesen Monat des Friedens dem Volk als gemeinsames Geschenk anzubieten.

UN will Chemiewaffenexperten entsenden

Offiziell nimmt der Libanon eine neutrale Haltung zu dem Bürgerkrieg im Nachbarland ein, doch die Gesellschaft ist tief gespalten in Anhänger und Gegner Assads. Mehr als 590.000 Syrer sind vor den Kämpfen in ihrer Heimat in den Libanon geflohen. Nicht weniger als 100.000 Syrer sollen bisher in dem Bürgerkrieg getötet worden sein und fast zwei Millionen hätten Zuflucht in Nachbarländern gesucht. Für die meisten Muslime in der arabisch-islamischen Welt beginnt der Ramadan am Mittwochmorgen.

Das syrische Regime erklärte derweil seine Bereitschaft zu Gesprächen mit dem UN-Chemiewaffenexperten Åke Sellström. Sein Land wolle den Schweden nach Damaskus einladen, um über die Rahmenbedingungen einer möglichen Untersuchungsmission zu sprechen, erklärte Syriens UN-Botschafter Baschar al Dschafari in New York. Ban begrüßte das Angebot. Er hoffe, dass Syrien die UN-Fachleute ins Land lassen werde. Bislang hatte Damaskus das abgelehnt. Ban hatte Sellström im März zum Leiter einer Expertengruppe ernannt, die Vorwürfe des Einsatzes von weltweit geächteten Chemiewaffen in Syrien prüfen soll.

Am Montag hatte Präsident Assad die Führung seiner Baath-Partei ausgetauscht. Aus der Parteispitze entfernt wurde auch Faruk al Scharaa, der die gewaltsame Unterdrückung des Aufstandes in Syrien angeblich kritisch sieht. Offiziell soll er weiterhin Vizepräsident des Landes bleiben. Bei der syrischen Opposition trat der Chef der Schattenregierung, Ghassan Hitto, zurück - nach nur vier Monaten in dieser Funktion.

ono/DPA/AFP / DPA