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Nahost-Friedensverhandlungen: Kerry setzt auf Optimismus und Diskretion

John Kerry drückt aufs Gas und gibt sich bei seinem Nahost-Besuch optimistisch. Bei Treffen mit Peres und Fajad stellte er baldige Fortschritte in Aussicht - warnte aber vor übereilten Schritten.

US-Außenminister John Kerry hat vor einer übereilten Neuauflage direkter Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern gewarnt. Zum Abschluss seines Nahost-Besuchs sagte Kerry am Sonntag vor Journalisten, der Prozess der Annäherung zwischen beiden Seiten sollte nicht durch Druck von außen mit künstlichen Fristen oder sonstigen Vorgaben behindert werden. Es gehe zunächst darum, das Vertrauen zwischen den Konfliktparteien zu stärken, betonte Kerry, der innerhalb von drei Wochen drei Mal zu Gesprächen in der Region war. "Wir wissen alle, dass es nicht leicht ist, aber es ist möglich", sagte Kerry am Montag bei einem Treffen mit Staatspräsident Schimon Peres in Jerusalem. Eine Zwei-Staaten-Lösung in Nahost sei immer noch möglich. "Ich bin überzeugt, es gibt einen Weg vorwärts", sagte Kerry.

Peres sagte nach Angaben seines Büros, in Nahost wehe nach dem Besuch von US-Präsident Barack Obama vor gut zwei Wochen ein "neuer Wind des Friedens". Der Friedensnobelpreisträger sprach von einem "Gefühl des Optimismus und dem Glauben, dass Frieden möglich ist". Die Schaffung eines Palästinenserstaates, der Seite an Seite mit Israel existiert, sei immer noch die beste Lösung.

Peres äußerte sich auch zum Atomstreit mit Teheran. "Das iranische Regime mit seinem Streben nach Vorherrschaft ist die größte Bedrohung für den Frieden, die Sicherheit und die regionale Stabilität", sagte der 89-Jährige. Kerry bekräftigte, es seien in der Frage weiterhin "alle Optionen auf dem Tisch". Obama sei ein Freund Israels. "Wir sind uns der Bedrohung durch den Iran bewusst und wie der Präsident schon oft gesagt hat, blufft er nicht", sagte Kerry. "Er meint es ernst und wir werden Israel gegenüber dieser Bedrohung zur Seite stehen, gemeinsam mit dem Rest der Welt."

Delegation der Liga in Washington erwartet

Der US-Außenminister lehnte es ab, sich konkret zu den Inhalten seiner Gespräche unter anderem mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu zu äußern. Es gebe eine stille Strategie, die er nicht öffentlich erörtern werde, um ihre Chancen nicht zu beeinträchtigen sagte Kerry. Aus dem Umfeld von Abbas hieß es, Kerry habe den Friedensplan der Arabischen Liga von 2002 erwähnt, der die Anerkennung Israels durch alle arabischen Staaten im Gegenzug für die Aufgabe der 1967 besetzten Gebiete durch Israel und eine "gerechte Lösung" für die Frage der palästinensischen Flüchtlinge vorsieht.

Der Chef der Arabischen Liga, Nabil Elarabi, kündigte an, dass eine Delegation aus arabischen Staaten noch in diesem Monat in Washington Gespräche über den Friedensprozess führen werde.

kave/Reuters/DPA / DPA / Reuters