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Nach fünftem Todesopfer: Britische Politiker sammeln die Scherben auf

In den letzten beiden Nächte war es ruhig auf Englands Straßen. Dennoch ist die Zahl der Opfer nach den Krawallen auf fünf gestiegen. Ein 68-jähriger Mann ist im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Umstände seines Todes sind besonders tragisch.

Die tagelangen Krawalle in England haben inzwischen fünf Menschen das Leben gekostet. Ein 68 Jahre alter Mann starb in der Nacht zum Freitag an seinen schweren Verletzungen. Nach Augenzeugenberichten wurde er von Randalierern schwer verprügelt, ausgerechnet, als er ein Feuer löschen wollte. Die Polizei nahm einen 22-Jährigen unter Mordverdacht fest, wie sie am Freitag mitteilte.

Unterdessen arbeiteten Gerichte in London die ganze Nacht. Auch in Birmingham und Manchester wurden Schnellverfahren gegen Randalierer abgewickelt. Allein in London wurden seit Beginn der Unruhen am Samstag mehr als 1.000 Menschen festgenommen. Hinzu kommen mehr als 500 in anderen Städten des Landes. In der Nacht zum Freitag blieb es dank eines weiterhin massiven Polizeieinsatzes überall ruhig. In London waren erneut 16.000 Polizisten im Einsatz.

Ein ranghoher Polizeibeamter gab am späten Donnerstagabend zu, dass die Polizei zum Höhepunkt der Unruhen in London in der Nacht von Montag auf Dienstag nicht genug Beamte auf den Straßen gehabt habe. Ähnlich hatte sich zuvor auch Premierminister David Cameron geäußert. Die Polizei steht in der Kritik, weil sie nicht entschlossen genug auf die Unruhen reagiert haben soll.

Finanzieller Schaden mehrere hundert Millionen

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson lobte am Freitag nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London erneut die Arbeit der Polizei. Sie habe in den vergangenen Tagen in Rekordzeit Tatverdächtige ausgemacht und festgenommen. "Sie arbeiten, bis ihnen die Socken qualmen", sagte Johnson.

Sie konnten jedoch nicht verhindern, dass bei zahlreichen Brandstiftungen und Plünderungen ein Sachschaden von vorläufig geschätzten 200 Millionen Pfund entstand. Die Regierung will mit einem Hilfsfonds für Ladenbesitzer in den besonders betroffenen Einkaufsstraßen in Höhe von 20 Millionen Pfund und mit einem weiteren Fonds für die Kommunen in Höhe von 10 Millionen Pfund helfen.

Dort kam am Freitag der Optimismus wieder zurück. "Brixton hat vielleicht ein paar blaue Flecken, aber Brixton ist nicht kaputt", sagte eine Lokalpolitikern aus dem betroffenen Londoner Stadtteil. In vielen Teilen Londons halfen Freiwillige den Opfern der Randale, die Wohnungen oder ihr Hab und Gut verloren hatten.

Mehr Rechte für die Polizei

Premier Cameron hatte am Donnerstag im Parlament ein noch härteres Durchgreifen gegen Gewalttätige angekündigt. Oppositionsführer Ed Miliband forderte eine landesweite Debatte über die Ursachen für die Gewalt. "Wenn es der Premierminister nicht tut, dann mache ich es selbst", sagte Miliband.

Cameron will seinerseits unter anderem der Polizei das Recht einräumen, Vermummten die Gesichtsmaske abzunehmen. Außerdem will Cameron Gewalttätern den Zugang zu sozialen Medien wie Facebook und Twitter sperren lassen. Die Dienste wurden genutzt, um sich für Randale zu verabreden. Eine Sperre ist unter Experten höchst umstritten.

Bei den vielen Gerichtsverfahren kamen immer neue Details über Identität, Herkunft und das soziale Umfeld der Straftäter ans Licht. Premier Cameron hatte am Donnerstag die Straßengangs aus den Wohnghettos der Vorstädte als Haupttäter identifiziert und ein Sofort-Programm gegen Bandenkriminalität angekündigt. Daneben wurde aber deutlich, dass zahlreiche Trittbrettfahrer aus allen Teilen der Gesellschaft an der Randale beteiligt waren.

ono/DPA / DPA